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Friedhofsfreuden II

November 29, 2014

fdn1Der Friedhof der Namenlosen befindet sich beim Alberner Hafen, wo das Auwald- und Wiesengebiet an den Hafen grenzt. Auf diesem Friedhof sind Menschen begraben, die im Zeitraum von 1845 bis 1940 im Hafenbereich von der Donau angeschwemmt worden sind. Von vielen weiß man weder den Namen, noch wie sie gestorben sind. Bei anderen wurde die Identität nachträglich geklärt.
Durch einen Wasserstrudel der Donau wurden hier mit anderem Treibgut immer wieder Wasserleichen angeschwemmt. Schließlich wurden diese an dem Ort begraben, an dem sie aus dem Wasser geborgen wurden.
Eine eigentümliche Stimmung herrscht auf dem Friedhof der Namenlosen. Auf der einen Seite liegt beschauliche Ruhe über den meist schmucklosen Gräbern, auf der anderen Seite dröhnt tagsüber der Lärm des Hafenbetriebes. Auf manchen Gräbern liegen Blumen und Kränze. Auf den Täfelchen steht „Unbekannt“ oder „Namenlos“. Im Gegensatz zu anderen Friedhöfen ist diese letzte Ruhestätte mehr der Natur überlassen. Statt eines Grabsteins befindet sich auf jedem Grab das gleiche schmiedeeiserne Kreuz.
Der Friedhof ist sehr klein und gewinnt dadurch eine sehr private Atmosphäre.“
(Quelle:
https://www.wien.gv.at/bezirke/simmering/geschichte-kultur/friedhofnamenlos.html)
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Nachdem mir ein Freund vor über zwei Jahren den Film „Before Sunrise“ ans Herz gelegt hat (der Film spielt in Wien und in einer Szene befinden sich die zwei Protagonisten am Friedhof der Namenlosen – toller Film, anschauen!) und wir seit dem immer wieder mal davon sprachen, uns dieses Plätzchen mit eigenen Augen anzuschauen, nahmen wir letzten Sonntag die lange öffentliche Anfahrt zum Alberner Hafen an der Grenze zu Niederösterreich endlich auf uns. Allein der Fußweg von der Bushaltestelle weg an den großen, alten Hafengebäuden vorbei war schon ein kleines Highlight an sich. Angekommen am Friedhof waren wir zu unserer Überraschung nicht komplett alleine – mittlerweile dürfte dieses kleine Sightseeing-Schmuckstück in einigen Touristenführern zu finden sein. Wie schon in der Beschreibung steht, ist der Friedhof sehr klein und die Atmosphäre eine besondere. Der Weg in die Pampa Wiens zahlt sich meiner Meinung nach absolut aus – zumindest für FriedhofsliebhaberInnen wie mich. Allerdings mussten wir etwas enttäuscht feststellen, dass der ältere, verwilderte Waldteil des Friedhofes inzwischen nur mehr eine riesige Baustelle ist und zu einer Verladezone des Hafens umfunktioniert wird.
Ein paar Schritte weiter befindet sich das mehr als urige Gasthaus „Zum Friedhof der Namenlosen“ (wie soll es auch anders sein), das man bei diesem Ausflug auf gar keinen Fall auslassen darf! So authentisch österreichisch haben wir bisher nur selten unser Bier, Gulasch und Schnitzel genossen.

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  1. seit ich den film gesehen hab – das war glaub ich so 2005 oder so – will ich unbedingt mal hin und war immer noch nicht dort. was für eine schande. mittlerweile hab ich sogar schon die doku drüber gesehen (angeschwemmt – empfehlenswert!). ich mag das bild mit dem wunderbaren lichteinfall sehr gern!

    1. Ja das versteh ich vollkommen, ich hab ja auch Jahre gebraucht und es ist wirklich kein Katzensprung (zumindest ohne Auto). Oh da gibt’s sogar eine Doku? Cool.. die muss ich mir unbedingt auch mal anschauen!
      Vielen Dank 🙂

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