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Angesprochen

Mai 11, 2012

Es gibt sie noch. Schon ewig nicht mehr gesehen oder gehört und schon gar nicht selbst erlebt, aber doch – es gibt sie noch. Ich dachte, dass ausgelutschte Machosprüche nur mehr in typischen Liebeskomödien und Klatschblatt-Frauen-Magazinen existieren, wenn wieder mal darüber diskutiert wird, welcher denn der schlechteste Anmachspruch aller Zeiten sei.

„Hey! Kennst du mich noch?“ – Ich muss sagen.. er hat mich kurz gekriegt. Angestrengt nachdenkendes Zusammenkneifen der Augen. Verdammt, wer bist du? „Ahm.. nein. Tut mir Leid, sollte ich?“ Normalerweise merke ich mir Gesichter doch recht gut. „Ja.. solltest du!..“ Ohje. Unangenehm. Meine Augen warfen ihm kurz einen SeimirnichtböseichweißesnichtmehrhilfmirbitteaufdieSprünge-Blick zu, bis er mich dann mit „..Ich war gestern Nacht in deinen Träumen!“ „erlöste“. Och ne. Jetzt bin ich tatsächlich darauf reingefallen. Lachend (Ja, zum Lachen gebracht hat er mich damit!) erklärte ich ihm, was ich von solchen Sprüchen halte und wie erstaunt ich bin, dass die tatsächlich noch jemand anwendet. Länger als eine Minute hat das Gespräch dann aber nicht gedauert. Vielleicht sollte er doch mal darüber nachdenken seine Strategie zu ändern..

„Was machst du hier?“ „Ahm.. ich sitze hier so und relax ein bisschen. Hab gerade genug vom Tanzen.“ „Du gehörst irgendwie nicht hier her.“ „Bitte?“ „Du siehst so anders aus als die Leute, die sonst hier sind..“ Stirnrunzeln. Nach ein paar weiteren Fragen meinerseits stellte sich heraus, dass der Herr normalerweise Türsteher in diesem Lokal ist und anscheinend auch an seinen freien Tagen gerne mal seine Kollegen besucht und privat einzwei Gläschen trinkt. Der Club war einer dieser etwas heruntergekommenen, aber charmanten Unterground-Locations Marke altes Fabriksgebäude mit alternativem Publikum, das zu Drum’n’Bass-Sounds die Nacht durchtanzt. Tja mein Herr, da muss ich dich enttäuschen. In diese Lokale passe ich nämlich bestens. Äußerlich vielleicht nicht unbedingt – da hat er schon irgendwie Recht – aber wer mich nur aufgrund langer, blonder Haare in die falsche Kategorie steckt, dem wünsche ich ein tägliches, kräftiges Anstoßen des kleinen Zehs an der Bettkante.

„Hey! Wir kennen uns doch! Aber leider weiß ich deinen Namen nicht mehr..?“ „Hallo! Kein Problem. Ich weiß deinen auch nicht mehr.“ Name wird ausgetauscht. Zehn Minuten Smalltalk. „Oh Gott Entschuldigung, aber wie war dein Name jetzt nochmal?“ „Haha.. Bettina. Und deiner war jetzt…?“

Salzburger Nachrichten, 7. April 2012

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