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Die Sache mit den dämlichen Binden-Werbungen

von am März 5, 2016

Nicht selten bleibe ich verwundert zurück, wenn ich mir anschaue, welchen Stuss die Werbemenschen dieser Welt teilweise produzieren. Beispielsweise, wenn es um verschiedene Techniken des Auffangens von Menstruationsblut geht. Diese Damen-Hygieneartikel-Thematik bzw. Damen-Hygieneartikel-Problematik wurde schon öfters (aber offenbar nicht oft genug) aufgegriffen und diskutiert – ich muss mich hiermit den kritischen Stimmen anschließen und mich auch kurz dazu auslassen. Momentan laufen wieder einige Spots, die mich bei jedem Sehen aufs Neue nerven. Meine Güte, was sind wir alle glücklich und aktiv, wenn wir unsere Tage haben. Wir bewegen uns ständig und machen die verrücktesten Sachen. Wir tanzen. Wir springen. Wir reiten. Wir paragleiten. Wir besteigen 8000er. Und wir fühlen uns grandios. Immer. Und vor allem tragen wir während unserer Periode und der Ausübung unserer ausgefallenen Hobbys ausschließlich und jederzeit knappe, dünne, fast durchsichtige, weiße Kleidung. Und Röcke. Vor allem ganz kurze Röcke! Wir schlafen nur in reinweißer Bettwäsche und tragen dabei weiße oder wahlweise blassrosa Höschen. Generell hat unsere Menstruation mit einer Blutung nichts zu tun. Unsere abgestorbene Gebärmutterschleimhaut ist ein himmelblaues Wässerchen, in dem sich manchmal sogar ein paar Glitzersternchen finden. Und Einhörner auf Regenbögen.

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belacquastisch.

von am Juli 8, 2015

Aw. Das Plakat ist mir letztens am Weg zur Alten Donau ins Auge gesprungen. Francis! Ich habe „Malcolm mittendrin“ geliiiebt. Allerdings ist die Serie vor zehn Jahren ausgelaufen und seit dem sieht man den Guten halt auch nirgends mehr. Ich finde es immer traurig, wenn Schauspieler oder Sänger in ihrem Leben nur einen großen Erfolg hatten, an den sie nie anknüpfen konnten, und dann irgendwann nur noch als „der Typ/die Tussi aus …“ durch Clubs ziehen und für ihre Anwesenheit ein wenig Kohle kassieren. Ab und zu darf man diese Personen dann auch noch „DJ“ schimpfen. So bespaßt Christopher Masterson jetzt das versnobte Publikum der Box. Der Arme. Vermutlich schaut er deshalb so grimmig. Tja. So spielt das Leben.
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Die Sache mit der Amélie

von am Juni 2, 2015

Einige Filme sieht man und liebt man. Für immer. Vielleicht sogar ein bisschen mehr als das. Schließlich ziert kein Urlaubsmotiv oder ein knackiger Ian Somerhalder meinen Desktop (ok na gut.. der durfte auch mal eine Zeit lang), sondern die frech grinsende Amélie auf moosgrünem Sternchenhintergrund. Und da hängt auch noch so ein bestimmtes Poster in meinem Zimmer… ach, es ist halt einfach ein zauberhafter Film, nicht? Und die vielen kleinen zauberhaften Dinge, die darin passieren, begleiten mich wo auch immer ich hingehe und was auch immer ich tue. Kein anderer Film kommt mir im Alltag so oft in den Sinn.

