Ich hab da was gesehen.. #2

Letztens hat eine Frau in der vollen Straßenbahn einen dieser Supermarkt-Schokoladenkuchen inklusive Schokoglasur aus der Plastikverpackung befreit und angefangen ihn einfach so im ganzen Stück genüsslich zu verspeisen – ohne sich auch nur ein bisschen um die vielen Blicke zu kümmern.
Egal ob Liebeskummer, PMS, alles blöd oder einfach so: I feel you, sister.

Ich hab da was gehört.. #31

Zwei junge Frauen unterhalten sich:
„Schaust du auch Game of Thrones?“
„Pfft natürlich!!! Also wirklich… wer schaut denn bitte nicht Game of Thrones?“
„Nageh so isses jetzt auch wieder nicht. Ich kenne Leute, die nicht Game of Thrones schauen.“
„Echt? Die müssen ja seltsam sein. Wer ist das so?“
„Na ja halt… zum Beispiel äh… meine Oma.“

Ich hab da was gehört.. #30

Zwei Freundinnen, unterwegs mit ihren insgesamt fünf Kindern, unterhalten sich in der U-Bahn neben mir.
Die eine zur anderen:
„Seufzzzz… Ich brauche einen Mann, der Ziele hat. Weißt du? Einen, der sagt: Mit 30 will ich das erreicht haben, mit 35 das, mit 40 das. Mein Mann ist überhaupt nicht so. Dem ist alles egal! Der ist zu überhaupt nichts zu gebrauchen!“

Pssst – mein Tipp: Einen Mann heiraten, den man auch gebrauchen kann.

Ich hab da was gehört.. #25

Zwei Schülerinnen sitzen in der Straßenbahn.
„Sag mal ist die Brille eigentlich neu?“
„Ja! Also nein, nicht wirklich. Nur an mir ist sie neu. Die hab ich in einer Schublade im Schlafzimmer meiner Eltern gefunden. Die hatte meine Mama auch schon auf damals in den 70ern oder 80ern oder so. Also voll Vintage!!“
„Achsoooo! Darum schaut sie so beschissen aus!“
Die Brillenträgerin lacht kurz auf.
„Äh nein sorry, ich mein das wirklich so.“
„Oh. Okay… also… wirklich?… Also ich finde… Hmm. Nein also ich…“
Eine Frau, die neben ihnen steht, schaltet sich ein: „Also ich finde die Brille sehr schön. Und sie steht Ihnen auch ganz wunderbar!“ ♥

belacquastisch.

Immer wenn ich mit dem Zug von meinem Heimatdörfchen wieder nach Wien fahre, komme ich auf dem letzten Streckenabschnitt zwischen Wien Meidling und Wien Hauptbahnhof an dem dunkelgrauen Koloss von Hochhaus vorbei, in dem mein Herr R. wohnt. Nachdem er die letzten Male mit mir schimpfte, weil ich erst in der eigenen Wohnung angekommen über mein imaginäres Winken vor einer halben Stunde Bescheid gab, sollte es diesmal anders sein.
Diesmal schrieb ich ihm brav davor, dass ich bald an ihm vorbeirauschen würde. Ich dachte, dass er sich auf seine Loggia stellen und auf meinen vorüberziehenden Railjet herunterblicken würde und ich durch das Zugfenster und auf den Wohnblock hinaufblicken würde und wir einfach beide erahnen würden, wo der andere ungefähr ist und uns gedanklich zuwinken. Nein, natürlich nicht. Der Herr R. ist keiner, der sich mit erahnen und gedanklich winken zufrieden gibt – der Herr R. will sehen und wirklich winken. Darum gab es die klare Ansage: Auf die richtige Seite ans Fenster setzen – Handy auspacken – Blitz/Taschenlampe aktivieren und ans Fenster halten. Was mir früher ziemlich unangenehm gewesen wäre, ist mir mittlerweile auch Dank des Herrn R. um einiges egaler. Ja, liebe andere Fahrgäste, ich leuchte da gerade aus dem Fenster – schön, dass es Ihnen auffällt.
Da! Ungefähr bei der Mitte des ca. 20 Stockwerke hohen Gebäudes blinkte mir ein stroboskopisches Blitzlicht entgegen. „Schaut mal! Da oben steht mein Herr R.!“ wollte ich rufen.
Eine Stunde später bekam ich ganz unerwartet diese Fotos:

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IMG-20160330-WA0002Hihi. Ich mag so kleine Blödeleien.

