Begegnungen | Lebenszirkus | Musik und Konzerte | Unterwegs

Wer steht denn bitte nicht auf Karaoke?!

von am April 12, 2013

Junggesellinnenabschied. Karaoke. Yey! Ich war das erste (!) Mal in einer Karaokebar in Wien und fand es mehr als amüsant in geselliger Runde die verschiedensten Auftritte anzuschauen. In drei Stunden sieht man wirklich so ziemlich jedes Karaoke-Klischee, das man sich vorstellen kann.

Meine Favorites: 

Die Polterfeier-Runden (natürlich!)

Brautjungfern in bedruckten T-Shirts und mit pinker Farbe im Haar singen am Anfang des Abends „Get the party started“ und werden dabei von der restlichen Polterrunde und der Braut angefeuert.  Wie der Zufall es so will, sitzt am Nebentisch ein ganzer Schwung Männer, die den gleichen Anlass feiern. Der Bräutigam dieser Runde steht ein wenig später im Amerika-Bikini (den ihm unsere Braut verkauft hat) – allerdings über der Kleidung! – auf der Bühne und singt Gangnam-Style, während um ihn herum so viele Mädls wie möglich die dazugehörige Choreographie tanzen. Kurz vor dem Lokalwechsel liegen sich Brautjungfern und die Braut in den Armen und singen lauthals „Dancing Queen“. Wenn man dazugehört: irre witzig. Wenn man lieber schönen, spaßfreien Klängen lauschen möchte: irre nervig.

Der coole Könner

Er kommt schon mit einer unglaublichen Sicherheit auf die Bühne und man merkt gleich, dass er dort schon viiiele Male gestanden sein muss. Zusätzlich sieht er ziemlich gut aus und singt abwechselnd irgendwelche coolen Songs, in denen man zwischendurch schwieriges Zeug rappen muss – davor kommt ein kurzes „Oh Gott!“ als ob er es nicht drauf hätte.. danach werden die Zeilen natürlich runtergesprochen ohne auch nur über ein einziges Wort zu stolpern –, oder wunderschöne Schnulzen. Und auch wenn man selbst im Party-Modus ist und momentan keine ruhigen Lieder hören möchte: er kann’s, er darf. Die Frauenherzen schmelzen dahin.

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Die Wtf?-Auslöser

Man kann nicht anders als zwischendurch immer wieder skeptisch zu schauen und sich zu fragen, was sich diese Sänger bei der Songauswahl gedacht haben. Total unpassend oder total dämlich. Der Auftritt wirkt unfreiwillig komisch und das ganze Lokal ist froh, wenn der peinliche Moment wieder vorbei ist.

Die DSDS-Kandidaten

Diese Karaoke-Sänger sehen aus, als ob sie den ganzen Abend keinen Schluck Alkohol getrunken hätten, da sie das alles hier total ernst nehmen und professionell wirken wollen. Die beliebteste Songauswahl ist immer etwas sehr Hohes, Schwieriges.. am besten was von Whitney Houston oder Mariah Carey. Mimik und Gestik auf der Bühne zeigen deutlich, dass sie sich so enorm hineinsteigern als ob Dieter Bohlen persönlich vor ihnen sitzen würde. Das Ganze klingt aber leider so, dass der gute Dieter nach dem Auftritt wohl was sehr, sehr Böses sagen würde. Nach einem höflichen Applaus stolzieren sie zurück zu ihrem Freundeskreis, der dann vermutlich ein „Oh wow das war fabelhaft!! Du solltest dich unbedingt bei einer Castingshow bewerben!!“ von sich gibt.

Die Auswendig-Könner

Oder: Die Feiglinge. Sie schauen kein einziges Mal auf den Monitor mit dem Text und singen das Lied mehr oder weniger perfekt runter. Sie wählen höchstwahrscheinlich in jeder Karaokebar dieser Welt, die sie betreten, immer wieder dieselben Lieder, weil sie wissen: Das kann ich, damit kann ich nichts falsch machen. Seht her, wie gut wir’s drauf haben!

Und zu guter Letzt: Die Lustig-Macher

Sie tuscheln, sie kritisieren, sie lästern, sie lachen. Ob es die Stimme, das Outfit, die Figur, die Haare oder sonst was ist: Die Sänger werden gnadenlos auseinandergenommen. Die Lustig-Macher trauen sich jedoch selbst kein einziges Mal auf die Bühne. Die Angst ist viel zu groß, dass sich andere über sie das Maul zerreißen.

