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Wer steht denn bitte nicht auf Karaoke?!

April 12, 2013

Junggesellinnenabschied. Karaoke. Yey! Ich war das erste (!) Mal in einer Karaokebar in Wien und fand es mehr als amüsant in geselliger Runde die verschiedensten Auftritte anzuschauen. In drei Stunden sieht man wirklich so ziemlich jedes Karaoke-Klischee, das man sich vorstellen kann.

Meine Favorites: 

Die Polterfeier-Runden (natürlich!)

Brautjungfern in bedruckten T-Shirts und mit pinker Farbe im Haar singen am Anfang des Abends „Get the party started“ und werden dabei von der restlichen Polterrunde und der Braut angefeuert.  Wie der Zufall es so will, sitzt am Nebentisch ein ganzer Schwung Männer, die den gleichen Anlass feiern. Der Bräutigam dieser Runde steht ein wenig später im Amerika-Bikini (den ihm unsere Braut verkauft hat) – allerdings über der Kleidung! – auf der Bühne und singt Gangnam-Style, während um ihn herum so viele Mädls wie möglich die dazugehörige Choreographie tanzen. Kurz vor dem Lokalwechsel liegen sich Brautjungfern und die Braut in den Armen und singen lauthals „Dancing Queen“. Wenn man dazugehört: irre witzig. Wenn man lieber schönen, spaßfreien Klängen lauschen möchte: irre nervig.

Der coole Könner

Er kommt schon mit einer unglaublichen Sicherheit auf die Bühne und man merkt gleich, dass er dort schon viiiele Male gestanden sein muss. Zusätzlich sieht er ziemlich gut aus und singt abwechselnd irgendwelche coolen Songs, in denen man zwischendurch schwieriges Zeug rappen muss – davor kommt ein kurzes „Oh Gott!“ als ob er es nicht drauf hätte.. danach werden die Zeilen natürlich runtergesprochen ohne auch nur über ein einziges Wort zu stolpern –, oder wunderschöne Schnulzen. Und auch wenn man selbst im Party-Modus ist und momentan keine ruhigen Lieder hören möchte: er kann’s, er darf. Die Frauenherzen schmelzen dahin.

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Die Wtf?-Auslöser

Man kann nicht anders als zwischendurch immer wieder skeptisch zu schauen und sich zu fragen, was sich diese Sänger bei der Songauswahl gedacht haben. Total unpassend oder total dämlich. Der Auftritt wirkt unfreiwillig komisch und das ganze Lokal ist froh, wenn der peinliche Moment wieder vorbei ist.

Die DSDS-Kandidaten

Diese Karaoke-Sänger sehen aus, als ob sie den ganzen Abend keinen Schluck Alkohol getrunken hätten, da sie das alles hier total ernst nehmen und professionell wirken wollen. Die beliebteste Songauswahl ist immer etwas sehr Hohes, Schwieriges.. am besten was von Whitney Houston oder Mariah Carey. Mimik und Gestik auf der Bühne zeigen deutlich, dass sie sich so enorm hineinsteigern als ob Dieter Bohlen persönlich vor ihnen sitzen würde. Das Ganze klingt aber leider so, dass der gute Dieter nach dem Auftritt wohl was sehr, sehr Böses sagen würde. Nach einem höflichen Applaus stolzieren sie zurück zu ihrem Freundeskreis, der dann vermutlich ein „Oh wow das war fabelhaft!! Du solltest dich unbedingt bei einer Castingshow bewerben!!“ von sich gibt.

Die Auswendig-Könner

Oder: Die Feiglinge. Sie schauen kein einziges Mal auf den Monitor mit dem Text und singen das Lied mehr oder weniger perfekt runter. Sie wählen höchstwahrscheinlich in jeder Karaokebar dieser Welt, die sie betreten, immer wieder dieselben Lieder, weil sie wissen: Das kann ich, damit kann ich nichts falsch machen. Seht her, wie gut wir’s drauf haben!

Und zu guter Letzt: Die Lustig-Macher

Sie tuscheln, sie kritisieren, sie lästern, sie lachen. Ob es die Stimme, das Outfit, die Figur, die Haare oder sonst was ist: Die Sänger werden gnadenlos auseinandergenommen. Die Lustig-Macher trauen sich jedoch selbst kein einziges Mal auf die Bühne. Die Angst ist viel zu groß, dass sich andere über sie das Maul zerreißen.

  1. Sehr coole Zusammenschau. (: Ich war leider auch noch in keiner Karaokebar und würde mich mit meinem Antitalent auch kaum auf die Bühne trauen, aber interessant wär’s schon.
    Übrigens bin ich ein Fan der schrägen Eule in deinem Banner!

  2. Ich war vor ewigen Zeiten (so kurz nach der Matura) mal in einer Karaokebar in Wien, du hast hier sehr gut das beschrieben, was ich schon damals wahrgenommen hab 😉 Scheint sich nicht viel geändert zu haben! Wir hatten dann auch unseren großen Auftritt – aber das war eher falsch und fröhlich als eine Wohltat für die Ohren. Trotzdem lustig 🙂

    1. Na ich glaub, wenn ich 2023 in eine Karaokebar spazier, wird sich auch noch nichts daran geändert haben..
      Haha ja das ist ja eigentlich das Feine.. man hört zwar sehr viel Schräges und Furchtbares, aber es ist trotzdem alles vollkommen in Ordnung.. dort darf es so sein! 🙂

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