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Die Sache mit der Sommerpause

von am Oktober 7, 2015

Wie alle diese Fernsehfuzzis, Politiker und Fußballspieler habe auch ich mir dieses Jahr eine Sommerpause gegönnt. Na gut, vielleicht ist sie etwas länger ausgefallen. Aber der Sommer ist halt auch so wahnsinnig heiß und so wahnsinnig aufregend und so wahnsinnig wahnsinnig. Oder so. Ihr wisst schon.
Es regnet, ich bin erkältet und irgendwie habe ich schon wieder fast vergessen, wie sich Sommer anfühlt. Aber ich glaube, das mit dem kurz Revue passieren lassen funktioniert noch. Ich werde euch jetzt allerdings nicht mit tollen Sommererlebnissen langweilen. Na ja, vielleicht ein bisschen. Aber nur mit ein paar lustigen Anekdoten. Oder skurrilen. Oder schönen. NA GUT, ich langweile euch jetzt doch mit tollen Sommererlebnissen (und mit Sommer meine ich die gesamte Zeit bis jetzt). Aber nur mit einigen wenigen. In Kurzform.

Wer ist Kurt Razelli? Und warum trägt er ausgerechnet eine Schwarzenegger-Maske? Der Auftritt von ihm im Rahmen des Popfests im Brut war wohl eines der schrägsten „Konzerte“, auf denen ich jemals war. Ein Publikum, das laut „Hypo Alpe Adria“ mitgröhlt, hat definitiv etwas Bizarres.

Welche lustigen Anekdoten und Sprüche habt ihr im Freibad von euren Nachbarn gehört? Eins meiner Highlights: Ein kleiner Bub (geschätzte 7 Jahre) stopft sich seine Badehose beim Hintern mit einem Handtuch aus und schreit „Schau Oma!! Wie die Kim Kardashian!!“ Ich habe leider nicht mitbekommen, ob die Oma tatsächlich wusste, wer Kim Kardashian ist.

Was läuft eigentlich in Stermanns und Grissemanns Köpfen falsch? Ich habe Karten für das Stück „Für die Eltern was Perverses“ im Rabenhoftheater gewonnen und fand es neben lustig auch sehr.. seltsam. Aber lustig-seltsam. Immerhin. Zusätzlich amüsiert hat mich, dass Stermann nur 10 Minuten nach dem Auftritt mit uns in derselben U-Bahn saß. Ich stelle mir das so vor, dass die zwei sich nach dem Abschlussapplaus hinter der Bühne kurz anschauen und „Jo.. eh. War scheiße eigentlich, aber hat schon passt.“ zueinander sagen und gehen.

Ist es eigentlich normal, dass in England niemand eine Zugabe hören will? Ich war auf einem kleinen Konzert in London und nachdem die Band bekannt gab, dass das nächste Lied das letzte sein wird, hat danach jeder kurz applaudiert und ohne Weiteres sofort den Saal verlassen. Das hat uns sehr verwirrt. (Nein, das Konzert war nicht mies.)

Was ist ein großartiges Date für euch? Was muss passieren? Ich weiß jetzt, dass spontane Cocktails, über den nächtlichen Naschmarkt schlendern und stundenlange intime Plaudereien über den Dächern Wiens auf jeden Fall dazugehören.

Habt ihr manchmal Lust auf typische Touri-Sachen in der eigenen Stadt oder nervt euch das nur? Ich war mit meinem lieben Besuch das erste Mal im Madame Tussauds in Wien, einfach weil wir irgendwie Lust darauf hatten. Und schossen dabei selbstverständlich furchtbar klischeehafte Fotos. Ja, ich habe Johnny Depp geküsst. Und Elvis. Und Brad Pitt.

Wart ihr letzten Samstag auch am Heldenplatz? Mit über 100.000 Menschen zu schweigen und zu „Schrei nach Liebe“ abzugehen –> Gänsehaut pur. Danke dafür. Refugees welcome.

