Das Gefühl, wenn…

…jemand hartnäckig fordert, dass du einen bestimmten Wert schätzen sollst, du einige Male sagst, dass du keine Ahnung von diesem Thema hast und es somit absolut nicht einschätzen kannst, der andere trotzdem immer wieder sagt „Na schätz einfach mal!“ „Ist ja egal, schätz einfach mal!“, du dann gezwungenermaßen irgendeine Zahl sagst, diese dann nicht die Zahl ist, die die andere Person gerne gehört hätte, weshalb sie vollkommen enttäuscht reagiert und schnaubend antwortet „Naaa geh bist wahnsinnig?! So viel doch nicht!!“ und du dir nur denkst „ICH HABE DOCH GESAGT, DASS ICH KEINE AHNUNG HABE!! WAS RENNT BLOSS FALSCH MIT DIR???“.

Dein ultimativer Social Media-Festivalguide

Der Sommer hat vor ein paar Tagen nun offiziell begonnen und auch wenn einige große Festivals dieses Jahres schon wieder Geschichte sind, geht die Festivalsaison dennoch jetzt erst so richtig los.
Ach Festivals! Hier dreht sich alles um Musik, gute Laune, Freiheitsgefühl, schöne Momente und die perfekte Social Media-Präsenz. Gehörst du zu denjenigen, die in nächster Zeit eins dieser Festival-Dinger nutzen möchten, um deinen Freunden, Bekannten und dem Typ von dieser einen Party zu zeigen, was für ein perfektes, grandioses, lustiges Leben du führst? Dann bist du hier richtig! Ich habe einige Tipps für dich zusammengestellt, wie du dein nächstes Festival bestmöglich nutzen kannst, um über dein trauriges Leben hinwegzutäuschen und gleichzeitig mehr Likes zu bekommen als die Anzahl der Avocados, die du die letzten zwei Jahre verspeist hast:

Vorfreude posten
Die Arbeit beginnt nicht erst kurz vor der Anreise zum Festival deiner Wahl – nein, es beginnt mit unzähligen Vorfreude-Postings. Hier kannst du richtig kreativ sein: Poste ein Foto deines Tickets, poste Umfragen, welche Outfits du mitnehmen sollst, poste Songs von Bands, die auftreten werden, you get it. Der Inhalt ist egal, wichtig ist nur: Ziere deine Postings mit ganz vielen bunten Herzchen- und Tralala-Party-Emojis und schreibe jedes Mal mit vielen Ausrufezeichen, wie sehr du dich auf diese Tage freust und wie genial dieses Festival mit den besten Menschen, die du Freunde nennst, und diesen tollen Künstlern, von denen du noch nie gehört hast, werden wird. Es gibt dabei kein zu viel. Gehe ruhig all deinen Followern schon vor dem Event so richtig auf die Nerven.

Häuschen mieten
Schlafe niemals in einem selbst mitgebrachten Zelt auf dem Campingplatz mit dem Pöbel. Wenn du nicht ohnehin in einem Hotel schläfst, mietest du dir natürlich so ein süßes, buntes Komfort-Häuschen oder so ein Wigwam-Ding, die mittlerweile alle Festivals für moderate Preise um die 4499,- zur Verfügung stellen. Das zeigt nicht nur bei allen Postings wie speziell du bist – nein, dort gibt es auch die lebenswichtigen Steckdosen und zusätzlich ist der Bereich immer abgesperrt, so dass deine Fotoshootings viel unkomplizierter abgewickelt werden können.

Accessoires, Accessoires, Accessoires
Was soll ich sagen. Ohne haufenweise goldene Klebe-Tattoos, Glitzersteinchen fürs Gesicht, Blumenkränze/Haarbänder/Hüte, Fransen-Shorts/Fransen-Taschen/Fransen-Westen, Netzstrumpfhosen, Booties in verschiedenen Farben, zehn Sneaker-Paare zum Wechseln, Boho-Ketten und Boho-Ringe, hunderte Armbändchen und fünfzehn Spitzen-BHs bist du nicht ready.

Iss das Richtige
Oder tu zumindest so. Ideal wäre, wenn du dich vor dem Festival zur Form deines Lebens hungerst und trainierst, damit du deinen flachen Bauch in Croptops und deine Thigh-Gap in Mini-Jeansshorts präsentieren kannst. Um deinen Followern zu zeigen, dass du Kalorien zählen, Low-Carb und den ganzen Blödsinn dennoch nicht nötig hast und einfach von Natur aus so ein heißes Gerät bist, solltest du jeden Festival-Tag mindestens zwei Fotos online stellen, auf denen zu sehen ist, wie du scheinbar Pizza, Burger und sonstiges Festival-Fastfood verdrückst. Die Leute lieben dünne Mädchen, die fettiges Essen in sich hineinstopfen. Du findest danach sicher irgendwelche Betrunkenen, die das Zeug tatsächlich essen wollen. Nachdem du das erledigt hast, solltest du den einzigen Smoothie-Stand am ganzen Gelände suchen und einen 15-Euro-Gurken-Limetten-Kohl-Smoothie trinken – das muss reichen. Fülle den Bauch bei akutem Hungergefühl mit Wasser. Aber bitte nicht zu viel, du willst doch keinen Blähbauch auf den Fotos haben.

