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Ein Kompliment?

Mai 18, 2013

Letztens wurde mir ein Herr aus Karlsruhe vorgestellt. Zumindest glaube ich mich daran zu erinnern, dass er aus Karlsruhe war. Komisch, dass ich Orte behalten kann und Namen vergesse, aber eigentlich ist weder Name noch genaue Herkunft relevant. Also unterhalte ich mich mit diesem namenlosen Medizinstudenten (die Studienrichtung habe ich mir wohl auch irgendwie gemerkt).. bis er mir die eine Frage stellt, die in mir ein kleines Hochgefühl auslöste und bei so manchen Leuten um mich herum eher einen mitleidsvollen Ausdruck ins Gesicht zauberte. „Oh Gott! Das ist doch kein Kompliment!“ sagte man. Und dass das doch kein/e ÖsterreicherIn hören will. Hm.. nicht? Warum freue ich mich dann?

„Sag mal bist du schon Österreicherin? Das hört man bei dir fast gar nicht mehr.. du sprichst wirklich sehr schönes Deutsch.“

Ja, ich weiß.. man darf sich nicht freuen, weil man sich anscheinend so ein bisschen anhört wie eine von deeenen. Und die mögen wir doch alle nicht. Über die raunzen und schimpfen wir und wehe sie gewinnen irgendetwas. Sie nehmen uns die Studienplätze weg und außerdem… nein, stopp. Bitte nicht. Ausgelutscht und zum Gähnen.

Ich mag Deutschland. Ich mag viele Deutsche. Klarerweise gibt es einen viel größeren Anteil an unguten Assideutschen als deppaten Ungustln in Österreich, weil es einfach viel mehr Deutsche als Österreicher gibt. Ich kann manche Aspekte dieser Ablehnung gegen unser Nachbarland und alles was sich darin befindet oder aufgewachsen ist ab und zu ja auch ein wenig verstehen, aber eigentlich geht mir diese ständige fast kindliche Quengelei, die die meisten nicht einmal richtig begründen können, ziemlich auf die Nerven. Und BITTE verschont mich jetzt mit „Aber das machen die doch auch mit uns..“.. mhm.. mimimimi.

Ich spreche anscheinend sehr schönes Deutsch – wenn ich will. Was gibt’s daran bitte NICHT zu mögen? Ich kenne so einige ÖsterreicherInnen, die das nicht hinkriegen, obwohl Deutsch unsere offizielle Landes- und Amtssprache ist. Ja, da gibt’s auch ein paar, die wollen gar nicht (à la völlig egal, ob mich mein Gesprächspartner versteht oder nicht.. ICH soll mich für DEN verstellen? Das kommt ja gar nicht in Frage. Nationalstolz und so. Jaja.).. aber viele sind traurigerweise nicht einmal fähig dazu. (Pssst: Ich finde das Verhalten der ersten Gruppe fast noch ein bisschen trauriger.. glaub ich. Oder zumindest gleich traurig. Oder peinlich. Oder so. Ich kann mich nicht entscheiden.)

Wie auch immer.. hier ein offizielles Dankeschön an den namenlosen Herrn aus Karlsruhe. Es war mir eine Freude.
Für alle, die sich jetzt aufpudeln, fluchend vorm Computer sitzen, hochrot anlaufen und sich fragen, wie ich nur kann: Ich freu mich auch sehr, wenn ich in der Heimat ein „Oeso ba dir hecht ach überhaupt nid, dass du neama do bist. Rest no nix wia de Weana.. oebei no wia mia.“ höre. Danke auch dafür. Muss ich jetzt abschließend noch erwähnen, dass ich Österreich liebe? Das dürfte wohl  hoffentlich nicht nötig sein..

DSC04358

Eine virtuelle Berliner-Bär-Deutschland-Umarmung. Heute noch fliege ich nach Frankfurt und besuche euch wieder. Mit im Gepäck: mein schönes Deutsch.

  1. Ach, ist doch schön. (: So, wie ich es letztens auch schön fand, gesagt zu bekommen, dass man nicht wirklich raushört, dass ich aus Deutschland bin, weil ich phasenweise offenbar die typische Wort-/Satzintonation übernehme. (:

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