Noch ein paar Erkenntnisse:
Es fühlt sich gar nicht so falsch an, bei 30 Grad eine Winterhaube zu kaufen.
Sorry an alle Katzenbesitzer da draußen, aber die schönsten und liebsten Katzen Wiens (nein, vermutlich der ganzen Welt) leben in Margareten.
Graz ist schon auch ziemlich cool.
Sonnenbrillen mit Herzchen-Gläsern kommen gut an.
Mr. Robot und Fargo sind großartige Serien.
Shoppen kann furchtbar nervig sein.
Nach sechs Jahren in der Wohnung besitze ich keine Zitronenpresse.
Wer dem Internet glaubt und gegen trockenen Reizhusten gewürfelte Zwiebeln neben dem Bett aufstellt, wacht gefühlsmäßig in einem Kebabstandl auf.
In London gibt es eindeutig zu wenige Mütter, die sagen „Nein Mädl.. es ist viel zu kalt. So gehst du nicht aus dem Haus!“.
Manche Menschen wissen nicht wer Audrey Hepburn oder Freddie Mercury ist.
Sollte das mit meinem Leben in Wien nicht so funktionieren, gehe ich nach Camden Town und werde Punk.

So. Das wars auch schon. Ab jetzt lesen wir uns wieder öfter. Ich freu mich drauf.

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Begegnungen | Foto-Montag | Heimat | Lebenszirkus | Sommer | Unterwegs

Foto-Montag

von am Juli 20, 2015

Ich bin gerade auf „Sommerurlaub“ in der Heimat und habe ganz spontan Besuch von meinen Jungs bekommen, die der Wiener Hitze übers Wochenende entfliehen wollten. Und wir haben wiederum dem Salzburger Land zumindest tagsüber den Rücken gekehrt um uns im schönen Millstätter See in Kärnten zu erfrischen. (Sorry, meine liebe Alte Donau, aber dieses Rennen verlierst du.) Schön wars. Sehr sogar. <3

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Alltag | Begegnungen | Ich hab da was gehört.. | Lebenszirkus | Sommer | Unterwegs | Wien

Ich hab da was gehört.. #18

von am Juli 14, 2015

Mädlstag mit meinen Lieben in einem Garten in Klosterneuburg. Nachdem wir fein gekocht und gegessen hatten, saßen wir alle in der Sonne und unterhielten uns über typische Frauenthemen. Dazu gehören bekanntlichermaßen auch die Männer.
Garten„…na ich glaub schon, dass Männer das auch spüren.“
(Was genau ist für die Geschichte nicht relevant 😉 )
Diese Aussage wurde aufrichtig und voller Ernst bekräftigt mit einem:
„Ja schon. Das sind ja auch Lebewesen.“

Als ob wir über Seesterne oder Pflanzen gesprochen hätten. Haha. Herrlich.

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Alltag | belacquastisch | Film- Serien und TV-Welt | Lebenszirkus | Nachtleben | Sommer | Unterwegs

belacquastisch.

von am Juli 8, 2015

Aw. Das Plakat ist mir letztens am Weg zur Alten Donau ins Auge gesprungen. Francis! Ich habe „Malcolm mittendrin“ geliiiebt. Allerdings ist die Serie vor zehn Jahren ausgelaufen und seit dem sieht man den Guten halt auch nirgends mehr. Ich finde es immer traurig, wenn Schauspieler oder Sänger in ihrem Leben nur einen großen Erfolg hatten, an den sie nie anknüpfen konnten, und dann irgendwann nur noch als „der Typ/die Tussi aus …“ durch Clubs ziehen und für ihre Anwesenheit ein wenig Kohle kassieren. Ab und zu darf man diese Personen dann auch noch „DJ“ schimpfen. So bespaßt Christopher Masterson jetzt das versnobte Publikum der Box. Der Arme. Vermutlich schaut er deshalb so grimmig. Tja. So spielt das Leben.
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Von Filmfehlern und Veilcheneis

