Satire

Vorgeschriebene Absagen für kalte, graue Wintertage

von am Februar 18, 2018

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Sorry, ich kann mir deinen Poetry Slam-Auftritt heute leider nicht anschauen, da ich dieses kleine Saal-Dings kenne und ich weiß, dass es dort nirgends eine Garderobe bzw. auch sonst keinen geeigneten Platz für meine Textilien gibt. Ich kann unmöglich meinen dicken Mantel, meine zwei Westen, meinen großen Schal, meine Haube und meine Handschuhe mit mir herumtragen.

Ja, ich weiß, das ist deine 30er-Feier heute. Aber warum musst du auch im Winter Geburtstag haben? Wer macht denn so was? Feier deinen Geburtstag doch irgendwann an einem Tag von Mai bis September wie ein normaler Mensch.

Hey, bitte sei mir nicht böse, aber das Treffen heute muss ich absagen. Grippewelle, du weißt schon. Ich bin zwar nicht krank, aber ich fühle ganz tief drin, dass es jederzeit soweit sein könnte. Letztens habe ich in einem Artikel gelesen, dass es reicht, wenn ein bereits angesteckter Mensch in der Inkubationszeit neben dir einfach nur ausatmet – der muss dich nicht einmal anhusten oder anniesen oder so! Ich kann das Risiko leider nicht eingehen. Dort in dem Lokal würden zu viele Menschen atmen. Sorry.

Ich kann heute leider nicht zu deiner Feier kommen, tut mir wirklich leid. Wir haben uns genau vor einem Jahr das letzte Mal gesehen und damals hatte ich diesen einen roten Mantel an, du erinnerst dich sicher. Auf jeden Fall habe ich es nicht geschafft mir eine neue Winterjacke zu kaufen. Nach so langer Zeit mit demselben Style aufzutauchen ist echt super peinlich. Das wird also nichts heute. Euch aber viel Spaß!

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Klar würde ich heute gerne an deinem mexikanischen Koch-Abend teilnehmen, aber ich musste heute schon das Haus verlassen um Klopapier zu kaufen und in der kurzen Zeit zum Billa und zurück ist mein Gesicht dermaßen eingefroren, dass ich danach durch die rote Nase und die roten Wangen ca. eine Stunde wie einer dieser Horror-Clowns aussah. Ich will niemandem Angst einjagen, du verstehst das gewiss.

Ich weiß, ich hab bereits fix zugesagt, aber das ist Tage her. Jetzt, wo ich eingekuschelt mit meinem Hund und meinem attraktiven Lebensgefährten auf der Couch liege und eine dampfende Kanne Apfel-Zimt-Tee auf mich wartet, kann ich nur sagen: No way. Sorry.

Bei mir wird das heute nichts mit der Ausstellung, verzeih mir. Die Haut auf meinen Händen sieht durch die trockene Heizungsluft dermaßen ledern und faltig aus, dass man meinen könnte, sie gehören einer 80-Jährigen. Handcreme verpufft wie Wasser nach nur wenigen Minuten. Mit diesen Händen kann ich in der Öffentlichkeit kein Sektglas halten. Bis bald hoffentlich.

Tut mir leid, ich kann heute nicht in diese Bar gehen. Ich weiß nämlich, dass dort kein dicker Vorhang hinter der Eingangstüre hängt und ich ertrage es nicht, alle zwei Minuten einen kalten Windhauch zu spüren, der mich bis ins Mark erschüttert. Schönen Abend!

Ich hätte zwar total Lust mir heute mit dir den Vortrag über skandinavische Innenarchitektur anzuhören, aber ich habe mir gerade neue Wildlederschuhe gekauft und der ekelhafte Schneematsch draußen würde sie komplett ruinieren. Und nein, meine dicken Boots will ich wirklich nicht anziehen. Sorry. Wir sehen uns!

Tut mir leid, aber ich habe gerade gesehen, dass es in dem Restaurant, das du ausgesucht hast, nur Raw Vegan-Gerichte gibt. Ich brauche heute wirklich etwas, das heiß serviert wird. Danke für dein Verständnis!

Entschuldigung, aber den Film musst du dir alleine anschauen. Meine Katzen brauchen in der kalten Jahreszeit besonders viel Zuneigung. Du weißt ja wie das ist.

Ich würde sehr gerne zu deiner Abschiedsparty kommen, aber das geht sich einfach nicht aus. Durch die kalte Luft draußen läuft meine Nase auch nach nur kurzen Fußwegen stark und ich könnte mir bei der Feier nicht vernünftig die Nase putzen, weil sonst mein ganzes Make-Up verschmiert. In einem Jahr bist du ja wieder da, oder? Lass uns dann mal treffen.

Ach wir waren heute verabredet? Hmm. Also ich kann mich leider absolut nicht dazu motivieren, meine ausgebeulte Jogginghose und mein altes Rolling Stones-T-Shirt gegen etwas Herzeigbares auszutauschen, aber du kannst gerne zu mir kommen. Auf einen Tee? Ich verspreche dir auch, dass ich das nächste Mal dann zu dir komme. Also vielleicht.

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