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Die Sache mit den Wtf-Momenten

März 5, 2015

10847138_10204901210842113_80395100_nWeltstädte und Wunderlichkeiten. Großstadtmenschen und Groteskes. Metropolen und Merkwürdigkeiten. (Ihr ahnt nicht, wie gerne ich noch „Absurditäten“ oder „Ominöses“ verwendet hätte, aber leider sind mir keine passenden Nomen dazu eingefallen…) Die gehören gewöhnlich zusammen – merkt man schon, oder? Mhm. Meistens reicht eine U-Bahn-Fahrt oder ein Spaziergang durch die nächsten zwei Straßen, um einen Artikel darüber schreiben oder mir an dieser Stelle ein Oh-mein-Gott-du-hast-so-recht-High-Five verpassen zu können. Und das ist auch gut so. Wtf-Momente haben durchaus spannende, amüsante Seiten. Ab und zu. Außerdem hätte ich ohne sie weit weniger Schreibstoff – ich bombardiere euch hier ja ohnehin ständig mit skurrilen Situationen aus meinem Leben. Warum jetzt aufhören? Ihr lechzt nach weiteren Kostproben, ich weiß es doch.

Wenn um drei Uhr morgens die Musik im gesamten Pub kurz abgedreht wird, damit sich eine Opernsängerin namens „Melody“ (was übrigens ihr echter Name – ich wiederhole: KEIN Künstlername! – ist) vor die betrunkene Meute stellen kann, um eine Arie zu singen, und neben mir zwei 40-Jährige australische Männer in Batman- & Robin-Kostümen (zeitlich weit abseits von Fasching und Halloween) googeln, wer für das Vorsingen in der Staatsoper zuständig ist, um diesem Herrn einen nächtlichen Besuch abzustatten, dann ist das für mich ein Wtf-Moment.

Oder wenn ich in derselben Straßenbahn wie eine Gruppe Jugendlicher beim Wiener Eistraum am Rathausplatz vorbeifahre und die vier Freunde das Schneemann-Maskottchen auf Eislaufschuhen erblicken. Wenn sie sich daraufhin über schreckliche Ferialjobs austauschen und ein Mädel raunzend erzählt, dass sie einmal einige Wochen in einer Bäckerei gearbeitet hat, dort nie was los war, sie nicht viel zu tun hatte und somit die meiste Zeit kaffeetrinkend und topfengolatschenessend verbracht hat. „Voll schlimm, ich hab zwei Kilo zugenommen!“.  Wie furchtbar.

Oder wenn die Hipster-Mutter neben uns im Lokal ihre Brille zurecht rückt und daraufhin ihre Bestellung mit einem „Aaaaalso…“ beginnt und mit einem „…den Bacon Chilli Cheese Burger, aber bitte ohne den Speck, ohne die Zwiebeln, ohne die Gurken, dafür mit vielen gehackten Chillischoten und doppelt Tomate. Ist in der Sauce Knoblauch drin? … Dann tauschen Sie die bitte durch eine Cocktailsauce oder Kräutersauce aus. Und die Pommes bitte nicht zu fettig sondern schön knusprig. Danke.“ beendet.

Oder wenn mir eine Freundin erzählt, dass sie letztens in der U6 am Weg nach Hause sitzt, als ein wirr wirkender Typ einen alten Taschenrechner aus dem Rucksack zieht, wahllos schnell darauf herumtippt und dabei unheimlich murmelt. Wenn er im nächsten Moment einen mitgebrachten Stock zur Hand nimmt, aus der U-Bahn aussteigt und mit dem Stock sämtliche Fenster und Türen der U-Bahn einschlägt.

Oder wenn ein Pärchen in Anzug und weißem, schulterlosen Mini-Ballkleid in eine eher alternative, legere Bar kommt und die stark geschminkte Dame ein Gesicht zieht, als ob sie gerade die Gruft betreten hätte. Wenn sie sich widerwillig zu ihm an die Bar stellt und naserümpfend einen Aperol-Spritzer („aber mit Eiswürfeln!“) bestellt. Wenn sie in ihrer viel zu kleinen Handtasche nach einem Taschentuch gräbt, um damit die paar Zentimeter der Theke gründlichst abzuwischen, auf die sie ihren zierlichen Ellbogen stützen möchte.

Ich glaube, ihr habt so eine Idee. Das reicht für heute.

    1. Ist das ein Vorschlag für eine weitere Einleitungs-Kombi? Oder einfach nur so geschrieben? In der Einleitung hab ich nämlich immer stadtbezogene Nomen verwendet, das mit den „Alltäglichkeiten“ funktioniert deshalb nicht ganz *g

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