von am

Als mir letztens aus einem Schaufenster ein verdammt hässliches Shirt – verziert mit einem glitzernden Strass-Eiffelturm neben einem riesigen glitzernden Strass-Pferdekopf neben einem glitzernden sich küssenden Strasspärchen – entgegensprang, habe ich mich gefragt, ob es eigentlich reicht, eine Sache sehr gerne zu machen, oder ob man sie tatsächlich auch gut machen muss, um damit erfolgreich zu sein. Dieser Designer macht seinen Job offensichtlich miserabel, was ihn scheinbar nicht davon abhält, seine Kollektionen in Modehäuser zu bringen. (Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass diese Scheußlichkeit nicht im Schaufenster vergammeln und tatsächlich eine Abnehmerin finden wird). Aber irgendwie gibt das auch Hoffnung. Ich mache nämlich so einiges sehr gerne. Vielleicht lässt sich daraus ja noch eine Karriere basteln. Zum Beispiel finde ich leidenschaftlich gerne Filmfehler – bzw. suche ich nicht aktiv danach, aber ich mag es, wenn mir einer auffällt. Manche springen ja jedem Blinden ins Auge, aber manche sind wirklich äußerst leicht zu übersehen. Ist euch beispielsweise schon einmal aufgefallen, dass bei der berühmten Pretty Woman-Szene in der Badewanne der Walkman kurzzeitig umgedreht wurde und der Anschluss für die Kopfhörer auf einmal auf der anderen Seite ist? Vermutlich nicht, ich finde die Prince singende Julia Roberts eigentlich auch sehenswerter. Übrigens feiert Pretty Woman dieses Jahr zeitgleich mit mir den 25. Geburtstag. Und der ORF verlautbarte in der Vorschau die letzten Tage es sei „Die wohl schönste Liebesgeschichte aller Zeiten“. Ein reicher Freier kauft sich die Prostituierte gleich für eine ganze Woche. Wirklich wunderschön. So eine Romanze wünscht sich jeder. Na ja.
Letztens in der Uni war es auch fast ein bisschen so, als ob ich einen Filmfehler entdeckt hätte, der keinem anderen aufgefallen ist. Ich saß in einem – wie meine Frau U. zu sagen pflegt – „Seminar des Grauens“ (d.h. es dauert den ganzen Tag) und die Temperaturen bewegten sich um die 30 Grad. Wir befanden uns bereits nach der Mittagspause beim ca. fünften Referat. Die Luft staute sich im Raum, um die 40 StudentInnen versuchten noch irgendwie der vortragenden Kommilitonin zuzuhören, als ich auf einmal bemerkte, dass das anstrengende Seminar unsere Professorin wohl noch mehr mitnahm als uns. Der von ihren dünnen Fingern umklammerte Fächer, mit dem sie sich Luft ins Gesicht wedelte, machte alle zehn Sekunden eine Vollbremsung, ihre Augen fielen zu und ihr Kopf knickte nach unten, um ihn nach einer Schreckenssekunde wieder hochzureißen und weiterzufächern. Dann begann das Spiel von vorne und wiederholte sich mindestens zwanzig Mal. Ich wartete nur noch darauf, dass sie das mit dem rechtzeitigen Hochreißen nicht mehr schaffen und ihr Kopf auf die Tischplatte knallen würde. Innerlich kichernd schaute ich durch die Runde und bemerkte, dass ich wirklich die Einzige in dem vollgestopften Raum war, die dieses Schauspiel beobachtete. War ich etwa auch die Einzige, die fand, dass sie wie ein riesengroßer pastellfarbiger Eisbecher angezogen war? Ich konnte das Veilcheneis förmlich im Mund spüren. Obwohl ich noch nie in meinem Leben Veilcheneis gegessen habe. Glaube ich. Dafür habe ich letztens ein ziemlich großes veganes Eis gegessen und es war.. zwar ganz ok, aber recht weit entfernt von köstlich. Dieser tierproduktfreie Zug wird wohl auch weiterhin an mir vorüberfahren ohne dass ich auf ihn aufspringe. Genau wie dieser Half-up-Bun-Trend. Diese Frisur hat sich schon vor einiger Zeit wie eine Plage auf den Hipster-Köpfen der Wiener Frauen ausgebreitet und sieht.. zwar ganz ok, aber recht weit entfernt von gut aus. Nur weil Ariana Grande und Rihanna damit ganz süß aussehen, tut ihr es noch lange nicht. Sorry Mädls. Aber es gibt tatsächlich auch Trends, die ich nicht blöd finde: Ich wusste, wusste, WUSSTE, dass diese Tattoobändchen um den Hals irgendwann wieder modern werden. Meine Güte, wie hab ich die Dinger damals geliebt. Außerdem kann ich meine Adidas Superstar nach vielen Jahren der Vernachlässigung wieder aus dem Kasten kramen! The 90s are back, alright. Eigentlich ist es mir ja total egal, auf welche Züge ihr so aufspringt. Nur bitte, bitte kauft euch kein mit einem glitzernden Strass-Eiffelturm neben einem riesigen glitzernden Strass-Pferdekopf neben einem glitzernden sich küssenden Strasspärchen verziertes Shirt. Danke.

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Ich hab da was gehört.. #17

von am Juni 23, 2015

1435071263169Ein älteres (Ehe-?)Paar steigt gerade noch rechtzeitig in die Straßenbahn ein und setzt sich hin.