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Begegnungen | Kurzgeschichte | Lebenszirkus | Lesestoff | Wien

Darf ich vorstellen: Juli

von am März 12, 2013

Das laute Klopfen an der Tür ließ sie hochschrecken. „Juli! Ich bin spät dran! Komm da endlich raus!“ Oh. Sie saß wohl schon länger in der Badewanne als sie bemerkt hatte. Erst jetzt fiel ihr auf, dass das Wasser schon fast kalt war und sich die fluffigen Blasen des Schaums längst in Luft aufgelöst hatten. Sofort bekam sie am ganzen Körper Gänsehaut. „Jaaa! Meine Güte.. ich bin gleich weg. Reg dich ab!“ Sie hörte ein kurzes Knurren und grantiges Gemurmel, bevor ihr Mitbewohner klappernd in die Küche zurückstampfte. Er hatte wie immer diese fürchterlichen Badelatschen an. Schon tausendmal hatte sie ihm gesagt, dass er sich andere Hausschuhe besorgen soll, die ihn nicht aussehen lassen wie einen dieser Hartz-IV-Typen aus dem Nachmittagsfernsehen von RTL. Sie sprang aus der Wanne und betrachtete kurz ihre tief verschrumpelten Finger. Wie viel Zeit war wohl vergangen? Gerade war das Badewasser doch noch kochend heiß gewesen – zumindest hatte es sich so angefühlt. Juli mochte es, wenn das Wasser sie umhüllte und sie durch die Hitze und die Dämpfe ihres Lavendelbadeöls ein bisschen benommen wurde. Schnell knotete sie sich einen Handtuchturban und schlich mit ihrer Kleidung, die sie zuvor achtlos auf den Boden geworfen hatte, in ihr kleines Zimmer zurück. Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass nicht nur Sebi, sondern auch sie schon viel zu spät dran war. Verdammt. Hanna war ohnehin nicht gut auf sie zu sprechen, seit sie ihr erzählt hatte, dass aus dem Deutschland-Trip nichts werden würde. Heute wird sie sich wohl rechtfertigen müssen. Bei dem Gedanken daran spürte Juli einen leichten Knoten in der Magengegend. Aber es ist nun mal ihr Geld und sie konnte damit machen, was sie wollte. Punkt. Sie föhnte sich im Eiltempo die Haare und legte ihren roten Lippenstift auf. Nachdem sie in ihre Lieblingsjeans geschlüpft war, entschied sie sich für das schwarze Shirt mit dem Aufdruck von wild durcheinander gewürfelten Wörtern, die den Songtext eines ihrer Lieblingslieder ergaben, wenn man sie richtig las. Nach einem kurzen Blick in den Spiegel musste sie grinsen. Sie hatte dieses Schneewittchen-Aussehen von ihrer Mutter geerbt und mochte das schon immer sehr. Ihre sehr helle Haut und die knallroten Lippen bildeten einen wunderbaren Kontrast zu ihren langen, schwarzen Haaren, die wild zerzaust über ihre Schultern fielen. Juli hielt nicht viel davon, ihre Naturwellen ewig in Form zu föhnen. Dieser chaotische Undone-Look stieß zwar nicht bei allen ihrer Bekanntschaften auf Begeisterung, aber das war ihr egal. Sie schnappte sich Schal und Jacke und stürmte aus der Wohnung, ohne Sebi in der Küche zu beachten, der gerade an seinem Kaffee nippte.

Hanna saß bereits seit zwanzig Minuten an ihrem Stammplatz in der Ecke, den die Freundinnen „Stalkerparadies“ nannten, als Juli außer Atem und noch zerzauster als zuvor die Kaffeehaustür aufriss. Hanna hörte augenblicklich damit auf, ihre Fingerkuppen nervös auf die Oberfläche des alten Holztischchens zu trommeln und funkelte sie böse an. Juli hasste Auseinandersetzungen mit ihrer besten Freundin und hatte bei dem Anblick der zusammengezogenen Augenbrauen den sofortigen Drang sich umzudrehen und wieder zu verschwinden. Sie strich sich eine schwarze Haarsträhne aus dem Gesicht und machte sich mit leicht weichen Knien auf den Weg zu dem Platz, an dem sie schon viele unbeschwerte Kaffeehausstunden verbracht hatte. Solche würden es diesmal sicher nicht werden.

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Alltag | Begegnungen | Lebenszirkus | Unterwegs

Wartend

von am Januar 10, 2013

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Treffpunkt Oper Richtung Kärntnerstraße. Introvertiert? Sehr unpünktliche Freunde? Viel Spaß. Innerhalb einer Viertelstunde muss man vier Touristenpärchen fotografieren, drei Leuten den Weg zeigen – teilweise mit Händen und Füßen, weil Russisch spreche ich leider nicht – zwei Ticketverkäufer im Mozartkostüm abwimmeln und einer jungen Dame erklären, dass man nicht diese Lisa ist, mit der sie sich hier treffen möchte. Glücklicherweise habe ich nur die unpünktlichen Freunde.

