Begegnungen | Lebenszirkus | Lesestoff | Veränderungen

Tagebuch Slam

von am September 5, 2016

Vor ein paar Jahren habe ich unter einem Anflug von Schamgefühl und Panik, dass sie je jemand lesen könnte, alle meine Tagebücher zerstört und weggeworfen. Seit Tagebuch-Slams (liebestagebuch.at) in Mode gekommen sind, finde ich es schon wieder fast ein wenig schade, dass ich die Welt nicht mehr an meinen peinlichen Teenagerergüssen teilhaben lassen kann. (Ich hätte im Theater an der Gumpendorfer Straße bestimmt einige Preise einheimsen können!) Doch als ich das letzte Mal zu Hause bei meinen Eltern war, habe ich zufällig ein kleines Büchlein gefunden, das ich nicht zerstört habe. Eine Episode daraus fand ich so amüsant, dass ich sie euch nicht vorenthalten möchte. Meine Geschichte mit Mister X. In meinem 13. Lebensjahr verwendete ich scheinbar gerne das Wort „geil“, mein Gehirn befand sich offensichtlich mitten in den pubertären Umbauprozessen, und ich war wie die meisten Mädels in diesem Alter eine Mischung aus superdämlich und superunangebracht – kam mir dabei aber ganz großartig vor.

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7. Oktober 2002

Ich bin heute sooo happy! Ein Boy aus der 4. (!!!) hat einen Stand auf mich, voll geil! Und er ist auch nicht schirch. Ich mein, der Fescheste ist es nicht, aber richtig schirch ist er auch nicht. Ma und der X aus der 3. ist auch voll geil! Der ist echt so ein cooler Typ. Doch leider hat der einen Stand auf die M! Na ja.. und der Y ist jetzt wieder voll verknallt in mich! Der hat mir Erkan + Stefan geliehen und hat mir ein paar coole Szenen erzählt – voll krass-konkret ey!   😀

14. Oktober 2002

So, jetzt war ich schon wieder richtig schreibfaul, doch es ist in der Zwischenzeit schon wieder sooo viel passiert! Ich gehe jetzt mit dem süßesten Boy aus der Dritten! Mit dem X! *looooove* Er ist sooo süß! Er ist extra wegen mir nach St. Margarethen gefahren! Voll lieb! Ich gebe ihm immer ein Bussi, voll cool! Ich glaube ich werde mit ihm meinen ersten Zungenkuss haben. SHIT! Wie macht man das? Die M hat es mir heute erklärt. Voll geil, jetzt wollen alle einen Freund aus der Schule! (…)

17. Oktober 2002

Tja, ich weiß nicht recht wieso, aber das, was ich da oben geschrieben habe, empfinde ich nicht mehr ganz… das letzte Mal wie ich dem X ein Bussi gegeben habe, hat die ganze Klasse zugeschaut und die Buben haben geklatscht und voll blöd getan und alle aus der Klasse reden jetzt blöd über mich. Aber es ist nicht nur das.. das letzte Mal sind wir mit dem X in der Freistunde hinausgegangen und da habe ich ihn genau angeschaut und gesehen: er ist gar nicht so fesch! Ich glaube ich will ihn gar nicht küssen. Aber er wäre irgendwie voll arm, wenn ich nach einer Woche Schluss machen würde. Vielleicht warte ich noch ein bisschen… und sage ihm dann, dass wir irgendwie nicht zusammenpassen. (…)

1. Februar 2003

Maaaah SO ARG!! Es ist in der Zwischenzeit schon wieder SOOO viel passiert! Also.. mit dem X gehe ich schon seit Oktober nicht mehr, ich habe per SMS Schluss gemacht. Und seit dem ist er soooo scheiße zu mir! Wenn ich ihn auf der Piste oder in der Schihütte treffe, lacht er immer blöd und verarscht mich. Tzzz.. der glaubt er ist sooo toll. Dabei wollte ich ihn nicht mehr! Na ja egal. Ich bereue nichts. (…)

Tja. Dass man doch ein bisschen scheiße sein darf, wenn schon nach wenigen Tagen Händchenhalten und Küsschen per SMS Schluss gemacht wird, habe ich damals natürlich nicht gesehen. Ich hatte übrigens nie wieder etwas mit diesem Herrn X zu tun. Und bevor jemand fragt: Nein, auch auf Klassentreffen werden wir nicht über diese Geschichte lachen, er ging in die Parallelklasse.