Sie zu ihm:
„War das nötig, dass wir jetzt wegen der 6 Minuten bei Rot über die Straße hetzen? Noch dazu neben den kleinen Kindern? Das hätte jetzt wirklich nicht sein müssen.“

Er zu ihr:
„…STÄNDIG diese Wiederholungen und Besserwissereien!! Halt einfach die Goschn!“

Es folgte Stille. Und beleidigte und böse Blicke aus dem Fenster.
Klang nach einer sehr liebevollen Beziehung. Ich war fast ein bisserl neidisch.

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Momentaufnahme #2

von am

nova rockDie großzügig aufgetragene Sonnencreme auf meiner blassen Haut vermischt sich in der brütenden Hitze langsam mit dem von der tanzenden Menge aufgewirbelten Staub und setzt sich in den kleinen Fältchen auf meinen Armen und Beinen ab. Es ist Nachmittag und die meisten der vielen tausend Menschen lümmeln noch ausgestreckt in ihren Campingssesseln oder haben sich im Idealfall ein schattiges Plätzchen gesucht, um sich von der langen vorangegangenen Nacht zu erholen und Energie für die nächste lange Nacht zu tanken. Die Menschenmenge vor der Bühne ist somit noch recht überschaubar. Wir stehen angenehm locker in der zweiten Reihe und bekommen so sogar schon was von dem bisschen Schatten ab, den die Bühne auf das Feld vor ihr wirft. Die Windräder im Hintergrund drehen unermüdlich ihre Runden. Um uns erstreckt sich die burgenländische und ungarische Weite. Kein Hügelchen ist zu sehen. Vor mir an der Absperrung lehnt ein Mädel im Toten Hosen-Shirt und ich weiß, dass sie hier noch viele Stunden ihren Platz verteidigen muss bis sie endlich ihre Lieblingsband von der ersten Reihe aus bestaunen kann. Sie begrüßt einen gerade dazugestoßenen Typ mit blondem Iro, der das Logo der Band sogar bunt gestochen auf seinem Oberarm trägt. Als Hardcore-Fan kennt man sich wohl. Frank Turner, der gerade nur wenige Meter vor ihr „The Road“ zum besten gibt, interessiert sie wenig. Und dass er genau in diesem Lied die Zeilen „Well, I’ve travelled many countries, washed my feet in many seas. I’ve drank with grifters in Vienna and with punks in old D.C.“ flötet, interessiert sie vermutlich noch viel weniger. Franks obligatorisches weißes Hemd ist durchgeschwitzt und klebt durchsichtig an seiner Haut. Mir fällt auf, dass die Tattoos an seinen Armen reichlich Zuwachs bekommen haben seit ich ihn das letzte Mal sah. Die Temperaturen jenseits der dreißig Grad halten ihn nicht davon ab ein weiteres Mal mit Leidenschaft in die Gitarre zu hauen und sich wild zur Musik zu bewegen. Mein Blick schweift zu den anderen Bandmitgliedern und ich muss lachen, weil mir mein Bester letztens erzählt hat, dass die immer gleichen spastischen Bewegungsabläufe des Bassisten ein Nicht-hinschauen-aber-auch-nicht-wegschauen-können-Gefühl bei ihm auslösen. Wie recht er hat. Frank grinst sein charmantes Lächeln in die Menge und fordert sein Publikum zum Mitsingen auf. Ich strecke meine Arme in die Luft, tanze, soweit es mein Getränk in der Hand zulässt, und singe laut mit. Ich fühle mich glücklich und frei und weiß, dass heute noch viele schöne Momente wie dieser vor mir liegen.

„Ich bin ein Clown und sammle Momente.“

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belacquastisch.

von am Juni 14, 2015

Ich wollte euch diese kleine Museumsquartier-Funfact-Geschichte ohnehin schon eine Zeit lang erzählen, aber nach der Begegnung letztens erzähle ich sie euch NOCH lieber.

