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Sei kein Frosch

September 8, 2013

collagefroesche

Ich habe mir gestern das Märchen „Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich“ durchgelesen. Seit einer Ewigkeit wieder einmal. Ich war schwer erstaunt, dass man immer glaubt, man kennt diese Erzählungen alle ziemlich gut, aber eigentlich ist einem der Inhalt dann doch sehr fremd. Mir war der zweite Titel „Der eiserne Heinrich“ völlig unbekannt – und deshalb auch die Figur des Heinrichs im Märchen. Außerdem muss die wunderschöne Prinzessin den glitschigen Frosch gar nicht küssen! Dass der kleine, grüne Frechdachs an die Wand geworfen wird, kam mir noch irgendwie bekannt vor, doch dass er dadurch schon „erlöst“ wurde, wusste ich nicht mehr. Und dann wurde die gemeine Prinzessin einfach so mit dem schönen Königssohn verheiratet – wo bleibt hier die Moral von der Geschichte? Ich bin ja große „Die Schöne und das Biest“-Liebhaberin und hatte irgendwie im Kopf, dass die Story beim Froschkönig so ähnlich ablaufen würde. Das schöne Mädchen muss die andere hässliche/glitschige/wieauchimmerunangenehme männliche Hauptperson akzeptieren und lieben lernen und dadurch wird der Bann gebrochen.. und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Aber nein – der Froschkönig tanzt da aus der Reihe. Die Prinzessin kann lügen, ihre Versprechen nicht einhalten, gemein sein und kriegt zum Schluss trotzdem den hübschen König. Tolle Botschaft, liebe Gebrüder Grimm.

Wer sein Gedächtnis auch ein bisschen auffrischen will, kann das Märchen hier nachlesen.

Nichtsdestotrotz haben sich Froschkönige in mein Herz gehüpft. Gestern bekam ich meinen eigenen geschenkt, der mich morgen nach Wien begleiten wird. Er ist schon ganz aufgeregt und freut sich wie ein kleiner Prinz auf die große Stadt. Er ist kein bisschen glitschig und wunderschön – darum küsse ich ihn liebend gern. Wer braucht schon einen Königssohn?

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Man kann mit einem Frosch nicht über das Meer reden, und mit einem Schmetterling nicht über den Winter. (Unbekannt)

Der Frosch im Brunnen ahnt nichts von der Weite des Meeres. (japanisches Sprichwort)

Ein Frosch mit genug Kröten wird verdammt schnell zum Prinz… (Claudio M. Mancini)

Seit sich das Märchen vom Froschkönig herumgesprochen hat, glaubt jeder Frosch, dass er ein Prinz sei. (Harald Schmid)

In jedem Prinzen steckt ein Frosch. Also pass auf, wenn du ihn küsst. (aus „Sabrina, total verhext“)

Von der Außenwelt mehr Liebe zu erwarten, als ich in mir selbst fühle, wäre das Gleiche, wie ein Frosch zu sein und in meinem Spiegelbild einen Prinzen sehen zu wollen. (Gina und Bodo Deletz)

Der Frosch, der im Brunnen lebt, beurteilt das Ausmaß des Himmels, der sich darüber wölbt, nach dem Brunnenrand. (Mongolei)

  1. Auch wenn Märchen an sich häufig eine nachvollziehbare Moral verkörpern, sind die Protagonisten (Rotkäppchen, Schneewittchen, Rapunzel, Dornröschen, die ganzen Prinzen etc.) in den meisten Fällen weit davon entfernt als moderne Vorbilder zu gelten.
    Aber nun gut, die zwei Brüder sind ja auch schon ein paar Tage älter 😉

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