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Begegnungen | Ich hab da was gehört.. | Lebenszirkus | Lesestoff | Unterwegs | Zitate

Ich hab da was gehört.. #24

von am August 2, 2016

R sieht sich die Büchersammlung in Ws Wohnung an und nimmt sich ein Buch aus dem Regal, um ein bisschen darin zu blättern.
W sieht das und sagt: „Boah du musst dieses Buch lesen! Das ist mein absolutes Lieblingsbuch.. wirklich sooo gut!“
R: „Oh wirklich? Ich hab noch nie etwas von dem Autor gelesen.. würde mich eh interessieren.“
W: „Nimms mit! Du wirst es sicher auch toll finden.“

Wochen später:
R: „Aaah du hattest recht! Das Buch ist wirklich sehr genial. Besonders diese eine Stelle, wo er versucht dort rauszukommen und deswegen mit der alten Frau…“
W: „Aahm ich muss dich hier gleich unterbrechen. Ich habe überhaupt keine Ahnung mehr was in dem Buch passiert.“
R: „Aber das ist doch DIE Schlüsselszene!? Du hattest doch gesagt es ist dein absolutes Lieblingsbuch??“
W: „Joa stimmt..“
R: „Das heißt, du hast keinen Schimmer mehr, was in deinem Lieblingsbuch passiert?“
W: …
R: …

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Alltag | belacquastisch | Lebenszirkus | Lesestoff

belacquastisch.

von am März 7, 2016

Es war nicht so ein richtiger, offizieller Neujahrsvorsatz, aber doch habe ich mir Anfang Jänner gedacht, dass ich wieder mehr Bücher lesen möchte, da ich die Monate davor irgendwie ein bisschen davon abgekommen bin. Die teilweise sogar schon angefangenen Romane auf meinem Nachtkästchen verstaubten langsam während ich meine Nase eher nur in Magazine – on- und offline – steckte. Gestern habe ich die letzten Zeilen von Buch vier dieses Jahr gelesen und stürzte mich heute Vormittag gleich in die nächsten 700 Seiten. Diesen nicht ganz offiziellen Vorsatz konnte ich also bis jetzt gut umsetzen und das lässt mein Herz frohlocken. Das mit dem Lesen ist bei mir ein bisschen wie mit körperlicher Bewegung: Ich fühle mich einfach viel besser, wenn ich es tue, auch wenn ich vorher dachte, dass ich es gar nicht vermisse.
Lesen macht glücklich und inspiriert. Für alle, die schon länger kein Buch mehr in die Hand genommen haben: Nachahmung dringend empfohlen.
Mein Buch vier war übrigens „Zusammen ist man weniger allein“ von Anna Gavalda. Es war schon eine ganze Weile auf meiner Liste und war wie erwartet bezaubernd.
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Lieblingsbücher und Buchempfehlungen darf man gerne hier lassen. Ich freue mich darüber.

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Alltag | Begegnungen | Dinge die die Welt nicht braucht | Lebenszirkus | Lesestoff

Mag ich nicht

von am September 10, 2014

Ich bin euch nach dem ersten Artikel über das „… mag ich, mag ich nicht“-Büchlein noch meine Contra-Liste schuldig. Voilà! Hier ist sie. Wieder begrenzt auf maximal 40 Dinge, Situationen und sonstige Kleinigkeiten.