Kennt ihr Michael Buchinger? Für diejenigen, die diese Frage mit „Nein“ beantworten müssen: Michael Buchinger zählt zu den wenigen erfolgreichen Youtubern Österreichs und hat gestern Abend in Düsseldorf sogar einen Webvideopreis abgestaubt – Gratulation, mein Lieber! Absolut verdient meiner Meinung nach. Ich schaue mir diesen witzig-sarkastisch-originellen Herrn sehr gerne an und habe mich tierisch gefreut, dass er neulich bei unserem Naschmarkt-Frühstück nur ein paar Tische weiter gesessen ist. Und das, obwohl er doch momentan die meiste Zeit in Berlin unterwegs ist. Ich mag kleine zufällige „Promi“-Begegnungen zu meinem sonnigen Bagel-Frühstück. Die darf man gerne öfter servieren.
Jeeedenfalls hat der Michi letztens in einem seiner Videos erzählt, dass das Mumok nicht nur moderne Kunst beherbergt, sondern auch ein riesengroßes Instrument ist. Die grauen Basaltlavasteine der Fassade ergeben nämlich ein überdimensionales Xylophon. Habt ihr das gewusst? Also ich nicht. Ich war aber gleich begeistert und habe nur wenige Tage später mit meiner Begleitung auf den unterschiedlich klingenden Steinen herumgetrommelt. Ich weiß jetzt schon, dass ich das ab jetzt JEDEM erzählen werde, mit dem ich durchs Museumsquartier spaziere. Ausprobieren schwer empfohlen!
Museumsquartier

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Die Sache mit der Amélie

von am Juni 2, 2015

Einige Filme sieht man und liebt man. Für immer. Vielleicht sogar ein bisschen mehr als das. Schließlich ziert kein Urlaubsmotiv oder ein knackiger Ian Somerhalder meinen Desktop (ok na gut.. der durfte auch mal eine Zeit lang), sondern die frech grinsende Amélie auf moosgrünem Sternchenhintergrund. Und da hängt auch noch so ein bestimmtes Poster in meinem Zimmer… ach, es ist halt einfach ein zauberhafter Film, nicht? Und die vielen kleinen zauberhaften Dinge, die darin passieren, begleiten mich wo auch immer ich hingehe und was auch immer ich tue. Kein anderer Film kommt mir im Alltag so oft in den Sinn.

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Manchmal, wenn ich Schallplatten sehe, stelle ich mir vor, sie werden wie Crêpes hergestellt. Manchmal glaube ich an Wunder. Aber heute nicht. Manchmal frage ich mich, ob das Glück tatsächlich wie die Tour de France ist – man wartet so lange, und dann rast es vorbei. Manchmal, wenn ich Fische in einem Aquarium beobachte, frage ich mich, ob sie ihr Leben leid und schwer depressiv sind und sich gerne in den Tod stürzen würden, wenn sie könnten. Manchmal, wenn ich im Kino sitze, möchte ich mich gerne während schöner/trauriger/besonderer Szenen umdrehen und die Gesichter der anderen Zuschauer betrachten. Manchmal, wenn ich kleine, unauffällige Details entdecke, frage ich mich, ob sie auch den anderen auffallen. Manchmal schaue ich den Finger an, der zum Himmel zeigt, obwohl das doch nur ein Dummkopf tut. Manchmal ist mir danach, Himbeeren wie Amélie zu essen. Manchmal, wenn ich einen Markt entlangschlendere, wünsche ich mir einen dieser großen Getreidesäcke, damit ich meine Hand tief hineintauchen kann. Manchmal denke ich darüber nach, ob das Leben nichts weiter ist als das Proben für eine Vorstellung, die niemals stattfindet. Manchmal, wenn ich an einem Aussichtspunkt bin und über die Stadt schaue, frage ich mich, wie viele Paare genau in diesem Moment einen Orgasmus haben. Oder zumindest einer davon. Manchmal, wenn ich Fotoautomaten sehe, habe ich das Bedürfnis unter dem Automaten herumzustochern, um zerrissene Bilder zu finden, mit denen der Besitzer unglücklich war. Manchmal fühle ich mich wie das Mädchen mit dem Wasserglas – sie steht im Zentrum und dennoch ist sie außerhalb. Manchmal, wenn ich eine blinde Person sehe, möchte ich mich gerne einhaken, ein Stück mit ihr gehen und ihr alles erzählen, was rund um uns so passiert. Manchmal würde ich gerne einem Fremden etwas Wertvolles auf mysteriöse Weise zurückgeben – inklusive Anruf bei einer Telefonzelle und „Folgen Sie den blauen Pfeilen!“. Manchmal frage ich mich, ob ohne dich die Gefühle von heute wirklich nur die leere Hülle der Gefühle von damals wären. Manchmal, wenn meine Redegewandtheit zu wünschen übrig lässt, wünsche ich mir hinter jedem Kellerfenster einen guten Souffleur wie im Theater, bereit eine schlagfertige Antwort einzuflüstern. Wie man weiß sind Sie jedenfalls kein Gemüse, denn selbst eine Artischocke hat ein Herz.

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