Begegnungen | Das Gefühl wenn | Musik und Konzerte | Nachtleben | Wien

Das Gefühl, wenn…

von am Februar 23, 2017

…du eine Band, die du sehr magst, das erste Mal live siehst und du von deiner Recherche schon weißt, dass sie bei allen vorhergehenden Terminen der Tour immer dieselbe Setlist gespielt haben und dein Lieblingslied nie dabei war – und dann kurz vor Ende des Auftritts ganz unverhofft auf einmal die ersten Akkorde dieses Lieblingslieds ertönen.

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Alltag | Lebenszirkus | Wien

Die Sache mit den leisen Nachbarn

von am Februar 9, 2017

Ich weiß nicht genau, ob in der Wohnung neben uns ganz still und heimlich neue Mieter eingezogen sind, ob mein Nachbar eine neue Freundin hat oder ob es sich um eine Nachbarin handelt, die eh schon immer da war und durch mysteriöse Kräfte über Nacht gleich zwei neue Instrumente gelernt hat. Jedenfalls tönen seit kurzem Gitarren- und Geigenklänge durch die gemeinsame Wohnzimmerwand. Die Gute strapaziert meine Nerven zwar zum Glück nicht mit Anfängergeklimper und –gefidel, aber teilweise ist es trotzdem nicht unbedingt angenehm, gezwungenermaßen Musik hören zu müssen. (Besonders wenn ich nicht zum zehnten Mal Sex and the City rebinge, sondern tatsächlich etwas schaue, wo ich nicht mitsprechen kann und somit die SchauspielerInnen auch ganz gerne akustisch verstehen würde.)
Ich bin jetzt doch schon seit einiger Zeit in dieser Wohnung und dachte immer, die Wände sind super dick und lärmundurchlässig, weil ich hier erstens mein Wohnzimmer oft genug zum Fitnesscenter umfunktioniert habe und dabei auch ausgiebig über ein Seil sprang (worüber sich nie jemand beschwert hat bzw. bei einer Begegnung im Aufzug mit den Herrschaften unter uns kam auf die Nachfrage ein „Sie springen Seil? Wirklich? Nie gehört, nein.“ zurück) und zweitens auch ich die Nachbarn über und neben uns nie gehört habe. (Außer natürlich es stemmt jemand die Fliesen aus dem Bad, dann hört es sich immer so an als ob der Handwerker direkt neben meinem Bett stehen würde – eh klar.)
Jetzt aber stellt sich plötzlich heraus, dass das alles ein Irrtum war und absolut nicht der Wahrheit entspricht! Es waren nur einfach meine Nachbarn scheinbar immer sehr, sehr leise. Als die Gitarristin in der Nebenwohnung letztens 4 Non Blondes schmetterte und ich sie so klar hören konnte, dass in meinem Wohnzimmer Lagerfeueratmosphäre aufkam und ich mit einem „And I say yeaaaah yeeeyeyeyyey“ gleich mit einstimmen wollte, stand mir plötzlich der blanke Horror ins Gesicht geschrieben. Wenn ich sie so gut höre, dann bedeutet das wohl oder übel auch, dass mich meine Nachbarn immer glasklar und mehr als gut gehört haben, als ich vor diversen Karaokenächten lautstark „Toxic“ von Britney Spears, „Whats my age again“ von Blink oder „Teenage Dirtbag“ von Wheatus gegröhlt habe, um mich ganz trashig auf den Abend vorzubereiten. Oder als ich damals vor Jahren, als „Pitch Perfect“ herauskam, stundenlang den Cup-Song geübt und ihn danach ganz euphorisch über mein neues „Talent“ tagelang immer wieder geklopft und gesungen habe. Uah. Peinlich. Ich suche bereits panisch nach einer neuen Bleibe.

