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G-rant: Kommen Sie herein, wir sind sexistisch.

November 24, 2016

Während sich mittlerweile viele Lokale und Läden „If you are racist, sexist, homophobic or an asshole …don’t come in“ auf die Fenster und Türen kleben, hängen sich slowakische Barbesitzer große Banner mit Internetbewertungen wie „The hottest, most sexist and sexiest bar in the city“ auf die Fassade. Ich staunte nicht schlecht und musste es schon in etwa fünf Mal lesen, um es so richtig glauben zu können. Soso. Sexistisch zu sein ist in Bratislava also ein Aushängeschild. Hm. Ja, das kann man schon so machen, aber dann ist man halt ein Arschloch. Da fragt man sich wirklich, ob die Herrschaften denn überhaupt wissen, was Sexismus bedeutet. Ich weiß auch gar nicht, ob das heißen soll, dass die Besitzer, das Personal oder doch die Gäste, die sich dort aufhalten, sexistisch sind. (Ich gehe sehr stark davon aus, mit Sexismus ist hier nicht gemeint, dass Männer mehr für die Getränke zahlen oder Frauen zu jedem Cocktail ein gratis Sandwich bekommen.) Fakt ist: Dieses Barrock wird gerne als sexistisch bezeichnet und brüstet sich auch noch damit. Es steht da eigentlich schon als Aufforderung. Es schreit: Hey Männer, bei uns ist es vollkommen in Ordnung sexistisch zu sein. Wir stehen sogar dafür! Also grabt sie bei der Pussy. Oder zeigt ihr zumindest verbal, dass sie ein Objekt ist. Sie sagt nein? Das meint sie nicht so.

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Aber mal davon abgesehen, dass ich das schrecklich finde, finde ich das ziemlich gut. Von außen sah das Lokal nämlich im Großen und Ganzen nach meinem Geschmack aus: Gemütlich, nicht schick, schummriges Licht, günstiges Bier und es dürfte bei dem Lokalnamen wohl Rock aus den Boxen kommen. Spricht also eigentlich alles für einen Besuch. Nur diese eine Zeile neben der Eingangstür zeigte, dass man dem ersten Eindruck eben manchmal doch nicht trauen kann. Sonst ist vor dem Besuch eines fremden Lokals oft schwer zu sagen, ob man es meiden möchte – hier fällt dieses lästige „Zuerst ausprobieren und dann Meinung bilden“ praktischerweise weg. Ein Blick und es ist klar: Nö danke. Dieses ehrliche Statement neben der Tür bewahrte mich davor, Menschen mein Geld zu geben, denen ich es keinesfalls geben möchte. Da helfen auch keine guten Rippchen. Wie viele schlechte oder mittelmäßige Lokalbesuche hätte ich mir bereits sparen können, wenn denn nur auf der Außenfassade fett „Wir können keine vernünftigen Aperol-Spritzer mixen“, „Unser Personal ist unfreundlich und bedient Sie nur äußerst ungerne“ oder „Unser Caesar-Salad ist nicht besonders gut, dafür aber klein und teuer“ gestanden hätte. Und wie gerne würde ich noch von viel mehr Lokalen ehrlich wissen, wie sie ticken, damit ich einen großen Bogen um sie machen kann. Vielleicht könnten sich alle Arschlochbesitzer einen kleinen Schaukasten zulegen, in dem Dinge wie „Wir verdienen zwar fett Kohle, aber unseren Mitarbeitern zahlen wir viel zu wenig“, „Das Fleisch, das wir verwenden, kommt aus fürchterlichen Bedingungen“ oder „Unser Geschirrspüler ist kaputt und unser Tellerwäscher legt nicht sehr viel wert auf Hygiene und Sauberkeit“ regelmäßig veröffentlicht werden. Es wäre fast schön, wenn sich so viele wie möglich ein Beispiel an der rockigen Bar in Bratislava nehmen. Dann würde auf den FPÖ-Plakaten auch endlich stehen: Wir sind rassistisch, sexistisch, homophob und uns ist der „kleine Mann“ total wurscht! Wir verarschen euch alle und ihr wählt uns auch noch! Muhahaha!

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