Oft wenn ich hier oder vor einem anderen beliebten Fotomotiv warte und mir die Zeit vertreiben muss, denke ich darüber nach, auf wie vielen Fotos ich weltweit wohl irgendwo klein (oder auch größer) zu sehen bin. Vielleicht zeigt eine Mutter ihrem Sohn in Tokio gerade ein Foto von ihrem Urlaub in Wien, auf dem ich schnellen Schrittes mit einem Kaffeebecher in der Hand vor dem Kunsthistorischen Museum vorbeirausche. Oder es macht gerade ein Backpacker aus Louisiana einen Europatrip-Fotoabend mit seinen Freunden und auf der Wand, auf die der Beamer gerichtet ist, erscheint ein Bild, auf dem ich herzhaft über einen schlechten Witz lachend mit einer Freundin auf einer Parkbank vor der Karlskirche sitze. Eins ist auf jeden Fall sicher: wartend neben der Oper klebe ich schon in unzählig vielen Fotoalben. Machen die Leute heute sowas noch? Na jedenfalls bin ich zumindest am Computer abgespeichert. Schade, dass das mit den Bildern nicht so funktioniert wie bei Harry Potter…

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Lebenszirkus | Weihnachten

Wie ein Wimpernschlag

von am Dezember 29, 2012

Ausnahmsweise schon in der Nacht davor packen. Nur diesmal, wo man doch länger bleibt als ein paar Tage. In Gedanken immer wieder durchgehen, ob man auch an alles gedacht hat. Feststellen, dass es am Ende viel mehr Gepäck geworden ist als gedacht. Oder gewünscht. Und jetzt schon wissen, dass man die Hälfte vermutlich eh nicht brauchen wird. Aber da lassen will man ja trotzdem nichts. Ausnahmsweise zu früh zum Bahnhof fahren und zittern. Jetzt vor Weihnachten will jeder heim. Reserviert hat man natürlich nicht. Meinereiner verlässt sich immer auf das Glück, was Sitzplätze betrifft. Glücklicherweise hat man sich schwer getäuscht – sofort einen Platz ergattert und ein paar Stunden später lächelnd das weihnachtlich dekorierte Haus betreten.

christbaumvogerl

Sofort beginnt die Zeit zu rasen. Zusammensitzen. Plaudern. Lachen. Letzte Geschenke einpacken. Christbaum schmücken. In die Kirche gehen. Gut essen. Singen. Bescherung. In großen Verwandtschaftsrunden Kaffee trinken und Kekserl knabbern. Mit dem Papa durch die Winterlandschaft spazieren. Eingekuschelt zuschauen, wie große Flocken vom Himmel rieseln – zu spät für weiße Weihnachten, aber immerhin. Sich tagelang sehr wohl fühlen. Und dann ist es auch schon wieder vorbei. Dieses Weihnachten, von dem man Ende September schon hört. Wochenlange Vorbereitung der ganzen Welt für einen gefühlten Wimpernschlag. Jedes Jahr. Aber schön isses.

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Lebenszirkus

Silvesterdruck

von am Dezember 21, 2012

Die Welt dreht sich ganz überraschend weiter – Silvesterpläne müssen jetzt doch geschmiedet werden. Und irgendwie ist das meistens nicht wirklich erfreulich. Wer hat der Gesellschaft eingeimpft, dass man zu Silvester immer irgendwas gaaanz Tolles oder Besonderes machen muss? Wochen vorher zerbrechen sich schon alle die Köpfe darüber und Monate danach fragt man immer noch „Und? Was hast du zu Silvester gmacht?“. Wehe, man muss dann sagen, dass man nur daheim war und kurz nach Mitternacht schlafen gegangen ist. Zumindest in meinem Alter gibt’s zu dieser Aussage einen mitleidsvollen Blick gratis dazu. Eigentlich irgendwie zum speibn.

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Letztes Jahr stand ich durch ein paar unglückliche Zufälle kurz vor einem Silvesterdrama und war sogar schon schwerst verzweifelt, da sich erst am 30. am Abend irgendwie ergeben hat, dass ich doch nicht vollkommen „langweilig“ ins neue Jahr rutschen muss. War dann eine sehr nette Nacht in der Steiermark – aber mal ehrlich: wenn ich daheim geblieben wär und „nur“ mit meinen Eltern ein bisschen angestoßen hätte, wär’s im Prinzip auch komplett egal gewesen. Oder nicht?

Ich bin jedenfalls unglaublich glücklich, dass mir dieses Gequatsche, wo und wie gefeiert wird, heuer erspart bleibt. Die Pläne stehen: Ich darf mit meiner allerbesten „zweiten Familie“ aus Wien in das neue Jahr rutschen – noch dazu im wunderschönen Tirol. Und ich freu mich wie ein kleines Kind. Ganz schmalzig gesagt: Das Wichtigste ist doch, dass man am 31. um Mitternacht von Leuten umgeben ist, die man liebt – und dieses Jahr hab ich gleich sieben Stück davon bei mir. Herrlich.

