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So richtig endgültig?

September 18, 2012

Ich trinke gerade Kaffee. Mit Haaren, die so lange sind, dass ich mittlerweile bei einem Oben-Ohne-Shooting mit Leichtigkeit alles Wesentliche verdecken könnte, rot lackierten Nägeln und einem Shirt, das farbtechnisch Schneewittchens schneeweißer Haut (oder auch meiner) ernsthafte Konkurrenz macht. Klingt ziemlich unspektakulär – ist aber näher betrachtet doch irgendwie faszinierend. Geschmack verändert sich. Laufend. Das Wesentliche bleibt vielleicht: Ich habe immer schon Heißgetränke getrunken, nur Kaffee konnte ich bis vor ein paar Jahren nicht ausstehen. Meine Haare haben ihre Farbe nicht gewechselt, nur früher habe ich mir immer eingebildet, dass mir ein fransiger Kurzhaarschnitt um einiges besser zu Gesicht steht. Ohne Nagellack bin ich schon eine kleine Ewigkeit nicht mehr unterwegs, doch einige Zeit durfte ausschließlich ein fröhliches Schwarz verwendet werden. Und wie oft hatte ich in Geschäften weiße Shirts in der Hand und habe sie immer wieder weggeschmissen und gegen andere eingetauscht, weil ich der Meinung war, dass mir weiß absolut nicht steht.

Und die Liste kann noch beinahe ewig fortgesetzt werden. Personen, die ich früher heimlich bewundert habe, tun mir heute irgendwie Leid und andere, die ich für immer in meinem Leben haben wollte, grüße ich heute teilweise nur mehr mit einem milden Lächeln bei einem zufälligen Über-den-Weg-laufen. Bei meinem ersten Kontakt mit einer Olive fand ich sie so scheußlich, dass ich in Tränen ausgebrochen bin (.. die Geschichte wird immer noch gerne mal erzählt) – wenn ich jetzt mit einem Olivenglas in Berührung komme, könnte ich das ganze Glas auf einmal ausfuttern.. ohne Beilage und vorm Kühlschrank stehend. Und Filme & Musik, die ich vergöttert habe und die in Dauerschleife gelaufen sind, finde ich heute so peinlich/unangenehm/ja teilweise sogar grausam, dass ich mir Augen und Ohren zuhalten möchte, wenn ich wieder mal darüber stolpere. Jaja. Ich weiß. Alles nichts Neues. Man verändert sich und entwickelt sich nunmal weiter. Ständig. Doch frage ich mich: Kann man sich überhaupt jemals für etwas entscheiden – so richtig endgültig?

  1. hi bettina!

    muss dir an dieser stelle mein kompliment aussprechen! bin beim googeln zufällig über deinen blog gestolpert und bin echt begeistert! ich muss dazu sagen, dass ich sonst nie blogs lese, aber bei deinem bin ich irgendwie hängen geblieben. erfrischend, authentisch, sympathisch, ehrlich, eloquent… aber vielleicht haben mich auch einige der passagen, bei denen ich das gefühl hatte, dass du mir aus der seele sprichst, so gefesselt 🙂
    und wo kann man bitteschön deine bücher kaufen? 🙂

    lg, thomas

  2. Liebster Thomas!
    Ich bin gerade schrecklich rot angelaufen. Vielen, vielen Dank!! Freut mich besonders, dass ich einen Leser gewinnen konnte, der sich sonst nie durch Blogs klickt 🙂
    Haha meine Bücher.. schön wärs. Aber anscheinend hätte ich ja zumindest schon einen Käufer 🙂
    Achja und: Soweit ich mich erinnern kann, habe ich meinen Namen nur ein einziges Mal in einem Artikel verwendet.. du hast wohl sehr aufmerksam gelesen – dafür bekommst du ein goldenes Sternchen von mir!

  3. ja, einen käufer hättest du sicher, aber so ist es auch kein nachteil. ein blogeintrag nimmt nicht so viel zeit in anspruch und man muss auf ihn nicht so lange wie auf ein neues buch warten. und natürlich ist er auch top aktuell! 🙂
    ich könnte dir ja auch etliche stellen und themen aufzählen, die mir besonders gut gefallen. aber mein favorit ist eindeutig „Ist das noch Punkrock? Ich glaube nicht!“. passt wie die faust aufs aug zu dieser verpassten chance! ich hoffe, das wühlt dich jetzt nicht wieder zu sehr auf 😉 ich war zwar auch auf dem die ärzte-konzert, dafür war ich leider bei madsen nicht dabei. und ich glaub dir sofort, dass es gut war!
    oder bzgl. „Lieber Vollidiot!“… als mitleidender hast du da bei mir ein „das musste echt mal gesagt werden“-gefühl ausgelöst. top! 🙂
    ich könnte ja noch viel mehr „feedbacken“, aber das ist ja dein blog, den ich da jetzt nicht zuspammen will 😀

    1. Oooh bitte nicht mehr erwähnen – ich könnt mich immer noch grün und blau ärgern 😉
      Der Herr hat nicht nur einen guten Blog-, sondern auch einen guten Musikgeschmack! Fein. Und ist wohl auch aus Wien bzw. lebt hier, oder täusch ich mich da?
      Und so liebes Feedback lese ich immer gerne.. da kannst du mir ruhig A4-Seiten vollschreiben 😉

      1. völlig richtig erkannt! mein geschmack ist halt auch wählerisch 😉
        und auch, dass ich in wien lebe, stimmt. da muss ich an dieser stelle auch schon wieder „lob“ loswerden. ich finds toll, dass du wien magst! ich bin auch nicht in wien aufgewachsen, aber es gibt viele leute vom „land“, die die vielen möglichkeiten von wien nicht zu schätzen wissen. und die wissen meistens auch nicht, wie lebenswert wien eigentlich ist, verglichen mit anderen städten dieser größe. ein hoch auf wien! 🙂 du hast ja scheinbar mal im zehnten gewohnt (oder noch immer?), wenn ich das richtig rausgelesen hab 🙂
        schreib mir per mail, dann kommt noch mehr, weil ich wie gesagt die kommentarfunktion hier nicht missbrauchen will 😉

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