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Manchmal, wenn ich Schallplatten sehe, stelle ich mir vor, sie werden wie Crêpes hergestellt. Manchmal glaube ich an Wunder. Aber heute nicht. Manchmal frage ich mich, ob das Glück tatsächlich wie die Tour de France ist – man wartet so lange, und dann rast es vorbei. Manchmal, wenn ich Fische in einem Aquarium beobachte, frage ich mich, ob sie ihr Leben leid und schwer depressiv sind und sich gerne in den Tod stürzen würden, wenn sie könnten. Manchmal, wenn ich im Kino sitze, möchte ich mich gerne während schöner/trauriger/besonderer Szenen umdrehen und die Gesichter der anderen Zuschauer betrachten. Manchmal, wenn ich kleine, unauffällige Details entdecke, frage ich mich, ob sie auch den anderen auffallen. Manchmal schaue ich den Finger an, der zum Himmel zeigt, obwohl das doch nur ein Dummkopf tut. Manchmal ist mir danach, Himbeeren wie Amélie zu essen. Manchmal, wenn ich einen Markt entlangschlendere, wünsche ich mir einen dieser großen Getreidesäcke, damit ich meine Hand tief hineintauchen kann. Manchmal denke ich darüber nach, ob das Leben nichts weiter ist als das Proben für eine Vorstellung, die niemals stattfindet. Manchmal, wenn ich an einem Aussichtspunkt bin und über die Stadt schaue, frage ich mich, wie viele Paare genau in diesem Moment einen Orgasmus haben. Oder zumindest einer davon. Manchmal, wenn ich Fotoautomaten sehe, habe ich das Bedürfnis unter dem Automaten herumzustochern, um zerrissene Bilder zu finden, mit denen der Besitzer unglücklich war. Manchmal fühle ich mich wie das Mädchen mit dem Wasserglas – sie steht im Zentrum und dennoch ist sie außerhalb. Manchmal, wenn ich eine blinde Person sehe, möchte ich mich gerne einhaken, ein Stück mit ihr gehen und ihr alles erzählen, was rund um uns so passiert. Manchmal würde ich gerne einem Fremden etwas Wertvolles auf mysteriöse Weise zurückgeben – inklusive Anruf bei einer Telefonzelle und „Folgen Sie den blauen Pfeilen!“. Manchmal frage ich mich, ob ohne dich die Gefühle von heute wirklich nur die leere Hülle der Gefühle von damals wären. Manchmal, wenn meine Redegewandtheit zu wünschen übrig lässt, wünsche ich mir hinter jedem Kellerfenster einen guten Souffleur wie im Theater, bereit eine schlagfertige Antwort einzuflüstern. Wie man weiß sind Sie jedenfalls kein Gemüse, denn selbst eine Artischocke hat ein Herz.

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Die Sache mit den Filmmomenten

von am Oktober 30, 2014

IMG_20140323_172926Das Leben ist kein Film?.. Ist es doch! Manchmal ein ziemlich langatmiger, ermüdender, in dem sich unoriginelle Alltagsszenen aneinanderreihen, manchmal ein ergreifend-spannender, von dem man nicht genug kriegen kann. Und manchmal erlaubt sich das Leben einen Scherz und inszeniert klischeehafte Momente, die man so meist nur in schlechten Liebeskomödien oder Frauenromanen zu sehen/lesen bekommt. Die letzten Monate haben mir einige Augenblicke beschert, die mich an Szenen aus Film und Serien erinnerten. Drei davon möchte ich mit euch teilen.

Klappe, die erste.
Ich war zu einer Preisverleihung im Stadtkino im Künstlerhaus eingeladen und hatte es wie so oft ohnehin schon etwas eilig. Der Abend war mir wichtig und eine Freundin, die mich begleitete, wartete schon auf mich. Die Zeit erlaubte mir noch den vollen Müllsack zu schnappen, um ihn unten im Müllraum in die Tonne zu schmeißen. Nur blöd, wenn der Müllraumschlüssel sich einfach nicht mehr abziehen lässt und mich so „an die Tür kettet“. Verzweifelt und nach kurzer Zeit leicht panisch rüttelte und drehte ich den Schlüssel in alle erdenklichen Richtungen – er wollte das Schloss einfach nicht verlassen. Wie festgebissen. Unser Müllraum wird von der Straße aus betreten und noch dazu ist der Müllraumschlüssel gleichzeitig der Haustürschlüssel – stecken lassen also ausgeschlossen. Die Hausbesorgerin unauffindbar. (Ich sollte vielleicht noch anmerken, dass ich nur Zuschauerin und keine Nominierte der Preisverleihung war – ein Drehbuchautor hätte das wohl umgekehrt geschrieben..) Nach ein paar Minuten kam eine Dame unseres Hauses und konnte mir erfreulicherweise die Handynummer der Hausbesorgerin geben. Diese war nicht allzu weit entfernt, setzte sich gleich in ihr Auto und eilte mir zur Hilfe. Sie griff nach dem Schlüssel, drehte ihn einmal kurz und hatte ihn eine Sekunde später befreit. Oha. Ich habe es ca. 15 Minuten versucht. Peinlich. Knallrot stammelte ich eine Entschuldigung und machte mich schnellstmöglich auf den Weg..