Vergiss die Musik
Die Konzerte müssen dir komplett egal sein, schließlich ist es vor der Bühne nur heiß, eng, staubig, verschwitzt und all das, was schlecht für dein Aussehen ist. Wenn alle anderen vor den Bühnen feiern, kannst du auf deinem Blog und sämtlichen Social Media-Kanälen deine neidischen Follower auf den neuesten Stand bringen. Schau einfach im Internet nach, wer gerade auf der Bühne steht und checke regelmäßig, was andere vom Festival so tweeten, damit auch du sofort aktuelle Statusnachrichten posten kannst. In der restlichen Zeit solltest du dir gute Foto-Locations suchen und die Speicherkarte deiner Spiegelreflexkamera zum Glühen bringen. Absoluter Geheimtipp: Bei jedem Festival gibt es ein Riesenrad, das sich besonders gut im Hintergrund deiner Fotos macht. Ohne ein freiwilliges Opfer wird das allerdings schwierig, also bringe am besten einen verzweifelten und naiven Mann mit, der so tief in der Friendzone steckt, dass er alles für dich tun würde. Für den idealen Content kommst du jedoch nicht ganz an der Musik vorbei: Irgendwann solltest tatsächlich auch du kurz den Bereich vor der Bühne aufsuchen (bei Sonnenuntergang!) und dir dort einen gut gebauten Typen angeln, auf dessen Schultern du dich setzen kannst. Schmeiß dabei die Hände in die Höhe und lass dich von hinten fotografieren – Hashtag Festivalfeeling, Hashtag Lieblingsband, Hashtag Bestconcertever, Hashtag Ilovemylife.

Frag dich, was zum Teufel du da eigentlich machst
Zusatzaufgabe für den Heimweg: Denke gründlich darüber nach, was für ein oberflächliches, erbärmliches und lächerliches Wesen aus dir geworden ist. Weine.

Die Sache mit dem Superbusy-S(ch)ein

(Manche) Menschen heute so:

Hast du vielleicht am dritten August-Wochenende Zeit für einen Kaffee? Am Samstag Vormittag so um 9? Wenn das bei dir nicht geht, dann könnte ich noch Mitte Oktober oder in der ersten November-Woche, aber da müsstest du mir bitte ganz bald Bescheid geben.
Es ist nämlich so, dass nächste Woche die Nichte vom Thomas Geburtstag hat, dann sind wir für ein Wochenende in Paris, danach ist der Junggesellinnen-Abschied von der Mara und das Wochenende darauf bin ich für eine berufliche Fortbildung in Berlin. An dem einen Sonntag muss ich mir die Panda-Babys im Zoo endlich anschauen – Ha, sind das überhaupt noch Babys? Keine Ahnung wie schnell Pandas wachsen!
Na da fällt mir ein: Mit den Fischen muss ich ganz dringend zum Tierarzt und ich wollte schon lange endlich nach dieser alten Lampe im Keller suchen. Ende Juli sind wir wie jedes Jahr auf Sardinien und die Wochen davor bin ich sowieso immer im Vorurlaubsstress. Keine Ahnung, wo ich dieses Jahr schon wieder schöne, neue Bikinis finden soll. Mit der Suche bin ich sicher wieder ewig beschäftigt, du weißt ja wie ich bin! Natürlich ist da dann noch die Einweihungsfeier vom Flo – den kennst du auch noch von früher oder? – und die Hochzeit von David und Anna. Unter der Woche ist es leider so gut wie immer schlecht, weil ich abends entweder überhaupt keine Lust auf dich habe oder mich mit anderen Freunden treffe, die ich auch wirklich sehen will und für die ich mir Zeit nehme.
Aber wegen diesem August-Wochenende – gib unbedingt Bescheid! Ich werde dir diesmal auch nicht absagen, versprochen! Obwohl ich in der ersten August-Woche auch eine total wichtige Deadline eines wichtigen Projekts habe, aber das wird schon irgendwie gehen, ein paar Stunden kann ich mir für dich definitiv Zeit nehmen. Ich seh dich ja so gern!

Das Gefühl, wenn…

…du eine Band, die du sehr magst, das erste Mal live siehst und du von deiner Recherche schon weißt, dass sie bei allen vorhergehenden Terminen der Tour immer dieselbe Setlist gespielt haben und dein Lieblingslied nie dabei war – und dann kurz vor Ende des Auftritts ganz unverhofft auf einmal die ersten Akkorde dieses Lieblingslieds ertönen.