Ich mag nicht:
IMG_20140603_155142wenn mir nicht einfällt, welcher Schauspieler auch dieselbe Synchronstimme hat, zu spät merken, dass das eine ganz bescheuerte Frage war, gekochte Karotten, starker Wind, Namen vergessen, Hustenanfälle in blöden Momenten, wenn mein Friseur glaubt, sich die ganze Zeit mit mir unterhalten zu müssen, klebrige Finger, die Farbe „nude“, trockene Lippen, wenn jemand zu früh/unpassend klatscht, Obstfliegen, kalte Füße, Menschen, die nicht verlieren können, wenn ich nur ein paar Sekunden zu spät zum Bahnhof komme und meinem Zug noch hinterher winken kann, im Restaurant nicht wissen, was man essen soll, aufdringliche NGO-Spenden-Leute, „Früher war alles besser“-Sager, blaue Flecken und keine Ahnung haben woher sie kommen, Traubenzucker, Salbei, dass meine Pflanzen immer wegsterben, Wespen, wenn meine selten errungenen Bikinistreifen wieder verblassen, bei Büchern nicht weiterzukommen, unpassend angezogen sein, nicht das bekommen, was man bestellt, furchtbar schlecht synchronisierte Werbungen, verschmierte Smartphone-Displays, Menschen, die immer nur reden und niemals zuhören, in fremden Lokalen das Klo suchen, Weintrauben mit Kernen, wenn ich in einem anderem Land das Leitungswasser nicht trinken darf, Nacktschnecken, lange Fingernägel, die Lichtverschmutzung über Städten, Fitness-Freaks, Leute, die ein Buch oder einen Film nicht mögen, obwohl sie dieses Buch nie gelesen oder den Film nie gesehen haben,…

…und was kannst du nicht leiden?

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Alltag | Lebenszirkus | Lesestoff | Unterwegs | Wien

Mag ich

von am Juni 22, 2014

IMG_20140603_155142Vor Kurzem habe ich in einem meiner geliebten Büchertauschregale wieder mal ein Schmuckstück gefunden. Es trägt den Titel „… mag ich, mag ich nicht“ und in dem Buch haben berühmte Schriftsteller und Künstler wie Paolo Coelho oder John Irving in Listen niedergeschrieben, was sie so mögen – oder eben auch nicht. Das Büchlein ist klein und entzückend und mir wäre lieber es hätte so um die 500 Seiten mehr. Oder 1000. Mindestens. Und weil ich meine Kurzbeschreibung schon vor einigen Jahren in diesem Stil verfasst und ich die ganze Zeit über nie wirklich etwas ergänzt/verändert habe, kommt jetzt ein kleines Update. Obwohl man eh ständig aus den Artikeln herauslesen kann, was ich so mag und was ich nicht mag. Trotzdem. Weil ich gerne „mag ich/mag ich nicht“-Listen schreibe. Und sie bestimmt auch irgendwer gerne liest. Vielleicht sogar so gerne wie ich. Los geht’s heute mit vielen positiven Kleinigkeiten meines Lebens – der zweite, nicht so feine Teil folgt (hoffentlich) in Kürze. Die Spielregel im Buch ist jeweils nicht mehr als 40 Dinge aufzuzählen – ich will das Ganze nicht ausufern lassen und werde mich auch daran halten.