Klappe, die zweite.
Unkontrollierbare Weinkrämpfe ohne wirklichen Grund – wer wie ich alle Sex and the City-Staffeln nicht nur einmal gesehen hat, weiß genau, wovon ich spreche. Für alle anderen eine Kurzfassung: In einer Folge erzählt Mr. Big (der zu diesem Zeitpunkt nicht mit Carrie zusammen ist), dass er eine Operation am Herzen benötigt, diese allerdings ungefährlich ist und sie sich keine Sorgen machen muss. Sie beginnt daraufhin mitten im Lokal laut zu schluchzen und kann gar nicht mehr damit aufhören. Ok gut – davor macht man sich natürlich immer Sorgen. Allerdings passiert dasselbe auch wieder nach der Operation, obwohl sie schon sieht, dass es ihm gut geht und er alles bestens überstanden hat. Meine Gedanken dabei waren immer in die Richtung „Meine Güte, krieg dich wieder ein – du siehst doch eh schon, dass es ihm gut geht.“ Denkste. Ich bin auch so. Ein sehr wichtiger Mensch in meinem Leben hatte letztens einen Motorradunfall – allerdings bekam ich das eh erst mit, als er mir schrieb und mir somit gleichzeitig mitteilte, dass es ihm gut geht und ihm nichts passiert ist. Zu diesem Zeitpunkt war ich zwar leicht geschockt, hatte mich aber ganz gut im Griff. Ein paar Stunden später sahen wir uns (nicht etwa im Krankenhaus, es ging ihm wirklich gut.. blaue Flecken waren so ziemlich die schlimmste Verletzung) und ich war dennoch kurz vor einem dramatischen Carrie-Weinkrampf nachdem er mir erzählte, dass er sich sogar überschlagen hatte. Selbstbeherrschung und tiefes Durchatmen machten daraus nur ein paar Tränchen, aber trotzdem.. nix mit „Meine Güte, krieg dich wieder ein – du siehst doch eh schon, dass es ihm gut geht.“.

Klappe, die dritte.
Und noch zum Schluss ein kleiner Liebeskomödien-Moment im Stiegenhaus: Ich stehe vor den Postkästchen, fische meine Briefe und Zeitungen aus dem Fach, sperre es zu, drehe mich relativ ruckartig um und stoße tatsächlich dem Zalando-Boten drei Schuhkartons und Lieferschein-Zettelzeugs aus der Hand. Es gab zwar leicht schüchternes Gelächter und ein gemeinsames Aufsammeln, allerdings war es nicht der Anfang einer romantischen Liebesgeschichte – vermutlich, weil es nicht der klassische Kaffee-Unfall war und wir nicht Nummern austauschen mussten, um das mit der Reinigung zu klären.

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Foto-Montag

von am Juni 23, 2014

graetzltippsIch bin durch einige Grätzln Wiens geschlendert und habe für stadtbekannt ein paar Zeilen darüber geschrieben:
Der Spittelberg
Das Hundertwasserviertel
Rund um die Philadelphiabrücke
visEnde Mai ging das Vienna Independent Shorts Kurzfilmfestival über die Bühne, bei dem ich auch mit einigem Geschreibsel mitarbeiten durfte. Der VIS-Blog war meine Abteilung, für den ich beispielsweise mit Mihai Grecu, einem der Artists in Residence, über seine Arbeit geplaudert habe. Natürlich hab ich mir am Screensessions-Tag den Gig von der belgischen Band BRNS nicht entgehen lassen und war auch bei der Eröffnung, Preisverleihung und einigen Programmen im Kinosaal live dabei. War eine sehr feine Woche und eine tolle Erfahrung.

