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Wien bei Nacht I

August 3, 2012

Nur eine ganz normale Clubnacht.

‚Hey Leute. Speed, X, Koks.. alles da. Na?’ Nene danke. Lass mal stecken. ‚Hii! Würdets ihr die Weinflasche nehmen, sie weitergeben und dazusagen, dass derjenige, der sie zum Schluss hat, um zwei Uhr wieder mit der Flasche da sein soll?’ ‚Ähm? Wie?’ ‚Das is Flaschenpost!!!!’ Irgendwie (aber wirklich nur irgendwie) eine nette Idee. Allerdings bezweifelten wir, dass in zwei Stunden noch was in der Flasche sein würde. Oder ob man nach dieser Zeit in ungewissen Händen überhaupt noch daraus trinken möchte. Ich nicht. Die Flasche dankend abgelehnt, wartet glücklicherweise keine Schlange vor der Tür. Nur ein Mädl, das ziemlich verzweifelt mit dem Türsteher diskutiert ‚Natürlich bin das ich!! Das ist mein Ausweis!!’ und eine andere, die mit dem Mitarbeiter an der Kasse um den Eintritt feilscht ‚I hob oba ka Göööd! Ma biiitteee!’. Stirnrunzeln. Irgendwie dazwischen durchschlängeln. Mögen, dass man auf die Gästeliste verweisen kann – kommt ja schließlich auch nicht jeden Tag vor.

Nachdem man mir ein nettes lila Bändchen um das Handgelenk geklebt hat, beugt sich der Herr am Eingang leicht zu mir und flüstert mir ins Ohr, dass der Code heute 28irgendwasirgendwas (ich hatte ihn innerhalb einer Minute wieder vergessen) sei. Hm? Bitte? Der Code wurde extra für mich nochmal auf die gleiche, geheimnisvolle Weise wiederholt. Ich hatte keinen blassen Schimmer, was ich damit anfangen sollte, aber versuchte meinen unwissenden, verwirrten Ausdruck schnell wieder vom Gesicht verschwinden zu lassen, nickte und bedankte mich artig. Da merkt man halt doch, dass ich die meiste Zeit in meinen geliebten Bars und Beisln verbringe. (Dort wird mir allerdings auch das ein oder andere Mal etwas Unverständliches, Verwirrendes ins Ohr geflüstert.) – Backstage-Bereich. Fand ich dann später heraus. Hätte mir irgendwie klar sein müssen. Aber da ich die Zahlenkombination kurz danach sowieso schon wieder komplett vergessen hatte, war es im Prinzip ganz egal wohin sie mich führen würde. Beim Betreten schlägt mir gleichzeitig der Bass und der Geruch von Gras ins Gesicht. Nicht unangenehm. Nur unaufhaltsam. Mit einem Bier in der Hand bewege ich mich langsam Richtung Tanzfläche und beginne wie die anderen im Beat zu tanzen. Unterhalten ist ohnehin nicht wirklich möglich. Das bemerkt auch der Herr vor mir, der Interesse an einer dunkelhaarigen Schönheit zeigt – das geplante Kennenlern-Gespräch funktioniert aufgrund von Lautstärkeproblemen nicht wirklich einwandfrei. Was solls. Dann wird sich eben nur hinter sie hingestellt und eng mit ihr ‚getanzt‘ (es sieht mehr so aus als ob er nur seinen Schambereich an ihrem Hintern reiben möchte – ist sicher auch so). Das gleiche Schauspiel bietet sich mir noch einige Male direkt vor meiner Nase – nur der Ausgang ist immer unterschiedlich: Hemmungsloses Geknutsche auf der Tanzfläche. Hinausgehen um zu plaudern. Angewiderter Blick des Mädls + abblitzen lassen. Meist vom Betrunkenheitsgrad abhängig. Ich habe das Gefühl, dass die Zeit hier drin irgendwie ein bisschen langsamer vergeht, dabei rast sie nur so vorbei. Als ich das nächste Mal auf die Uhr schaue, ist schon längst tiefe Nacht. Pause. Luft schnappen. Die Sitzgelegenheiten im Außenbereich werden von einigen schon eher als Schlafgelegenheiten benutzt. Nur kurz ausruhen.. jaja, das kennt man. Der Typ von vorher dreht noch immer seine Runden und bietet seine Ware an. Noch nie habe ich jemanden gesehen, der dort tatsächlich Drogen gekauft hat. Wieder zurück im Getümmel sitzt ein Mädchen schluchzend auf dem nicht gerade sauberen Kloboden und tupft mit einem Taschentuch vorsichtig ihre Tränen weg. Anscheinend ist sie doch noch so bei Sinnen, dass sie keine Lust auf ein mit Mascara verschmiertes Gesicht hat. Eine Freundin redet beruhigend auf sie ein ‚Ach komm Schatz.. er war doch sowieso ein komplettes Arschloch. Du bist doch viel zu gut für ihn..’ Die Standard-Phrasen eben. Ich hab sie alle schon verwendet (aber meistens auch so gemeint!). Und gehört natürlich sowieso. Die Tanzfläche hat sich mittlerweile rapide geleert und auch meine Füße und Augenlider werden doch auch schon etwas schwerer. Nach dem letzten Schluck von meinem Bier trete ich in den Morgen hinaus und stelle fest, dass es eigentlich noch recht dunkel ist für die Zeit. Die Nächte werden schon wieder um Einiges länger. Für den Heimweg sowieso viel angenehmer.. allerdings auch ein schmerzliches Zeichen für das Voranschreiten des Sommers. Ich möchte ihn mit beiden Händen greifen, halten und nicht mehr loslassen – genauso wie ein feines After-Party-Frühstück. Um diese Uhrzeit zwar nicht mal mehr am Schwedenplatz zu finden, aber mit viel Glück doch noch so irgendwo. Ein Hoch auf den Anker in der Opernpassage und seine Öffnungszeiten.

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