Ich mag:
wenn im Kino das Licht ausgeht, die Zahl 9, frisch bezogene Bettwäsche, Urban Exploring – Fotos von verlassenen Häusern, Fabriken, etc. (selbst dort sein auch, aber das passiert leider nicht allzu oft), die blaue Stunde, Füllfedern, Pflastersteine, etwas Verliehenes zurückbekommen, etwas Geliehenes zurückgeben, den britischen Akzent, morgens mindestens eine Stunde Zeit für mich zu haben, Knoblauch, wenn jemand meine Referenzen sofort versteht, zufällig genau hinzuschauen, wenn Straßen-/Gebäudebeleuchtungen ein-/ausgeschaltet werden, sich Blümchen hinter’s Ohr stecken, Kirschkerne ausspucken, Mysterien, Farbstifte spitzen, Flieder, lange Autofahrten (als Beifahrerin), bei Bandproben zuhören, den Geruch von frisch gedruckten Magazinen, das knisternde Geräusch, das die Nadel anfangs auf einer Vinylplatte macht, das wohlig-ausgepowerte Gefühl nach sportlichen Betätigungen, Apfelstrudel, erste Begegnungen, die sich gleich vertraut anfühlen, zufällig interessante Inserate zu finden, barfuß über’s Gras spazieren, Dachterrassen, mit dem WM-Fieber angesteckt zu werden, zufällig alte Bekannte treffen, die ich schon ewig nicht mehr gesehen habe, bei großem Durst etwas Eiskaltes mit Kohlensäure trinken, durch Haare wuscheln, Zeit und Motivation haben neue Blogposts zu schreiben, neue Blogposts online zu stellen,…

…und was magst du so?

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Lebenszirkus | Lesestoff

Der frühe Wurm hat einen Vogel

von am Dezember 26, 2013

kljlNach fast zwei Monaten und haufenweisen „Morgen-dann’s“: Es gibt mich noch!
Vor zwei Tagen war Weihnachten. Scheinbar für mich wirklich mal eine besinnliche, ruhige, gemütliche Zeit, in der ich mich endlich wieder hinsetze um etwas zu schreiben. Etwas, das nicht Arbeit ist.
Unterm Christbaum lag auch Niavaranis „Der frühe Wurm hat einen Vogel“ (ein Titel nach meinem Geschmack!) und im gesamten ersten Kapitel schreibt er tatsächlich nur darüber, dass er nichts zu schreiben hat. Also schon, aber nur in seinem Kopf. Massenhaft Gedanken, die er nicht zu Papier (oder eher zum Computerbildschirm) bringt. Bringen kann. Schreibblockade. Im Kaffeehaus geht’s besser, denkt er sich. Niedergeschrieben wird wieder nichts. Kommt mir irgendwie bekannt vor. Ein sehr sympathischer Mann, der mich wohl versteht.
Aber dann, wenn man darüber schreibt, dass man nichts schreibt, dann geht die Schreiberei auf einmal wieder von ganz allein. Red ich mir ein. Und der Niavarani sich. Oder der Niavarani mir. Bild ich mir zumindest ein. Und der Niavarani sich. Oder der Niavarani mir.
Jedenfalls starte ich jetzt in ein neues (Blog-)Jahr, in dem es bestimmt wieder mehr von mir zu lesen gibt. Ich freue mich über Besuch.

Schreiberei auf stadtbekannt gab es die letzten Wochen übrigens schon:

smart Christmas – Lady Venom zeigt uns ihr weihnachtliches Wien.

Green Rabbit – Für alle, die mehr Grün in ihr Leben bringen wollen.

Atelier Sack & Pack – Die Mode-„Garage“ auf der Margaretenstraße überrascht mit Unkonventionellem. 

Atelier cadê? – Mode für Genießerinnen – raffiniert gedacht und fair gemacht.

Ristorante Pizzeria Campanile – Schlemmen wie in Italien.

Muso Koroni – So fair können Mode, Accessoires und Kosmetik sein.

Salzberg – Das beliebte Lokal warf sich neu in Schale und hat jetzt noch mehr zu bieten.

Sagt mal.. gefällt euch mein neuer Header genauso gut wie mir?