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Schätzspiele

von am Februar 11, 2014

Kennt ihr das, wenn manchmal in Filmen gezeigt wird, dass sich zwei Leute begegnen/kennenlernen und bevor sie etwas voneinander wissen, geben sie eine Schätzung über das Leben und den Charakter des anderen ab? Ab und zu kann man auch sehen, dass ein Spiel daraus gemacht wird. Das läuft so ab, dass Freunde irgendwo in der Öffentlichkeit sitzen und Geschichten zu Leuten erfinden, die sie gerade zufällig irgendwo gehen/stehen/sitzen sehen.
Ich mag das. Und gelegentlich mach ich das auch.
IMG_2969Letztens bin ich in einem Kaffeehaus gesessen und habe auf eine Freundin gewartet. Schräg gegenüber von mir saß ein Mann Mitte/Ende 30, der konzentriert in seinen Laptop tippte. Er trug ein legeres Kord-Sakko, Hemd und Jeans. Braune, etwas längere Haare, Bart. Ich hab mir während meiner Wartezeit ein paar Notizen in meinen Collegeblock gekritzelt, weil ich mir dachte, dass daraus vielleicht ein Blog-Eintrag wird. So ist es jetzt auch. Auf den karierten Seiten steht:
Ich schätze, er…
…ist in Niederösterreich am Wiener Stadtrand aufgewachsen und ist gleich mit 18 ausgezogen, um in Wien in einer WG zu leben. Er macht Sport – nichts Langweiliges, denn er braucht Action. Mountainbiken, klettern,.. und er war sicher schon des Öfteren Fallschirmspringen. Er fährt Motorrad. Er reist jedes Jahr an einen Ort, an dem er zuvor noch nie war – bevorzugt Asien und Südamerika. Pauschalurlaube am Strand in Italien oder Kroatien sind nichts für ihn. Er ist vergeben, hat aber keine Kinder. Er weiß auch noch nicht so genau, ob er sich das jemals „antun“ wird. Er arbeitet viel und gerne. Er hat Wirtschaftswissenschaften studiert, saß längere Zeit in der Marketingabteilung eines größeren Unternehmens und hat sich jetzt selbstständig gemacht. Er isst bevorzugt thailändisches Essen, das er sich abends am Weg vom Büro mit nach Hause nimmt. Er wohnt alleine, aber seine Freundin ist ohnehin schon die meiste Zeit bei ihm. Darum denkt er darüber nach, ob sie zusammenziehen sollen. Er wird wohl auch noch länger darüber nachdenken, weil er seinen Freiraum einfach liebt. Bei ihm in der Wohnung hängt Kunst an den Wänden, für die er auch gerne mehr Geld ausgibt. In der Ecke steht ein Klavier, auf dem er auch ab und zu spielt. Er schaut sich gerne Action-Blockbuster im Kino an. Seine Männerrunde ist ihm heilig. Er geht jeden Freitag Abend mit seinen Freunden was trinken. Manchmal spielen sie Billard. Er hat gerade laut „Scheiße!“ gesagt, verstaut seine Sachen im Eiltempo in seiner Tasche und verlässt fluchtartig das Lokal. Da hat er wohl die Zeit übersehen. Seine Freundin wartet wahrscheinlich schon auf seiner Ledercouch auf das thailändische Essen…

Leider werde ich nie erfahren, ob auch nur irgendetwas davon stimmt. Aber es macht Spaß. Ausprobieren!

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Dinge, die die Welt nicht braucht #1

