Das Gefühl, wenn…

…jemand hartnäckig fordert, dass du einen bestimmten Wert schätzen sollst, du einige Male sagst, dass du keine Ahnung von diesem Thema hast und es somit absolut nicht einschätzen kannst, der andere trotzdem immer wieder sagt „Na schätz einfach mal!“ „Ist ja egal, schätz einfach mal!“, du dann gezwungenermaßen irgendeine Zahl sagst, diese dann nicht die Zahl ist, die die andere Person gerne gehört hätte, weshalb sie vollkommen enttäuscht reagiert und schnaubend antwortet „Naaa geh bist wahnsinnig?! So viel doch nicht!!“ und du dir nur denkst „ICH HABE DOCH GESAGT, DASS ICH KEINE AHNUNG HABE!! WAS RENNT BLOSS FALSCH MIT DIR???“.

Vorgeschriebene Absagen für kalte, graue Wintertage

Einfach entspannt kopieren und abschicken:

Sorry, ich kann mir deinen Poetry Slam-Auftritt heute leider nicht anschauen, da ich dieses kleine Saal-Dings kenne und ich weiß, dass es dort nirgends eine Garderobe bzw. auch sonst keinen geeigneten Platz für meine Textilien gibt. Ich kann unmöglich meinen dicken Mantel, meine zwei Westen, meinen großen Schal, meine Haube und meine Handschuhe mit mir herumtragen.

Ja, ich weiß, das ist deine 30er-Feier heute. Aber warum musst du auch im Winter Geburtstag haben? Wer macht denn so was? Feier deinen Geburtstag doch irgendwann an einem Tag von Mai bis September wie ein normaler Mensch.

Hey, bitte sei mir nicht böse, aber das Treffen heute muss ich absagen. Grippewelle, du weißt schon. Ich bin zwar nicht krank, aber ich fühle ganz tief drin, dass es jederzeit soweit sein könnte. Letztens habe ich in einem Artikel gelesen, dass es reicht, wenn ein bereits angesteckter Mensch in der Inkubationszeit neben dir einfach nur ausatmet – der muss dich nicht einmal anhusten oder anniesen oder so! Ich kann das Risiko leider nicht eingehen. Dort in dem Lokal würden zu viele Menschen atmen. Sorry.

Ich kann heute leider nicht zu deiner Feier kommen, tut mir wirklich leid. Wir haben uns genau vor einem Jahr das letzte Mal gesehen und damals hatte ich diesen einen roten Mantel an, du erinnerst dich sicher. Auf jeden Fall habe ich es nicht geschafft mir eine neue Winterjacke zu kaufen. Nach so langer Zeit mit demselben Style aufzutauchen ist echt super peinlich. Das wird also nichts heute. Euch aber viel Spaß!

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Klar würde ich heute gerne an deinem mexikanischen Koch-Abend teilnehmen, aber ich musste heute schon das Haus verlassen um Klopapier zu kaufen und in der kurzen Zeit zum Billa und zurück ist mein Gesicht dermaßen eingefroren, dass ich danach durch die rote Nase und die roten Wangen ca. eine Stunde wie einer dieser Horror-Clowns aussah. Ich will niemandem Angst einjagen, du verstehst das gewiss.

Ich weiß, ich hab bereits fix zugesagt, aber das ist Tage her. Jetzt, wo ich eingekuschelt mit meinem Hund und meinem attraktiven Lebensgefährten auf der Couch liege und eine dampfende Kanne Apfel-Zimt-Tee auf mich wartet, kann ich nur sagen: No way. Sorry.

Bei mir wird das heute nichts mit der Ausstellung, verzeih mir. Die Haut auf meinen Händen sieht durch die trockene Heizungsluft dermaßen ledern und faltig aus, dass man meinen könnte, sie gehören einer 80-Jährigen. Handcreme verpufft wie Wasser nach nur wenigen Minuten. Mit diesen Händen kann ich in der Öffentlichkeit kein Sektglas halten. Bis bald hoffentlich.