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Alltag | Lebenszirkus | Lesestoff

Sei kein Frosch

von am September 8, 2013

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Ich habe mir gestern das Märchen „Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich“ durchgelesen. Seit einer Ewigkeit wieder einmal. Ich war schwer erstaunt, dass man immer glaubt, man kennt diese Erzählungen alle ziemlich gut, aber eigentlich ist einem der Inhalt dann doch sehr fremd. Mir war der zweite Titel „Der eiserne Heinrich“ völlig unbekannt – und deshalb auch die Figur des Heinrichs im Märchen. Außerdem muss die wunderschöne Prinzessin den glitschigen Frosch gar nicht küssen! Dass der kleine, grüne Frechdachs an die Wand geworfen wird, kam mir noch irgendwie bekannt vor, doch dass er dadurch schon „erlöst“ wurde, wusste ich nicht mehr. Und dann wurde die gemeine Prinzessin einfach so mit dem schönen Königssohn verheiratet – wo bleibt hier die Moral von der Geschichte? Ich bin ja große „Die Schöne und das Biest“-Liebhaberin und hatte irgendwie im Kopf, dass die Story beim Froschkönig so ähnlich ablaufen würde. Das schöne Mädchen muss die andere hässliche/glitschige/wieauchimmerunangenehme männliche Hauptperson akzeptieren und lieben lernen und dadurch wird der Bann gebrochen.. und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Aber nein – der Froschkönig tanzt da aus der Reihe. Die Prinzessin kann lügen, ihre Versprechen nicht einhalten, gemein sein und kriegt zum Schluss trotzdem den hübschen König. Tolle Botschaft, liebe Gebrüder Grimm.

Wer sein Gedächtnis auch ein bisschen auffrischen will, kann das Märchen hier nachlesen.

Nichtsdestotrotz haben sich Froschkönige in mein Herz gehüpft. Gestern bekam ich meinen eigenen geschenkt, der mich morgen nach Wien begleiten wird. Er ist schon ganz aufgeregt und freut sich wie ein kleiner Prinz auf die große Stadt. Er ist kein bisschen glitschig und wunderschön – darum küsse ich ihn liebend gern. Wer braucht schon einen Königssohn?

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Man kann mit einem Frosch nicht über das Meer reden, und mit einem Schmetterling nicht über den Winter. (Unbekannt)

Der Frosch im Brunnen ahnt nichts von der Weite des Meeres. (japanisches Sprichwort)

Ein Frosch mit genug Kröten wird verdammt schnell zum Prinz… (Claudio M. Mancini)

Seit sich das Märchen vom Froschkönig herumgesprochen hat, glaubt jeder Frosch, dass er ein Prinz sei. (Harald Schmid)

In jedem Prinzen steckt ein Frosch. Also pass auf, wenn du ihn küsst. (aus „Sabrina, total verhext“)

Von der Außenwelt mehr Liebe zu erwarten, als ich in mir selbst fühle, wäre das Gleiche, wie ein Frosch zu sein und in meinem Spiegelbild einen Prinzen sehen zu wollen. (Gina und Bodo Deletz)

Der Frosch, der im Brunnen lebt, beurteilt das Ausmaß des Himmels, der sich darüber wölbt, nach dem Brunnenrand. (Mongolei)

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Dinge die die Welt nicht braucht | Film- Serien und TV-Welt | Lebenszirkus | Lesestoff

Dinge, die die Welt nicht braucht #1

von am August 10, 2013

heute: Schundverfilmungen

Ja, ich bekenne mich schuldig. Ich lese Schund. Manchmal. Weil alle darüber reden und ich halt auch gerne was zu sagen habe – meine Meinung und so. Vor ungefähr fünf Jahren konnte ich wieder einmal nicht anders und krallte mir dieses pinke Büchlein, das für so viel Wirbel sorgte. Entkommen war zwecklos. Unaufhörlich sprach diese Charlotte Roche-Person in sämtlichen Medien – von Boulevard bis seriös – über sexuelle Abartigkeiten ihrer Protagonistin Helen, Hämorrhoiden und andere schöne Dinge, die man nicht unbedingt hören möchte. Die Welt schrie laut auf. Und ich schreie heute mit ihr. In wenigen Tagen kommt die Verfilmung von „Feuchtgebiete“ ins Kino – gerade rechtzeitig, um diesmal den Teenagern, die damals noch zu jung dafür waren, eine Blamageoption zur Verfügung zu stellen. Fremdschämen damals: Schnappschüsse von Jugendlichen sehen, die sich mit dem Buch in der Hand selbst fotografierten, um der Welt da draußen zu zeigen, dass sie perverse Erwachsenenbücher lesen und somit richtig cool sind. B3sT BooK EvAaAa! Prognostiziertes Fremdschämen heute: Lesen, dass jemand bei den Lieblingsfilmen „Feuchtgebiete“ angegeben hat.