von am August 10, 2013

heute: Schundverfilmungen

Ja, ich bekenne mich schuldig. Ich lese Schund. Manchmal. Weil alle darüber reden und ich halt auch gerne was zu sagen habe – meine Meinung und so. Vor ungefähr fünf Jahren konnte ich wieder einmal nicht anders und krallte mir dieses pinke Büchlein, das für so viel Wirbel sorgte. Entkommen war zwecklos. Unaufhörlich sprach diese Charlotte Roche-Person in sämtlichen Medien – von Boulevard bis seriös – über sexuelle Abartigkeiten ihrer Protagonistin Helen, Hämorrhoiden und andere schöne Dinge, die man nicht unbedingt hören möchte. Die Welt schrie laut auf. Und ich schreie heute mit ihr. In wenigen Tagen kommt die Verfilmung von „Feuchtgebiete“ ins Kino – gerade rechtzeitig, um diesmal den Teenagern, die damals noch zu jung dafür waren, eine Blamageoption zur Verfügung zu stellen. Fremdschämen damals: Schnappschüsse von Jugendlichen sehen, die sich mit dem Buch in der Hand selbst fotografierten, um der Welt da draußen zu zeigen, dass sie perverse Erwachsenenbücher lesen und somit richtig cool sind. B3sT BooK EvAaAa! Prognostiziertes Fremdschämen heute: Lesen, dass jemand bei den Lieblingsfilmen „Feuchtgebiete“ angegeben hat.

Definitiv ein Film, auf den absolut keiner gewartet hat.

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Von Märchen und Sonnenaufgängen

von am März 7, 2012

Ich habe heute Suppe gegessen. Mit einem Topfenknödel drin. Der von außen zwar vortäuschte, einen Käsekern zu haben – der Herr Mitbewohner wunderte sich schon über den gar nicht käsigen Geschmack –, aber trotz hinterlistiger Täuschung ziemlich gut schmeckte. Ja, das ist ziemlich spektakulär. Für mich. Wo ich doch der Inbegriff des Suppen-Kaspars bin und die meiste Zeit, wenn ich Suppe vorgesetzt bekomme so etwas Ähnliches wie „Nein, meine Suppe ess’ ich nicht!“ von mir gebe. Na vielleicht nicht ganz.. zu ein paar Löffelchen lass ich mich schon mal überreden. Allerdings überleben die Suppenbars in Wien, die schon seit einiger Zeit nur so aus dem Boden schießen, ganz bestimmt nicht durch Kunden meiner Sorte. Also.. Nicht-Kunden. Glücklicherweise gibt’s genug Alternativen an Nahrungsmitteln, damit ich mir mit dem Kaspar auch nicht noch das tragische Schicksal teilen muss. „(…) Er wog vielleicht ein halbes Lot – Und war am fünften Tage tot.“ Nach fünf Tagen? Und warum isst er trotz radikalen Gewichtsverlustes seine verdammte Suppe nicht? Spätestens da würde sogar ich alle Suppen dieser Welt verschlingen. Aber gut. Die Struwwelpeter-Geschichten sind irgendwie alle ein wenig gruselig. Qualvolles Verbrennen, Abschneiden der Daumen, vermutlicher Tod durch einen richtig fiesen Gewittersturm.. mich wundert ja, dass Hans Guck-in-die-Luft am Ende tatsächlich gerettet wird und nicht in den Fluten ertrinkt und sich auch nicht zufällig ein spitzes Messer in den Zappel-Philipp bohrt. Aber obwohl ich die Geschichten alle bestens kenne und sie deswegen anscheinend auch oft genug gehört habe (die Suppen-Kaspar-Geschichte hat ihre Aufgabe jedoch nicht erfüllt!!), sind es nicht diese „lehrreichen“ Besserwisser-Kindergeschichten mit Mord und Totschlag, die ein junges Mädchen faszinieren – nein, mein großes Highlight war immer das Dornröschen. Schneewittchen, Rotkäppchen, Rapunzel & Co mussten sich hinten anstellen – das Fräulein will die Geschichte hören, in der die meiste Zeit geschlafen wird! Sind ehemalige Dornröschen-Fanatikerinnen vielleicht dazu verdammt, die meiste Zeit schwer aus dem Bett zu kommen, da die Kindheits-Prinzessin in ihnen dauernd auf einen Prinz wartet, der sie wach küsst? Möglich wär’s.