Ich hab da was gehört.. #23

Zwei ca. 35-jährige Männer sitzen am späten Nachmittag auf einer Parkbank.
Der eine erzählt dem anderen:
„Zu Ostern war ich mit Rosa am Land. Weißt eh, in der Steiermark bei der Katharina. Bevor wir dann die Katharina besucht haben, sind wir kurz in einem typischen Landgasthaus eingekehrt. Die Kleine hat sich schon etwas skeptisch im Lokal umgesehen, aber nichts gesagt.
Sie dann: „Papa, kann ich ein Kombucha haben?“
Der Wirt steht daneben: „Hm? Des homma ned.“
Rosa weiter: „Hmpfs.. dann hätte ich gern einen Matcha-Eistee. Oder ein Makava.“
Der Wirt schaut mich schräg an. Ich dann „Süße, das gibt’s hier nicht. Wie wärs, wenn du einfach eine Fanta oder einen Apfelsaft nimmst?“
Sie rümpft die Nase: „Fanta?? … Ich nehm eine Cola. Light!“
Meine Güte, sie ist so ein Stadtkind. Ich glaub, ich muss öfter mal mit ihr rausfahren..“

Öhm. Ja, das glaube ich auch.

Momentaufnahme #3

Ich sitze in einem Bus, der irgendwo zwischen Mürzzuschlag und Wiener Neustadt über die Semmeringer Schnellstraße brettert. Da in der Semmeringer Gegend Bauarbeiten an den Zugschienen durchgeführt werden, musste der gesamte Railjet bzw. seine Passagiere in Busse verfrachtet werden. Was mir zuerst furchtbar lästig erschien, hat im Endeffekt auf der Lästigkeitsskala von 1 bis 10 glücklicherweise nur läppische 3 Punkte abgeräumt. Bei den ÖBB arbeiten anscheinend doch ganz fähige Leute. Zumindest ab und zu.
Ich habe einen angenehmen Fensterplatz ergattert und schaue der vorbeiziehenden, sich zu einem grünbraungrauen Brei vermischenden Landschaft zu. Über ihr erstreckt sich eine blitzblaue Himmelsuppe, die alles zu umarmen scheint. Es ist nach 18 Uhr und der Himmel ist nach der Zeitumstellung am Wochenende immer noch wie direkt kopiert aus einem Werbesujet für Urlaub in Kroatien. Vor mir kuschelt ein Pärchen und unterhält sich leise kichernd auf Tschechisch (zumindest hat es sich für mich Tschechisch angehört). Sie zwirbelt eine haselnussbraune Lockensträhne um ihren Zeigefinger während er sie noch näher an sich drückt und ihr etwas ins Ohr flüstert. „Oh Baby deine braunen Löckchen sehen heute besonders bezaubernd aus!“ Oder so. Vielleicht auch „Oh Baby wer ist eigentlich für die hässlichen Sitzbezug-Designs in Bussen verantwortlich?“. Diese Muster auf den Bussitzen sehen immer so aus wie das, was ich früher im Paint produziert habe, bevor ich Spiele auf Disketten, Minesweeper und Chatrooms entdeckt habe.
Rechts neben mir findet das langweiligste Gespräch der Welt statt, das mich wieder einmal daran erinnert, warum mir belangloser Smalltalk oft so zuwider ist. Wo wohnst du denn jetzt in Wien? Im 9. In der Soundsostraße. Achso da. Ums Eck war ich mal bei einem guten Japaner.. mir fällt gerade der Name nicht ein. Aso mhm den kenne ich nicht, aber muss ich mal ausprobieren. Ja unbedingt. Ich schreibe gerade an meiner Diplomarbeit über arbeitslose Tauben am Hauptbahnhof. Mhm klingt spannend. Ich arbeite in einem Marktforschungsinstitut und versuche gerade in Gruppendiskussionen herauszufinden wie eine neue Kopfschmerzmittelkampagne so ankommt – aber pssst bitte nicht weitererzählen, ich darf dazu eigentlich noch nichts sagen. Nein nein natürlich nicht. (Dabei würde sie doch so gern – ihr gesamter Freundes- und Bekanntenkreis interessiert sich sehr dafür.) Ich stecke mir meine Kopfhörer in die Ohren, schließe die Augen und lasse mich von den leicht wippenden Bewegungen des fahrenden Busses in einen dösigen Zustand schaukeln. Noch zwei Stunden bis zur innigen Umarmung meines Herzensmenschen. Ich kann es kaum erwarten.

„Ich bin ein Clown und sammle Momente.“