Definitiv ein Film, auf den absolut keiner gewartet hat.

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Begegnungen | Kurzgeschichte | Lebenszirkus | Lesestoff | Wien

Darf ich vorstellen: Juli

von am März 12, 2013

Das laute Klopfen an der Tür ließ sie hochschrecken. „Juli! Ich bin spät dran! Komm da endlich raus!“ Oh. Sie saß wohl schon länger in der Badewanne als sie bemerkt hatte. Erst jetzt fiel ihr auf, dass das Wasser schon fast kalt war und sich die fluffigen Blasen des Schaums längst in Luft aufgelöst hatten. Sofort bekam sie am ganzen Körper Gänsehaut. „Jaaa! Meine Güte.. ich bin gleich weg. Reg dich ab!“ Sie hörte ein kurzes Knurren und grantiges Gemurmel, bevor ihr Mitbewohner klappernd in die Küche zurückstampfte. Er hatte wie immer diese fürchterlichen Badelatschen an. Schon tausendmal hatte sie ihm gesagt, dass er sich andere Hausschuhe besorgen soll, die ihn nicht aussehen lassen wie einen dieser Hartz-IV-Typen aus dem Nachmittagsfernsehen von RTL. Sie sprang aus der Wanne und betrachtete kurz ihre tief verschrumpelten Finger. Wie viel Zeit war wohl vergangen? Gerade war das Badewasser doch noch kochend heiß gewesen – zumindest hatte es sich so angefühlt. Juli mochte es, wenn das Wasser sie umhüllte und sie durch die Hitze und die Dämpfe ihres Lavendelbadeöls ein bisschen benommen wurde. Schnell knotete sie sich einen Handtuchturban und schlich mit ihrer Kleidung, die sie zuvor achtlos auf den Boden geworfen hatte, in ihr kleines Zimmer zurück. Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass nicht nur Sebi, sondern auch sie schon viel zu spät dran war. Verdammt. Hanna war ohnehin nicht gut auf sie zu sprechen, seit sie ihr erzählt hatte, dass aus dem Deutschland-Trip nichts werden würde. Heute wird sie sich wohl rechtfertigen müssen. Bei dem Gedanken daran spürte Juli einen leichten Knoten in der Magengegend. Aber es ist nun mal ihr Geld und sie konnte damit machen, was sie wollte. Punkt. Sie föhnte sich im Eiltempo die Haare und legte ihren roten Lippenstift auf. Nachdem sie in ihre Lieblingsjeans geschlüpft war, entschied sie sich für das schwarze Shirt mit dem Aufdruck von wild durcheinander gewürfelten Wörtern, die den Songtext eines ihrer Lieblingslieder ergaben, wenn man sie richtig las. Nach einem kurzen Blick in den Spiegel musste sie grinsen. Sie hatte dieses Schneewittchen-Aussehen von ihrer Mutter geerbt und mochte das schon immer sehr. Ihre sehr helle Haut und die knallroten Lippen bildeten einen wunderbaren Kontrast zu ihren langen, schwarzen Haaren, die wild zerzaust über ihre Schultern fielen. Juli hielt nicht viel davon, ihre Naturwellen ewig in Form zu föhnen. Dieser chaotische Undone-Look stieß zwar nicht bei allen ihrer Bekanntschaften auf Begeisterung, aber das war ihr egal. Sie schnappte sich Schal und Jacke und stürmte aus der Wohnung, ohne Sebi in der Küche zu beachten, der gerade an seinem Kaffee nippte.

Hanna saß bereits seit zwanzig Minuten an ihrem Stammplatz in der Ecke, den die Freundinnen „Stalkerparadies“ nannten, als Juli außer Atem und noch zerzauster als zuvor die Kaffeehaustür aufriss. Hanna hörte augenblicklich damit auf, ihre Fingerkuppen nervös auf die Oberfläche des alten Holztischchens zu trommeln und funkelte sie böse an. Juli hasste Auseinandersetzungen mit ihrer besten Freundin und hatte bei dem Anblick der zusammengezogenen Augenbrauen den sofortigen Drang sich umzudrehen und wieder zu verschwinden. Sie strich sich eine schwarze Haarsträhne aus dem Gesicht und machte sich mit leicht weichen Knien auf den Weg zu dem Platz, an dem sie schon viele unbeschwerte Kaffeehausstunden verbracht hatte. Solche würden es diesmal sicher nicht werden.

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Lesestoff

Ach Herr Grey, ich weiß nicht recht.

von am November 9, 2012

Millionen von Hausfrauen, die jahrelang nur Klatschmagazine ins Einkaufswagerl geworfen haben, legen diese nun nur allzu gerne beiseite um seit langem wieder einmal ein Buch zu verschlingen. Und nicht nur eins, sondern drei. Okay, ich will nicht unfair sein. Nicht nur Hausfrauen, sondern genauso auch Studentinnen, Karrierefrauen, Pensionistinnen, – nahezu alle, die als weibliches Wesen auf diese Welt gekommen sind. Ich will gar nicht wissen, wie viele von denen sich in letzter Zeit von weit weniger attraktiven Männern ans Bett fesseln lassen, die Augen schließen und dabei an Christian Grey denken. Vorher für die meisten noch abstoßend und pervers, ist BDSM jetzt auf einmal salonfähig geworden und mir scheint, als würde sich plötzlich jede Frau nach einem dominanten Kerl wie Herrn Grey sehnen.

Ich bin mit meinem Kommentar furchtbar spät dran – der Hype ist schon wieder fast verflogen, jedoch habe ich mich Monate dagegen gewehrt.. aber die Neugier hat jetzt letztendlich doch gewonnen. Und auch ich muss zugeben: Das erste Buch wurde auch von mir innerhalb kürzester Zeit ausgelesen und derzeit befinde ich mich mitten im „Fifty Shades Darker“. Der Inhalt ist nahezu identisch: sie will ihn, er will sie, sie ist verwirrt, er kauft ihr teure Dinge, sie beißt auf ihrer Unterlippe herum, er leidet unter Stimmungsschwankungen und achja.. Sex. Viel Sex. Und obwohl im Endeffekt in jedem Kapitel so ziemlich dasselbe passiert, kann man doch nicht aufhören zu lesen. Ja, definitiv fesselnd, aber doch irgendwie sehr einseitig und – verzeiht mir, liebe Fifty-Shades-Anhängerinnen – auch etwas dämlich. Er ist eigentlich ein armes Würstchen mit großen psychischen Problemen, schrecklich eifersüchtig und ein Stalker. Zitat eines Freundes: „Na Gott sei Dank liest du es auf Englisch.. dann hast du wenigstens iiirgendwas davon!!“ Klingt jetzt alles böser, als beabsichtigt. Ich gehöre ja mittlerweile auch zu den Süchtigen – Fifty Shades Freed muss sicher nicht mehr lange auf mich warten. Allerdings: Bitte verschont mich mit unzähligen Babys, die jetzt Anastasia getauft werden und hoffentlich muss ich mir demnächst auch nicht ständig Mädls anschauen, die auf ihrer Unterlippe herumkauen und sich dabei sexy fühlen. Danke.

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