Prinz hin oder her. Es ist auch heute noch schön von Märchenhaftem verzaubert zu werden. Zurzeit besteht die Möglichkeit im Kino: der Oscar-Abstauber „Hugo Cabret“ macht das ganz gut, wie ich finde. Und obwohl ich sonst kein großer Fan von dreidimensionalem Kino bin – den Hugo schaut man sich bitte unbedingt mit einer 3D-Brille auf der Nase an. Nach 127 Minuten verlässt man wirklich mit einem kleinen Glitzern in den Augen das Kino. Da irritiert nur, wenn die Begleitung schon beim Abspann „Der war lang!“ von sich gibt – Oh.. das klingt weniger begeistert. Erst später stellt sich heraus, dass „Der war leiwand!“ gesagt wurde. Jaja. Diese Nicht-Wiener, die Wiener Wörter verwenden. Versteht doch kein Mensch. Also doch beide begeistert. Fein. Und das auch ohne Prinz und Prinzessin im Drehbuch. Allerdings weiß ich nicht, ob auch andere so gern ein paar Stunden mit dem kleinen Hugo täuschen würden: Oh ich würde! In der Spitze des großen Hauptbahnhofes sitzen und den Lichtern von Paris zusehen. Von mir aus auch ganz alleine. Ziemlich kitschig, ich weiß. Allerdings habe ich kein Problem damit, offen und ehrlich zuzugeben: Ich bin eine dieser abgedroschenen Städte-in-der-Nacht-(von-luftigen-Höhen)- und Sonnenaufgangs-und-untergangs-Anbeterinnen. Der Sonnenuntergang hat mir jahrelang immer vorgemacht, er sei was ganz Besonderes und um einiges schöner als der Sonnenaufgang – mittlerweile bin ich mir da aber nicht mehr so sicher. Ich vermute, er lügt. Die Aufgänge sind nämlich die mit den vielen Facetten. Keiner wie der andere. Und so viele verschiedene Möglichkeiten sie wahrzunehmen.  Allein die letzte Woche hat mir zwei so wahnsinnig unterschiedliche gezeigt.

Der eine, der eigentlich erschreckend und unerwünscht ist, aber dem man trotzdem nicht böse sein kann. Während man noch in einem schummrigen Lokal die letzten Gespräche genießt, macht sich diese verflixte Sonne langsam aber sicher auf die Reise und hüllt den schwarzen Himmel da draußen mitsamt der darunterliegenden schwarzen Straßen nach und nach in ein dunkles blau, das immer weiter und weiter kriecht, um ein orange zu werden. Und spätestens dann, wenn man feststellt, dass das Bier und der Wein mittlerweile selbst den vertrauten Leuten um sich nicht mehr ganz so charmante Eigenschaften verleiht, ist es Zeit, dem Sonnenaufgang ins Auge zu blicken und die Heimreise anzutreten. Dieser grinst zwar ein wenig spöttisch und verleiht einem zumindest ein bisschen ein schlechtes Gewissen, den Blick möchte man jedoch trotzdem nicht von ihm abwenden. Darum genießt man die Farben und schmunzelt über die Erlebnisse der vergangenen Nacht.

Der komplett andere Sonnenaufgang wurde nur zwei Tage davor vom Zimmerfenster aus beobachtet, brachte aber gerade nach dieser Nacht eine wunderbare Ruhe und Zufriedenheit mit sich. Nach fünf Semestern wurde ich tatsächlich erst jetzt das erste Mal von einer Deadline dazu gezwungen, die ganze Nacht durchzuarbeiten. Sogar für eine Eule wie mich anstrengend, jedoch auch irgendwie schön. Vertieft in diverse Bücher und Texte merkt man gar nicht, wie sich der Himmel langsam verfärbt, bis man irgendwann hört, dass die Stadt schon wieder erwacht und sich die Ersten da draußen im Morgengrauen auf den Weg in die Arbeit machen. Nach stundenlangem Getippse wird dann endlich abgegeben und darauf erleichtert und glücklich zugeschaut, wie die ersten Sonnenstrahlen über dem Dach des Hauses gegenüber zu glitzern beginnen. Einige politikwissenschaftliche Fetzen kreisen noch durch die Gedanken, schweifen ab zu skurrilen Straßenbahnsituationen, die man heute erlebt hat bis sie zum Frühstück kommen, das eigentlich schon wieder angebracht wäre.. und sie ermahnen sich selbst das nächste Mal daran zu denken wieder selbstgemachte Marmelade aus der Heimat mitzunehmen. Und vielleicht Suppeneinlagen. Nur für den Fall, dass ich irgendwann wieder Lust auf Suppe haben sollte.

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