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Begegnungen | Ich hab da was gehört.. | Lebenszirkus | Wien

Ich hab da was gehört.. #26

von am Januar 1, 2017

Eine Freundin erzählt mir von ihrem letzten Date:
Sie und er sitzen in einem Lokal und stellen bei ihrer Unterhaltung zufällig fest, dass sie beide gerne und regelmäßig ein bestimmtes Wiener Bad besuchen, um dort in die Sauna zu gehen.
Er: „Aah.. ich war mir ja zuerst nicht ganz sicher, ob du das bist, aber jetzt weiß ich es fix. Ich hab dich schon in der Sauna gesehen!“
Sie erzählt mir, dass dort nie allzu viel los ist und sie dort so gut wie alle vom Sehen her kennt, weil sie sehr oft dort ist. Ihn hat sie dort aber noch nie gesehen. Da dort die meisten 50+ sind, hätte er ihr auffallen müssen, meint sie.
Sie: „Ach wirklich? Ich hab dich noch nie dort gesehen. Wie kannst du sicher sein, dass ich das war?“
Er: „Du gehst nach jeder Saunarunde immer in das linke Becken auf der rechten Seite.“
Sie erklärt mir, dass es dort vier verschiedene Becken zum Abkühlen gibt.
Sie: „Oh.. äh ja.. das war dann wohl ich. Du hast gesehen, dass ich mich immer in dem einen Becken abkühle? Das heißt du hast mich beobachtet?“
Er: „Na ja weißt du.. es fällt auf, wenn dort so eine junge, hübsche Frau ist. Da schaut man schon gerne hin.“
Sie meint, um zu wissen, dass sie immer nur in dieses eine Becken geht, muss er sie über Stunden oder gar über Tage beobachtet haben. Und das noch dazu irgendwo versteckt in einer Ecke. Creepy! Es war übrigens wenig überraschend das erste und auch letzte Date.

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Begegnungen | Ich hab da was gehört.. | Öffi-Geschichten | Wien

Ich hab da was gehört.. #25

von am September 23, 2016

Zwei Schülerinnen sitzen in der Straßenbahn.
„Sag mal ist die Brille eigentlich neu?“
„Ja! Also nein, nicht wirklich. Nur an mir ist sie neu. Die hab ich in einer Schublade im Schlafzimmer meiner Eltern gefunden. Die hatte meine Mama auch schon auf damals in den 70ern oder 80ern oder so. Also voll Vintage!!“
„Achsoooo! Darum schaut sie so beschissen aus!“
Die Brillenträgerin lacht kurz auf.
„Äh nein sorry, ich mein das wirklich so.“
„Oh. Okay… also… wirklich?… Also ich finde… Hmm. Nein also ich…“
Eine Frau, die neben ihnen steht, schaltet sich ein: „Also ich finde die Brille sehr schön. Und sie steht Ihnen auch ganz wunderbar!“ ♥