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Ich hab da was gehört.. #26

Eine Freundin erzählt mir von ihrem letzten Date:
Sie und er sitzen in einem Lokal und stellen bei ihrer Unterhaltung zufällig fest, dass sie beide gerne und regelmäßig ein bestimmtes Wiener Bad besuchen, um dort in die Sauna zu gehen.
Er: „Aah.. ich war mir ja zuerst nicht ganz sicher, ob du das bist, aber jetzt weiß ich es fix. Ich hab dich schon in der Sauna gesehen!“
Sie erzählt mir, dass dort nie allzu viel los ist und sie dort so gut wie alle vom Sehen her kennt, weil sie sehr oft dort ist. Ihn hat sie dort aber noch nie gesehen. Da dort die meisten 50+ sind, hätte er ihr auffallen müssen, meint sie.
Sie: „Ach wirklich? Ich hab dich noch nie dort gesehen. Wie kannst du sicher sein, dass ich das war?“
Er: „Du gehst nach jeder Saunarunde immer in das linke Becken auf der rechten Seite.“
Sie erklärt mir, dass es dort vier verschiedene Becken zum Abkühlen gibt.
Sie: „Oh.. äh ja.. das war dann wohl ich. Du hast gesehen, dass ich mich immer in dem einen Becken abkühle? Das heißt du hast mich beobachtet?“
Er: „Na ja weißt du.. es fällt auf, wenn dort so eine junge, hübsche Frau ist. Da schaut man schon gerne hin.“
Sie meint, um zu wissen, dass sie immer nur in dieses eine Becken geht, muss er sie über Stunden oder gar über Tage beobachtet haben. Und das noch dazu irgendwo versteckt in einer Ecke. Creepy! Es war übrigens wenig überraschend das erste und auch letzte Date.

Grätzlgschicht: Der Alkohol und die Ehrlichkeit

Letztens war ich an einem gemütlichen Samstagabend mit meiner besseren Hälfte im Kino. Nachdem wir Benedict Cumberbatch zugeschaut hatten, wie er mit Dormammu verhandelte, stellten wir fest, dass wir beide den ganzen Tag viel zu wenig gegessen hatten und hungrig waren. Da es schon kurz vor 23 Uhr war, entschieden wir uns dazu, noch bei einem relativ neuen Restaurant in unserer Gegend anzurufen, um zu checken, ob wir denn um die Uhrzeit noch etwas zu essen bekommen. In diesem Lokal verbrachten wir wenige Wochen zuvor schon einige Stunden und waren rundum begeistert. Der Herr am anderen Ende der Leitung war sehr freundlich und versicherte uns, dass der Koch noch ein paar Minuten länger bleiben kann und wir noch verköstigt werden, wenn wir denn bald mal eintrudeln. Sehr nett. Zehn Minuten später waren wir dort. Und dann begann ein Abend, der auf der Skurrilitätenskala ganz schön viele Punkte einheimsen konnte. Anfangs noch alles normal – wir bestellten, bekamen unser Essen, aßen (es war wieder köstlich!), tranken langsam aus und wollten gehen. Es war mittlerweile ca. Mitternacht und im Lokal nicht mehr allzu viel los.
Und jetzt folgten Szenen, die Schülern im Unterricht unter dem Motto „Verdammt, habe ich das gestern wirklich gesagt/getan? Finger weg vom Alkohol!“ oder aber neuen Lokalbesitzern unter dem Motto „Don’t drink and entrepreneur“ gezeigt werden sollten.