Tut mir leid, ich kann heute nicht in diese Bar gehen. Ich weiß nämlich, dass dort kein dicker Vorhang hinter der Eingangstüre hängt und ich ertrage es nicht, alle zwei Minuten einen kalten Windhauch zu spüren, der mich bis ins Mark erschüttert. Schönen Abend!

Ich hätte zwar total Lust mir heute mit dir den Vortrag über skandinavische Innenarchitektur anzuhören, aber ich habe mir gerade neue Wildlederschuhe gekauft und der ekelhafte Schneematsch draußen würde sie komplett ruinieren. Und nein, meine dicken Boots will ich wirklich nicht anziehen. Sorry. Wir sehen uns!

Tut mir leid, aber ich habe gerade gesehen, dass es in dem Restaurant, das du ausgesucht hast, nur Raw Vegan-Gerichte gibt. Ich brauche heute wirklich etwas, das heiß serviert wird. Danke für dein Verständnis!

Entschuldigung, aber den Film musst du dir alleine anschauen. Meine Katzen brauchen in der kalten Jahreszeit besonders viel Zuneigung. Du weißt ja wie das ist.

Ich würde sehr gerne zu deiner Abschiedsparty kommen, aber das geht sich einfach nicht aus. Durch die kalte Luft draußen läuft meine Nase auch nach nur kurzen Fußwegen stark und ich könnte mir bei der Feier nicht vernünftig die Nase putzen, weil sonst mein ganzes Make-Up verschmiert. In einem Jahr bist du ja wieder da, oder? Lass uns dann mal treffen.

Ach wir waren heute verabredet? Hmm. Also ich kann mich leider absolut nicht dazu motivieren, meine ausgebeulte Jogginghose und mein altes Rolling Stones-T-Shirt gegen etwas Herzeigbares auszutauschen, aber du kannst gerne zu mir kommen. Auf einen Tee? Ich verspreche dir auch, dass ich das nächste Mal dann zu dir komme. Also vielleicht.

Ich hab da was gesehen.. #2

Letztens hat eine Frau in der vollen Straßenbahn einen dieser Supermarkt-Schokoladenkuchen inklusive Schokoglasur aus der Plastikverpackung befreit und angefangen ihn einfach so im ganzen Stück genüsslich zu verspeisen – ohne sich auch nur ein bisschen um die vielen Blicke zu kümmern.
Egal ob Liebeskummer, PMS, alles blöd oder einfach so: I feel you, sister.

Ich hab da was gehört.. #31

Zwei junge Frauen unterhalten sich:
„Schaust du auch Game of Thrones?“
„Pfft natürlich!!! Also wirklich… wer schaut denn bitte nicht Game of Thrones?“
„Nageh so isses jetzt auch wieder nicht. Ich kenne Leute, die nicht Game of Thrones schauen.“
„Echt? Die müssen ja seltsam sein. Wer ist das so?“
„Na ja halt… zum Beispiel äh… meine Oma.“

G-rant: Healthy Shaming

Body Shaming, Fat Shaming, Skinny Shaming – alles Begriffe, die mittlerweile omnipräsent sind, über die (glücklicherweise!) immer mehr nachgedacht und berichtet wird. Meistens mit dem Ziel, das Bewusstsein für die Individualität des Menschen und für Body Positivity zu schaffen und zu erhöhen. Und obwohl wir hier noch ein riesiges Stück Arbeit vor uns haben, stelle ich in letzter Zeit fest, dass die Figur und das Aussehen selbst manchmal gar keine so große Rolle spielen, sondern mehr, was dieser „dicke“, „dünne“, „schöne“, „ungewöhnliche“ Körper zu sich nimmt. Wenn es um die Aufnahme von Nahrungsmitteln geht, erkenne ich in meinem Umfeld eine zunehmende Verbreitung eines Phänomens, das ich als „Healthy Shaming“ bezeichne. Äußerst selten habe ich mitbekommen oder gehört, dass jemand sagt „Oh du isst schon wieder Burger mit Pommes? Puh denkst du wirklich, das ist eine gute Idee?“ oder „Noch ein Stück Torte? Ehrlich? Vielleicht doch lieber einen Apfel?“. Solche Sätze nehmen wir als sehr unverschämt und beleidigend wahr und würden den meisten Menschen so nicht über die Lippen kommen.

Shhh Healthy Shaming
Wenn es sich jedoch um gesunde Mahlzeiten handelt, haben viele Personen kein Problem damit, diese zu kommentieren und zu beurteilen. Ohne weiter darüber nachzudenken oder sich dabei merkwürdig zu fühlen. „Schon wieder Salat? Ich könnte das ja nicht, ich brauche etwas Richtiges zu essen.“, „Boah du isst immer SO gesund! Schon wieder nur Grünzeug!“ oder auch „Na klar isst du wieder nur Obst. Hätte mich auch gewundert, wenn du jetzt mal richtig zugeschlagen hättest.“. Automatisch hat man immer gleich das Gefühl, sich rechtfertigen oder erklären zu müssen. Ja, aber du hast ja keine Ahnung, was ich am Wochenende alles gegessen habe! Was redest du da, ich habe doch gestern in deiner Anwesenheit ein Schokocroissant gefuttert! Aber gestern Abend habe ich mir vorm Fernseher Chips, Schokolade und Cheesecake gegönnt! Man sieht doch allein an meiner Figur, dass ich mich nicht ständig so ernähre! Na ja jetzt kommt aber bald die Weihnachtszeit und du weißt eh wie das ist! … Mittlerweile habe ich damit aufgehört. Oder versuche zumindest in den meisten Fällen, den Kommentar einfach so stehen zu lassen. Ich muss mich nicht dafür rechtfertigen oder entschuldigen, wenn ich Salat und Obst esse. Selbst wenn ich die ganze Zeit nur gesund essen oder 55 Kilogramm wiegen würde.
Manchmal enthalten diese Kommentare einen Zusatz und somit auch schon den Grund für ebendiese, nämlich: „Wenn ich dein Essen sehe, bekomme ich ein ganz schlechtes Gewissen, wenn ich jetzt das Stück Torte/den Burger/Wasauchimmer esse.“ Ganz sicher der schwerwiegendste Grund, warum wir über gesunde Essensentscheidungen in einem abwertenden Ton urteilen, ist, dass diese Person uns einen unangenehmen Spiegel vorhält. Weil wir uns eigentlich auch gesund ernähren möchten, es aber nicht hinkriegen. Oder weil wir uns eigentlich auch gesund ernähren sollten, es aber nicht wollen. Aber diese Person da macht es. Direkt vor uns. Das kann hart sein, das verstehe ich vollkommen. Ich selbst nehme mich hier absolut nicht raus – mir ist sehr wohl bewusst, dass auch ich manchmal kommentiere, wenn jemand seit langer Zeit keine Kohlenhydrate zu sich nimmt, sich vegan ernährt oder den ganzen Tag gar nichts isst. Seit ich am eigenen Leib erfahre, wie unnötig und teilweise auch ungut das ist und sein kann, versuche ich das jedoch zu vermeiden. Mir ist es ja auch egal, wenn du jeden Tag gebratene Ente mit einem riesigen Haufen Glutamat-Nudeln futterst. Also lass mich bitte meinen Salat essen – ohne Kommentar.

Ich hab da was gehört.. #30

Zwei Freundinnen, unterwegs mit ihren insgesamt fünf Kindern, unterhalten sich in der U-Bahn neben mir.
Die eine zur anderen:
„Seufzzzz… Ich brauche einen Mann, der Ziele hat. Weißt du? Einen, der sagt: Mit 30 will ich das erreicht haben, mit 35 das, mit 40 das. Mein Mann ist überhaupt nicht so. Dem ist alles egal! Der ist zu überhaupt nichts zu gebrauchen!“

Pssst – mein Tipp: Einen Mann heiraten, den man auch gebrauchen kann.