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Momentaufnahme #3

von am April 8, 2016

Ich sitze in einem Bus, der irgendwo zwischen Mürzzuschlag und Wiener Neustadt über die Semmeringer Schnellstraße brettert. Da in der Semmeringer Gegend Bauarbeiten an den Zugschienen durchgeführt werden, musste der gesamte Railjet bzw. seine Passagiere in Busse verfrachtet werden. Was mir zuerst furchtbar lästig erschien, hat im Endeffekt auf der Lästigkeitsskala von 1 bis 10 glücklicherweise nur läppische 3 Punkte abgeräumt. Bei den ÖBB arbeiten anscheinend doch ganz fähige Leute. Zumindest ab und zu.
Ich habe einen angenehmen Fensterplatz ergattert und schaue der vorbeiziehenden, sich zu einem grünbraungrauen Brei vermischenden Landschaft zu. Über ihr erstreckt sich eine blitzblaue Himmelsuppe, die alles zu umarmen scheint. Es ist nach 18 Uhr und der Himmel ist nach der Zeitumstellung am Wochenende immer noch wie direkt kopiert aus einem Werbesujet für Urlaub in Kroatien. Vor mir kuschelt ein Pärchen und unterhält sich leise kichernd auf Tschechisch (zumindest hat es sich für mich Tschechisch angehört). Sie zwirbelt eine haselnussbraune Lockensträhne um ihren Zeigefinger während er sie noch näher an sich drückt und ihr etwas ins Ohr flüstert. „Oh Baby deine braunen Löckchen sehen heute besonders bezaubernd aus!“ Oder so. Vielleicht auch „Oh Baby wer ist eigentlich für die hässlichen Sitzbezug-Designs in Bussen verantwortlich?“. Diese Muster auf den Bussitzen sehen immer so aus wie das, was ich früher im Paint produziert habe, bevor ich Spiele auf Disketten, Minesweeper und Chatrooms entdeckt habe.
Rechts neben mir findet das langweiligste Gespräch der Welt statt, das mich wieder einmal daran erinnert, warum mir belangloser Smalltalk oft so zuwider ist. Wo wohnst du denn jetzt in Wien? Im 9. In der Soundsostraße. Achso da. Ums Eck war ich mal bei einem guten Japaner.. mir fällt gerade der Name nicht ein. Aso mhm den kenne ich nicht, aber muss ich mal ausprobieren. Ja unbedingt. Ich schreibe gerade an meiner Diplomarbeit über arbeitslose Tauben am Hauptbahnhof. Mhm klingt spannend. Ich arbeite in einem Marktforschungsinstitut und versuche gerade in Gruppendiskussionen herauszufinden wie eine neue Kopfschmerzmittelkampagne so ankommt – aber pssst bitte nicht weitererzählen, ich darf dazu eigentlich noch nichts sagen. Nein nein natürlich nicht. (Dabei würde sie doch so gern – ihr gesamter Freundes- und Bekanntenkreis interessiert sich sehr dafür.) Ich stecke mir meine Kopfhörer in die Ohren, schließe die Augen und lasse mich von den leicht wippenden Bewegungen des fahrenden Busses in einen dösigen Zustand schaukeln. Noch zwei Stunden bis zur innigen Umarmung meines Herzensmenschen. Ich kann es kaum erwarten.

„Ich bin ein Clown und sammle Momente.“

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Ich hab da was gehört.. #22

von am März 11, 2016

Klopapieredition:

Eine Frau am Telefon wenige Schritte vor mir:
„Daaanke fürs Klopapier austauschen, Schatz! Ich hatte heute so einen Stress und gar keine Zeit mehr dafür. Wirklich vielen Dank! Okay.. ja. Danke nochmal, Schatz! Nein nein, wollt mich nur schnell bei dir bedanken. Bis später. Bussi!“

Wenn eure „bessere Hälfte“ dermaßen wenig im Haushalt mithilft, dass eine Dankesrede nach einem Klopapiertausch angebracht ist, solltet ihr vielleicht noch einmal über die Beziehung nachdenken.

-.-

Man erzählt mir letztens:
„Die X. will kein Klopapier kaufen, weil sie das nicht mag. Sie hat das Gefühl, dass die Leute bei der Kassa dann immer so komisch schauen und sie fühlt sich dabei voll unwohl. Darum kaufen Freunde von ihr Klopapier für sie – immer gleich voll viel auf einmal. Sie hat ein kleines Klopapier-Lager in der Wohnung.“

Also wirklich. Ich kann das noch immer nicht ganz begreifen und weiß gar nicht genau, wo ich anfangen soll. Damit, dass manche Frauen scheinbar echte Probleme mit ihren Körperfunktionen haben? Damit, dass es den Leuten bei der Kassa sowas von egal ist, ob du Klopapier kaufst? Damit, dass unsere Gesellschaft leider Signale aussendet, die erwachsene Frauen dazu bringen, sich für Dinge zu schämen, die ganz normal sind? Ich bin sprachlos.

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