Alltag | Begegnungen | Lebenszirkus | Mein Studium | Sommer | Unterwegs | Wien

Von Filmfehlern und Veilcheneis

Juli 8, 2015

Als mir letztens aus einem Schaufenster ein verdammt hässliches Shirt – verziert mit einem glitzernden Strass-Eiffelturm neben einem riesigen glitzernden Strass-Pferdekopf neben einem glitzernden sich küssenden Strasspärchen – entgegensprang, habe ich mich gefragt, ob es eigentlich reicht, eine Sache sehr gerne zu machen, oder ob man sie tatsächlich auch gut machen muss, um damit erfolgreich zu sein. Dieser Designer macht seinen Job offensichtlich miserabel, was ihn scheinbar nicht davon abhält, seine Kollektionen in Modehäuser zu bringen. (Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass diese Scheußlichkeit nicht im Schaufenster vergammeln und tatsächlich eine Abnehmerin finden wird). Aber irgendwie gibt das auch Hoffnung. Ich mache nämlich so einiges sehr gerne. Vielleicht lässt sich daraus ja noch eine Karriere basteln. Zum Beispiel finde ich leidenschaftlich gerne Filmfehler – bzw. suche ich nicht aktiv danach, aber ich mag es, wenn mir einer auffällt. Manche springen ja jedem Blinden ins Auge, aber manche sind wirklich äußerst leicht zu übersehen. Ist euch beispielsweise schon einmal aufgefallen, dass bei der berühmten Pretty Woman-Szene in der Badewanne der Walkman kurzzeitig umgedreht wurde und der Anschluss für die Kopfhörer auf einmal auf der anderen Seite ist? Vermutlich nicht, ich finde die Prince singende Julia Roberts eigentlich auch sehenswerter. Übrigens feiert Pretty Woman dieses Jahr zeitgleich mit mir den 25. Geburtstag. Und der ORF verlautbarte in der Vorschau die letzten Tage es sei „Die wohl schönste Liebesgeschichte aller Zeiten“. Ein reicher Freier kauft sich die Prostituierte gleich für eine ganze Woche. Wirklich wunderschön. So eine Romanze wünscht sich jeder. Na ja.
Letztens in der Uni war es auch fast ein bisschen so, als ob ich einen Filmfehler entdeckt hätte, der keinem anderen aufgefallen ist. Ich saß in einem – wie meine Frau U. zu sagen pflegt – „Seminar des Grauens“ (d.h. es dauert den ganzen Tag) und die Temperaturen bewegten sich um die 30 Grad. Wir befanden uns bereits nach der Mittagspause beim ca. fünften Referat. Die Luft staute sich im Raum, um die 40 StudentInnen versuchten noch irgendwie der vortragenden Kommilitonin zuzuhören, als ich auf einmal bemerkte, dass das anstrengende Seminar unsere Professorin wohl noch mehr mitnahm als uns. Der von ihren dünnen Fingern umklammerte Fächer, mit dem sie sich Luft ins Gesicht wedelte, machte alle zehn Sekunden eine Vollbremsung, ihre Augen fielen zu und ihr Kopf knickte nach unten, um ihn nach einer Schreckenssekunde wieder hochzureißen und weiterzufächern. Dann begann das Spiel von vorne und wiederholte sich mindestens zwanzig Mal. Ich wartete nur noch darauf, dass sie das mit dem rechtzeitigen Hochreißen nicht mehr schaffen und ihr Kopf auf die Tischplatte knallen würde. Innerlich kichernd schaute ich durch die Runde und bemerkte, dass ich wirklich die Einzige in dem vollgestopften Raum war, die dieses Schauspiel beobachtete. War ich etwa auch die Einzige, die fand, dass sie wie ein riesengroßer pastellfarbiger Eisbecher angezogen war? Ich konnte das Veilcheneis förmlich im Mund spüren. Obwohl ich noch nie in meinem Leben Veilcheneis gegessen habe. Glaube ich. Dafür habe ich letztens ein ziemlich großes veganes Eis gegessen und es war.. zwar ganz ok, aber recht weit entfernt von köstlich. Dieser tierproduktfreie Zug wird wohl auch weiterhin an mir vorüberfahren ohne dass ich auf ihn aufspringe. Genau wie dieser Half-up-Bun-Trend. Diese Frisur hat sich schon vor einiger Zeit wie eine Plage auf den Hipster-Köpfen der Wiener Frauen ausgebreitet und sieht.. zwar ganz ok, aber recht weit entfernt von gut aus. Nur weil Ariana Grande und Rihanna damit ganz süß aussehen, tut ihr es noch lange nicht. Sorry Mädls. Aber es gibt tatsächlich auch Trends, die ich nicht blöd finde: Ich wusste, wusste, WUSSTE, dass diese Tattoobändchen um den Hals irgendwann wieder modern werden. Meine Güte, wie hab ich die Dinger damals geliebt. Außerdem kann ich meine Adidas Superstar nach vielen Jahren der Vernachlässigung wieder aus dem Kasten kramen! The 90s are back, alright. Eigentlich ist es mir ja total egal, auf welche Züge ihr so aufspringt. Nur bitte, bitte kauft euch kein mit einem glitzernden Strass-Eiffelturm neben einem riesigen glitzernden Strass-Pferdekopf neben einem glitzernden sich küssenden Strasspärchen verziertes Shirt. Danke.

Kommentar verfassen

Folge mir

Folge mir per email

%d Bloggern gefällt das: