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Unikdote

von am Dezember 2, 2015

Letztens hatte ich in einem Blockseminar, das den ganzen Freitag und Samstag in Anspruch nahm, ein regelrechtes Youtube-Frisuren-Tutorial-Girl vor mir sitzen. Sie hatte lange, dunkelblonde Haare und kam in der Früh mit einem Dutt in die Uni. Keinen dieser Messy-Bun-Sorte, sondern einen brav-ordentlichen. Mit Haarklammerl drin. Nach nur kurzer Zeit fischte sie sich die Spangerl aus dem Haarknoten und ließ die Haare offen herunterhängen. Um sie kurze Zeit später zu einem Pferdeschwanz zu binden. Dieser wurde nach der Mittagspause wieder geöffnet, um einen Half-Up Bun zu knoten. Ich malte für die vierte Frisur einen vierten Strich in meinen Collegeblock. Ab diesem Zeitpunkt habe ich darüber nachgedacht, ihr Vorschläge zuzuflüstern. Fischgrätenzopf! Palme! Pippi-Zöpfchen! Beach Waves! Hochsteck-Hochzeitsfrisur! Am nächsten Tag kam sie mit einer seitlichen Flechtfrisur. Die überstand jedoch auch nur den Vormittag und verwandelte sich nach einem kurzen Pferdeschwanz-Zwischenstopp wieder zu dem anfänglichen Dutt. Runder Abschluss, muss man schon sagen. Beinahe hätte ich geklatscht.

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Von Filmfehlern und Veilcheneis

von am Juli 8, 2015

Als mir letztens aus einem Schaufenster ein verdammt hässliches Shirt – verziert mit einem glitzernden Strass-Eiffelturm neben einem riesigen glitzernden Strass-Pferdekopf neben einem glitzernden sich küssenden Strasspärchen – entgegensprang, habe ich mich gefragt, ob es eigentlich reicht, eine Sache sehr gerne zu machen, oder ob man sie tatsächlich auch gut machen muss, um damit erfolgreich zu sein. Dieser Designer macht seinen Job offensichtlich miserabel, was ihn scheinbar nicht davon abhält, seine Kollektionen in Modehäuser zu bringen. (Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass diese Scheußlichkeit nicht im Schaufenster vergammeln und tatsächlich eine Abnehmerin finden wird). Aber irgendwie gibt das auch Hoffnung. Ich mache nämlich so einiges sehr gerne. Vielleicht lässt sich daraus ja noch eine Karriere basteln. Zum Beispiel finde ich leidenschaftlich gerne Filmfehler – bzw. suche ich nicht aktiv danach, aber ich mag es, wenn mir einer auffällt. Manche springen ja jedem Blinden ins Auge, aber manche sind wirklich äußerst leicht zu übersehen. Ist euch beispielsweise schon einmal aufgefallen, dass bei der berühmten Pretty Woman-Szene in der Badewanne der Walkman kurzzeitig umgedreht wurde und der Anschluss für die Kopfhörer auf einmal auf der anderen Seite ist? Vermutlich nicht, ich finde die Prince singende Julia Roberts eigentlich auch sehenswerter. Übrigens feiert Pretty Woman dieses Jahr zeitgleich mit mir den 25. Geburtstag. Und der ORF verlautbarte in der Vorschau die letzten Tage es sei „Die wohl schönste Liebesgeschichte aller Zeiten“. Ein reicher Freier kauft sich die Prostituierte gleich für eine ganze Woche. Wirklich wunderschön. So eine Romanze wünscht sich jeder. Na ja.
Letztens in der Uni war es auch fast ein bisschen so, als ob ich einen Filmfehler entdeckt hätte, der keinem anderen aufgefallen ist. Ich saß in einem – wie meine Frau U. zu sagen pflegt – „Seminar des Grauens“ (d.h. es dauert den ganzen Tag) und die Temperaturen bewegten sich um die 30 Grad. Wir befanden uns bereits nach der Mittagspause beim ca. fünften Referat. Die Luft staute sich im Raum, um die 40 StudentInnen versuchten noch irgendwie der vortragenden Kommilitonin zuzuhören, als ich auf einmal bemerkte, dass das anstrengende Seminar unsere Professorin wohl noch mehr mitnahm als uns. Der von ihren dünnen Fingern umklammerte Fächer, mit dem sie sich Luft ins Gesicht wedelte, machte alle zehn Sekunden eine Vollbremsung, ihre Augen fielen zu und ihr Kopf knickte nach unten, um ihn nach einer Schreckenssekunde wieder hochzureißen und weiterzufächern. Dann begann das Spiel von vorne und wiederholte sich mindestens zwanzig Mal. Ich wartete nur noch darauf, dass sie das mit dem rechtzeitigen Hochreißen nicht mehr schaffen und ihr Kopf auf die Tischplatte knallen würde. Innerlich kichernd schaute ich durch die Runde und bemerkte, dass ich wirklich die Einzige in dem vollgestopften Raum war, die dieses Schauspiel beobachtete. War ich etwa auch die Einzige, die fand, dass sie wie ein riesengroßer pastellfarbiger Eisbecher angezogen war? Ich konnte das Veilcheneis förmlich im Mund spüren. Obwohl ich noch nie in meinem Leben Veilcheneis gegessen habe. Glaube ich. Dafür habe ich letztens ein ziemlich großes veganes Eis gegessen und es war.. zwar ganz ok, aber recht weit entfernt von köstlich. Dieser tierproduktfreie Zug wird wohl auch weiterhin an mir vorüberfahren ohne dass ich auf ihn aufspringe. Genau wie dieser Half-up-Bun-Trend. Diese Frisur hat sich schon vor einiger Zeit wie eine Plage auf den Hipster-Köpfen der Wiener Frauen ausgebreitet und sieht.. zwar ganz ok, aber recht weit entfernt von gut aus. Nur weil Ariana Grande und Rihanna damit ganz süß aussehen, tut ihr es noch lange nicht. Sorry Mädls. Aber es gibt tatsächlich auch Trends, die ich nicht blöd finde: Ich wusste, wusste, WUSSTE, dass diese Tattoobändchen um den Hals irgendwann wieder modern werden. Meine Güte, wie hab ich die Dinger damals geliebt. Außerdem kann ich meine Adidas Superstar nach vielen Jahren der Vernachlässigung wieder aus dem Kasten kramen! The 90s are back, alright. Eigentlich ist es mir ja total egal, auf welche Züge ihr so aufspringt. Nur bitte, bitte kauft euch kein mit einem glitzernden Strass-Eiffelturm neben einem riesigen glitzernden Strass-Pferdekopf neben einem glitzernden sich küssenden Strasspärchen verziertes Shirt. Danke.

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Ich hab da was gehört.. | Lebenszirkus | Mein Studium | Unikdote

Unikdote

von am Juni 14, 2015

Ich sitze in einem dreistündigen Seminar in der Uni. Nach neunzig Minuten gibt’s eine kurze Pause – einige vertreten sich die Füße, einige bleiben sitzen. Nur einen Tisch weiter beginnt eine Kommilitonin zu erzählen, dass sie gerade einen Nordkorea-„Urlaub“ hinter sich hat. Natürlich erregt diese Aussage gleich Aufmerksamkeit. Es scharrt sich ein Grüppchen um sie, das interessiert Fragen stellt. Wie wars? Hast du Jong-un gesehen? Wie sind die Leute? … Eine der Antworten war: „Ja, es war eh toll. Ich fand’s nur schade, dass ich mich nicht alleine umschauen konnte. Ich wäre gerne auch allein herumgegangen und herumgereist und hätte zB Pjöngjang auch gerne ohne die Reiseführer und die anderen erkundet.“

WTF?! Das war nicht möglich? Tatsächlich? Was für ein Schock! Davon hat man ja noch nie gehört! Sag bloß das Land wird auch noch diktatorisch regiert?! Also Mädel.. ich finde es ja schon relativ bescheuert viel Geld (sie hat erzählt, dass es sehr teuer war) für eine Reise in eines der beschissensten Länder der Welt auszugeben, wenn man sich so viele coole Länder anschauen könnte – aber gut, du kannst deine Kohle ausgeben wofür du möchtest. Aber WIE kann es passieren, dass man Politikwissenschaft studiert, sich scheinbar sehr für Nordkorea interessiert und dann auch nur irgendwie glaubt, dass man in diesem Land alleine herumreisen darf und sich einfach so zu jeder Zeit anschauen kann, was man möchte?? Manche Dinge werde ich nie verstehen.

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Unikdote

von am Mai 19, 2015

Letztens in der Uni habe ich in meiner Tasche nach einem Kugelschreiber gekramt. Und leider nur einen gefunden, der mir etwas peinlich war. (Nein, ich verrate euch jetzt nicht, wie der aussah und was da draufstand.) Eigentlich hätte es mir einfach wurscht sein sollen. Natürlich war es mir nicht einfach wurscht. Da wir alle im Kreis saßen, habe ich tatsächlich die ganzen zwei Stunden meinen Stift so gehalten und abgelegt, dass man den Schriftzug nicht lesen konnte. (Ja, ich bin manchmal etwas seltsam.) Kurz vor Ende des Seminars sah ich aus dem Augenwinkel, dass auf dem Kugelschreiber meines Sitznachbarn ein fettes „Team Stronach“-Logo prangte. Ha. Also bitte. Und ich habe mich tatsächlich für meinen geschämt…

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Kinkerlitzchen des Tages

von am Oktober 12, 2014

„Das Kinkerlitzchen – in seltenen Fällen auch Kinkerklitzchen genannt – bezeichnet eine Kleinigkeit. Der Ausdruck wird meistens gebraucht um die Belanglosigkeit der als Kinkerlitzchen bezeichneten Sache hervorzuheben.“ (mundmische.de)

cooltur2Heute: (Pseudo-)Intellektuelle Aussprache

Es mag schon sein, dass die breite Masse manche Wörter nach den offiziellen Richtlinien der deutschen Aussprachedatenbank nicht korrekt artikuliert, allerdings finde ich es immer so ein wenig peinlich/eigenartig, wenn zum Beispiel jemand „Inter-esse“ bekundet. Sagen diese Personen dann auch „Das inter-essiert mich“? Wenn ich diese kleine Pause höre, dann gruselt es mich immer. Nackenhaar-Standing-Ovations.
Und da gibt es noch genug andere Schauder-Fälle – ich freue mich über Kommentare mit euren persönlichen Highlights.

♦ Kleinigkeiten, Nichtigkeiten, Firlefanz, Unsinn, Lächerlichkeiten, Kleinkram, Lappalien und Nebensächlichkeiten, über die ich nachdenke. Die mich zum Lachen bringen oder mich wütend werden lassen. Die Freudensprünge auslösen oder ein Stirnrunzeln hervorrufen. Die mich bewegen. Die mir trotzdem irgendwie wichtig sind. Das sind meine Kinkerlitzchen. ♦

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Kinkerlitzchen des Tages

von am Juni 30, 2014

„Das Kinkerlitzchen – in seltenen Fällen auch Kinkerklitzchen genannt – bezeichnet eine Kleinigkeit. Der Ausdruck wird meistens gebraucht um die Belanglosigkeit der als Kinkerlitzchen bezeichneten Sache hervorzuheben.“ (mundmische.de)

morgenHeute: Morgenglück

Am 13. Juni (Freitag, 13.!) hatte ich eines dieser bösen Seminare, die von neun Uhr früh bis halb fünf Uhr am Nachmittag dauern. Wenn man dann gleich in der ersten Einheit eine Präsentation hat, vorher noch in einen Copy-Shop muss und zwei Straßenbahnen benötigt, um zur Uni zu gelangen, ist es nicht gerade klug, das Haus zu spät zu verlassen. Ich hab’s natürlich trotzdem gemacht. Eigentlich war es so gut wie unmöglich noch rechtzeitig zu kommen, aber wie durch ein Wunder hat sich absolut ALLES so ergeben, dass ich um kurz vor neun den Seminarraum betreten konnte. Der Aufzug war schon in meinem Stock, beide Straßenbahnen sind jeweils in der Sekunde gekommen, in der ich die Station betreten habe, im Copy-Shop war ausnahmsweise keine Schlange und auf meiner Kopierkarte befand sich noch genau die Anzahl an Kopien, die ich benötigte. Ich hatte sogar noch Zeit mir mein Referat noch einmal durchzulesen. Von wegen Pechtag!

 Kleinigkeiten, Nichtigkeiten, Firlefanz, Unsinn, Lächerlichkeiten, Kleinkram, Lappalien und Nebensächlichkeiten, über die ich nachdenke. Die mich zum Lachen bringen oder mich wütend werden lassen. Die Freudensprünge auslösen oder ein Stirnrunzeln hervorrufen. Die mich bewegen. Die mir trotzdem irgendwie wichtig sind. Das sind meine Kinkerlitzchen. 

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Ich hab da was gehört.. #1

von am April 15, 2013

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Spaziergang am Ostersonntag mit meinem heißgeliebten Opa.

„Sag mal.. wieso heißt dein Titel eigentlich so? Das hat aber nichts mit der Sendung zu tun, in der sich dieser Mann Frauen aussuchen kann, oder?“

<3 Der Herr ist über 80 und ich bin mehr als überrascht, dass er den Bachelor kennt. Vielleicht hab ich meine heimliche Trash-TV-Leidenschaft von ihm. Auf jeden Fall eine der süßesten Aussagen überhaupt, die mich immer noch zum Schmunzeln bringt.

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Was ist..

von am Juli 9, 2012

.. Stress?

Stress ist, wenn man nicht mehr genau weiß, was man lernen soll, weil man eigentlich alles auf einmal lernen sollte. Wer zum Teufel hat sich ausgedacht, dass die meisten meiner Prüfungen auf dieselben Tage gelegt werden? Nach drei Prüfungen an einem Tag bin ich nämlich.. hm – was ist die Steigerung von streichfähig? Aber die Zeit rast wie immer und bevor man’s kapiert hat, ist dieser böse Juni auch schon wieder vorbei. Und es fühlt sich mehr als gut an.

.. eigenartig?

Eigenartig ist, wenn man sich in der eigenen Stadt „fremd“ fühlt. Obwohl der Prater so ein Fixpunkt in Wien ist, bin ich so gut wie nie dort. Und wenn ich dann doch mal an den bunten, leuchtenden Attraktionen vorbeischlendere und mir an jeder Ecke Langos- und Zuckerwatte-Duft in die Nase steigt, fühl ich mich ein bisschen wie in einer anderen Welt. Oder zumindest einer anderen Stadt. Einem anderen Land. Wie auch immer. Auf jeden Fall auf keinen Fall eigenartig unangenehm, sondern eigenartig schön. Ich mag das Gefühl.

.. ärgerlich?

Ärgerlich ist, wenn man ein- bis zweimal die Woche in dem kleinen Irish Pub um die Ecke sitzt und man genau nach dem dreistündigen Ärzte-Konzert viel zu müde und fertig ist, um noch hinzugehen und sich lieber in sein Bett kuschelt. Und dann entscheidet sich mindestens ein Bandmitglied (manche sagen es war nur Rod, andere meinen Rod + Bela B.. ich hab die Wahrheit noch immer nicht ganz herausgefunden) dafür, nach dem Konzert noch auf ein Bier zu gehen – in diesem kleinen Lokal. Genau dort. Mittlerweile steh ich ganz gut drüber, aber meiiine Güte.. hab ich mich geärgert. – Ist das noch Punkrock? Ich glaube nicht!

.. Vertrauen?

Vertrauen ist, wenn der eigene Papa sagt, dass ich jetzt mit dem nigelnagelneuen Auto die Jungfernfahrt aus dem Autohaus raus und durch den halben Lungau kurven darf und er wieder ins eigene Auto einsteigt. Und das, obwohl ich höchstens alle paar Wochen mal kurz hinterm Steuer sitze und es eine kleine Katastrophe gewesen wäre, wenn ich es vor der Übergabe zu Schrott gefahren hätte. Was ziemlich unwahrscheinlich war, aber trotzdem.. ich freu mich über so viel Vertrauen in meine Fahrkünste!

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Von Märchen und Sonnenaufgängen

von am März 7, 2012

Ich habe heute Suppe gegessen. Mit einem Topfenknödel drin. Der von außen zwar vortäuschte, einen Käsekern zu haben – der Herr Mitbewohner wunderte sich schon über den gar nicht käsigen Geschmack –, aber trotz hinterlistiger Täuschung ziemlich gut schmeckte. Ja, das ist ziemlich spektakulär. Für mich. Wo ich doch der Inbegriff des Suppen-Kaspars bin und die meiste Zeit, wenn ich Suppe vorgesetzt bekomme so etwas Ähnliches wie „Nein, meine Suppe ess’ ich nicht!“ von mir gebe. Na vielleicht nicht ganz.. zu ein paar Löffelchen lass ich mich schon mal überreden. Allerdings überleben die Suppenbars in Wien, die schon seit einiger Zeit nur so aus dem Boden schießen, ganz bestimmt nicht durch Kunden meiner Sorte. Also.. Nicht-Kunden. Glücklicherweise gibt’s genug Alternativen an Nahrungsmitteln, damit ich mir mit dem Kaspar auch nicht noch das tragische Schicksal teilen muss. „(…) Er wog vielleicht ein halbes Lot – Und war am fünften Tage tot.“ Nach fünf Tagen? Und warum isst er trotz radikalen Gewichtsverlustes seine verdammte Suppe nicht? Spätestens da würde sogar ich alle Suppen dieser Welt verschlingen. Aber gut. Die Struwwelpeter-Geschichten sind irgendwie alle ein wenig gruselig. Qualvolles Verbrennen, Abschneiden der Daumen, vermutlicher Tod durch einen richtig fiesen Gewittersturm.. mich wundert ja, dass Hans Guck-in-die-Luft am Ende tatsächlich gerettet wird und nicht in den Fluten ertrinkt und sich auch nicht zufällig ein spitzes Messer in den Zappel-Philipp bohrt. Aber obwohl ich die Geschichten alle bestens kenne und sie deswegen anscheinend auch oft genug gehört habe (die Suppen-Kaspar-Geschichte hat ihre Aufgabe jedoch nicht erfüllt!!), sind es nicht diese „lehrreichen“ Besserwisser-Kindergeschichten mit Mord und Totschlag, die ein junges Mädchen faszinieren – nein, mein großes Highlight war immer das Dornröschen. Schneewittchen, Rotkäppchen, Rapunzel & Co mussten sich hinten anstellen – das Fräulein will die Geschichte hören, in der die meiste Zeit geschlafen wird! Sind ehemalige Dornröschen-Fanatikerinnen vielleicht dazu verdammt, die meiste Zeit schwer aus dem Bett zu kommen, da die Kindheits-Prinzessin in ihnen dauernd auf einen Prinz wartet, der sie wach küsst? Möglich wär’s.

Prinz hin oder her. Es ist auch heute noch schön von Märchenhaftem verzaubert zu werden. Zurzeit besteht die Möglichkeit im Kino: der Oscar-Abstauber „Hugo Cabret“ macht das ganz gut, wie ich finde. Und obwohl ich sonst kein großer Fan von dreidimensionalem Kino bin – den Hugo schaut man sich bitte unbedingt mit einer 3D-Brille auf der Nase an. Nach 127 Minuten verlässt man wirklich mit einem kleinen Glitzern in den Augen das Kino. Da irritiert nur, wenn die Begleitung schon beim Abspann „Der war lang!“ von sich gibt – Oh.. das klingt weniger begeistert. Erst später stellt sich heraus, dass „Der war leiwand!“ gesagt wurde. Jaja. Diese Nicht-Wiener, die Wiener Wörter verwenden. Versteht doch kein Mensch. Also doch beide begeistert. Fein. Und das auch ohne Prinz und Prinzessin im Drehbuch. Allerdings weiß ich nicht, ob auch andere so gern ein paar Stunden mit dem kleinen Hugo täuschen würden: Oh ich würde! In der Spitze des großen Hauptbahnhofes sitzen und den Lichtern von Paris zusehen. Von mir aus auch ganz alleine. Ziemlich kitschig, ich weiß. Allerdings habe ich kein Problem damit, offen und ehrlich zuzugeben: Ich bin eine dieser abgedroschenen Städte-in-der-Nacht-(von-luftigen-Höhen)- und Sonnenaufgangs-und-untergangs-Anbeterinnen. Der Sonnenuntergang hat mir jahrelang immer vorgemacht, er sei was ganz Besonderes und um einiges schöner als der Sonnenaufgang – mittlerweile bin ich mir da aber nicht mehr so sicher. Ich vermute, er lügt. Die Aufgänge sind nämlich die mit den vielen Facetten. Keiner wie der andere. Und so viele verschiedene Möglichkeiten sie wahrzunehmen.  Allein die letzte Woche hat mir zwei so wahnsinnig unterschiedliche gezeigt.

Der eine, der eigentlich erschreckend und unerwünscht ist, aber dem man trotzdem nicht böse sein kann. Während man noch in einem schummrigen Lokal die letzten Gespräche genießt, macht sich diese verflixte Sonne langsam aber sicher auf die Reise und hüllt den schwarzen Himmel da draußen mitsamt der darunterliegenden schwarzen Straßen nach und nach in ein dunkles blau, das immer weiter und weiter kriecht, um ein orange zu werden. Und spätestens dann, wenn man feststellt, dass das Bier und der Wein mittlerweile selbst den vertrauten Leuten um sich nicht mehr ganz so charmante Eigenschaften verleiht, ist es Zeit, dem Sonnenaufgang ins Auge zu blicken und die Heimreise anzutreten. Dieser grinst zwar ein wenig spöttisch und verleiht einem zumindest ein bisschen ein schlechtes Gewissen, den Blick möchte man jedoch trotzdem nicht von ihm abwenden. Darum genießt man die Farben und schmunzelt über die Erlebnisse der vergangenen Nacht.

Der komplett andere Sonnenaufgang wurde nur zwei Tage davor vom Zimmerfenster aus beobachtet, brachte aber gerade nach dieser Nacht eine wunderbare Ruhe und Zufriedenheit mit sich. Nach fünf Semestern wurde ich tatsächlich erst jetzt das erste Mal von einer Deadline dazu gezwungen, die ganze Nacht durchzuarbeiten. Sogar für eine Eule wie mich anstrengend, jedoch auch irgendwie schön. Vertieft in diverse Bücher und Texte merkt man gar nicht, wie sich der Himmel langsam verfärbt, bis man irgendwann hört, dass die Stadt schon wieder erwacht und sich die Ersten da draußen im Morgengrauen auf den Weg in die Arbeit machen. Nach stundenlangem Getippse wird dann endlich abgegeben und darauf erleichtert und glücklich zugeschaut, wie die ersten Sonnenstrahlen über dem Dach des Hauses gegenüber zu glitzern beginnen. Einige politikwissenschaftliche Fetzen kreisen noch durch die Gedanken, schweifen ab zu skurrilen Straßenbahnsituationen, die man heute erlebt hat bis sie zum Frühstück kommen, das eigentlich schon wieder angebracht wäre.. und sie ermahnen sich selbst das nächste Mal daran zu denken wieder selbstgemachte Marmelade aus der Heimat mitzunehmen. Und vielleicht Suppeneinlagen. Nur für den Fall, dass ich irgendwann wieder Lust auf Suppe haben sollte.

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