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Es begann damit, dass drei Personen die Bar betraten, die vom Personal laut und überschwänglich begrüßt wurden. Diese offensichtlichen Stammgäste stellten sich als Italiener heraus und wenige Minuten später wurden nur mehr italienische Schlager aufgelegt und laut mitgegrölt – von Gästen sowie Personal. Der Kellner, der sich später als einer der Besitzer zu erkennen gab, kam an unseren Tisch, entschuldigte sich dafür, dass es jetzt schon „ein bisserl wild zugeht“ und bestand darauf, uns auf einen Averna einzuladen. Eigentlich wollten wir uns schon auf den Weg machen, aber gut – so ein Angebot an einem Samstagabend lehnt man ja nicht ab. Sobald wir die Gläser mit dem braunen Kräuterbitter  in der Hand hatten und anstießen, musste er jedoch noch einmal an den letzten noch besetzten Tisch, um zu kassieren. Da stellte sich ein anderer Herr, der sich als Chef 2 herausstellte, an unseren Tisch und begann mit uns zu plaudern. Er war sturzbetrunken und tat sich schon etwas schwer dabei, richtige Sätze zu formulieren.
„Ihr zwei warts die, die angerufen haben, oder?“ „Ja genau.. danke nochmal, dass der Koch extra länger geblieben ist.“ „Also ich muss sagen: SO TOLL, dass ihr angerufen habt! Das hat mich SOOO gefreut!“ „Oh.. ja gerne. Kein Problem. Wir wussten halt nicht genau wie lange bei euch die Küche offen ist und wollten sichergehen…“ „Na wissts ihr… SO kann man arbeiten! Das war wirklich seeehr suuuper von euch!“ „Jaaa kein Ding.“ „NEIN WIRKLICH! Das war echt so toll!! Unglaublich. Weil SO kann man nämlich arbeiten!“ (Das ging noch ein wenig länger so weiter…)
Na gut. „Etwas“ too much weil Alkohol, aber im Grunde ja sehr lieb. Im weiteren Gespräch verriet uns der angetrunkene Inhaber jedoch mehr als er vermutlich wollte. „Hats euch geschmeckt? Also ich muss ja sagen… mir gings immer nur ums Bier. Ich wollt immer nur unser Bier verkaufen! Die Burger waren mir komplett wurscht. Ich hab wirklich keine Ahnung, warum die so gut ankommen! Die hat kein Koch entwickelt oder so! Wir haben einfach irgendwas zamgschmissn und ihnen irgendwelche Namen verpasst, die uns grad eingefallen sind! Also überlegt haben wir uns da wirklich gar nix. Und jetzt schreiben alle im Internet, dass die Burger bei uns so gut sind.. ich versteh das eigentlich gar nicht!“
Okay. Aufhören. Das ist eindeutig zu viel Information.

Wenig später kam Chef 1 zurück und als er empört feststellte, dass Chef 2 seinen Averna ausgetrunken hatte, wurde er leicht grantig. Wir wollten die Situation mit Smalltalk ein wenig entschärfen und fragten nichtsahnend, wie lange es das Lokal denn schon gibt, ob sie davor schon etwas in die Art gemacht hatten, woher sie denn sind – und wer denn von den zweien eher der Unternehmer und wer eher der Kreative sei. Letzteres war keine allzu gute Idee.
„Also ich bin beides. Ich muss mich ohnehin um alles kümmern.“ „Jaaaa natüüürlich. Nuuur du bist für unseren Erfolg verantwortlich, gell? Weil ich mach ja absolut gar nix hier.“ „Na bitte was machstn groß? Ich bin ständig überall eingespannt und bin für so gut wie alles verantwortlich.“ „Jaja ist schon gut.. stells nur so hin. Passt schon.“ „Na ist doch wahr!!!“
Puh. Für das weitere Streitgespräch entfernten sie sich zum Glück von unserem Tisch und wir kramten nach dem Geldbörserl, um wirklich endlich gehen zu können.

Daraus wurde (noch) nichts. Bevor wir unser Geld loswerden konnten, begannen Chefs sowie Stammgäste Gläser in eine große Kiste in die Ecke zu schmeißen um sie klirrend zerscheppern zu lassen. Wtf? Nur zur Erinnerung: Es handelte sich nicht um ein schäbiges Eckbeisl, sondern ein relativ schönes, stylisches Restaurant. Auf unsere etwas irritierten Blicke folgte ein: „Wir kriegen neue Gläser und müssen die alten loswerden. Außerdem mach ich gerade eine schwere Phase in meinem Leben durch. Kommts her und nehmts die kleinen Gläser auf eurem Tisch mit! Machts auch mit mit uns! Geht schon! Habts ihr schon mal in eurem Leben einfach so ein Glas zerschmissen? Das ist total befreiend! Kommts her!“

Den krönenden Abschluss bildeten ein weiterer Limoncelli aufs Haus und feste, enge Umarmungen und Küsschen auf die Wangen von dem vorhin schon begeisterten Chef 2 für beide von uns bevor wir endlich in die kalte Nacht hinausflüchten konnten.

Ich hab da was gehört.. #25

Zwei Schülerinnen sitzen in der Straßenbahn.
„Sag mal ist die Brille eigentlich neu?“
„Ja! Also nein, nicht wirklich. Nur an mir ist sie neu. Die hab ich in einer Schublade im Schlafzimmer meiner Eltern gefunden. Die hatte meine Mama auch schon auf damals in den 70ern oder 80ern oder so. Also voll Vintage!!“
„Achsoooo! Darum schaut sie so beschissen aus!“
Die Brillenträgerin lacht kurz auf.
„Äh nein sorry, ich mein das wirklich so.“
„Oh. Okay… also… wirklich?… Also ich finde… Hmm. Nein also ich…“
Eine Frau, die neben ihnen steht, schaltet sich ein: „Also ich finde die Brille sehr schön. Und sie steht Ihnen auch ganz wunderbar!“ ♥