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Erkenntnisse eines Stadtmädchens

von am Dezember 20, 2012

Wenn man Besuch aus der Heimat ins Lieblingslokal mitnimmt, kann man sich sicher sein, dass genau an diesem Abend überhaupt nichts los ist bzw. mindestens drei eigenartige Typen herumsitzen und komische Stimmung verbreiten. Grr.

Jeder sollte iiirgendwann mal einen Kinofilm von der ersten Reihe aus gesehen haben – nur um mitreden zu können, wie scheiße das eigentlich ist. Nach über zwei Stunden James Bond hätte ich eine ausgiebige Nackenmassage gebraucht. Das kommt davon, wenn man Männern die Kinoauswahl und das Karten kaufen überlässt.

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Manchmal werde ich dem Klischee meiner Haarfarbe halt doch gerecht. Lasst NIEMALS das Auto im Großstadtdschungel stehen und geht dann plaudernd davon ohne zu schauen, in welcher Straße ihr eigentlich steht. Zwei Stunden in der Kälte Auto suchen ist nicht unbedingt amüsant.

Warum gibt’s in St. Pölten auf jedem Christkindlmarkt so geniale Öfen, die unheimlich fein wärmen und in Wien friert man sich an so ziemlich jedem Punschstandl der Stadt den Arsch ab? Ich hätte mir nie gedacht, dass sich Wien von St. Pölten was abschauen kann..

Ich gebe schön langsam die Hoffnung auf, dass ich in dieser Stadt irgendwo einen Friseur finden werde, mit dem ich wirklich zufrieden bin (und den ich mir auch leisten kann..). Mir ist glücklicherweise danach nie zum Weinen zumute, aber es überwiegt immer dieses So-Lala-Gefühl. Dass man mich ein zweites Mal sieht, ist die große Ausnahme und auch diesmal werde ich höchstwahrscheinlich wieder wechseln. Tipps werden dankend angenommen.

Muss man verrückt sein, um sich jetzt auf die Mariahilferstraße zu wagen? Vermutlich.. aber so ist es nun mal, wenn man sich wie immer ziemlich knapp um die Geschenke kümmert. Immerhin war es sogar weniger schlimm als erwartet – ich wurde nicht zertrampelt!

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Lesestoff

Ach Herr Grey, ich weiß nicht recht.

von am November 9, 2012

Millionen von Hausfrauen, die jahrelang nur Klatschmagazine ins Einkaufswagerl geworfen haben, legen diese nun nur allzu gerne beiseite um seit langem wieder einmal ein Buch zu verschlingen. Und nicht nur eins, sondern drei. Okay, ich will nicht unfair sein. Nicht nur Hausfrauen, sondern genauso auch Studentinnen, Karrierefrauen, Pensionistinnen, – nahezu alle, die als weibliches Wesen auf diese Welt gekommen sind. Ich will gar nicht wissen, wie viele von denen sich in letzter Zeit von weit weniger attraktiven Männern ans Bett fesseln lassen, die Augen schließen und dabei an Christian Grey denken. Vorher für die meisten noch abstoßend und pervers, ist BDSM jetzt auf einmal salonfähig geworden und mir scheint, als würde sich plötzlich jede Frau nach einem dominanten Kerl wie Herrn Grey sehnen.

Ich bin mit meinem Kommentar furchtbar spät dran – der Hype ist schon wieder fast verflogen, jedoch habe ich mich Monate dagegen gewehrt.. aber die Neugier hat jetzt letztendlich doch gewonnen. Und auch ich muss zugeben: Das erste Buch wurde auch von mir innerhalb kürzester Zeit ausgelesen und derzeit befinde ich mich mitten im „Fifty Shades Darker“. Der Inhalt ist nahezu identisch: sie will ihn, er will sie, sie ist verwirrt, er kauft ihr teure Dinge, sie beißt auf ihrer Unterlippe herum, er leidet unter Stimmungsschwankungen und achja.. Sex. Viel Sex. Und obwohl im Endeffekt in jedem Kapitel so ziemlich dasselbe passiert, kann man doch nicht aufhören zu lesen. Ja, definitiv fesselnd, aber doch irgendwie sehr einseitig und – verzeiht mir, liebe Fifty-Shades-Anhängerinnen – auch etwas dämlich. Er ist eigentlich ein armes Würstchen mit großen psychischen Problemen, schrecklich eifersüchtig und ein Stalker. Zitat eines Freundes: „Na Gott sei Dank liest du es auf Englisch.. dann hast du wenigstens iiirgendwas davon!!“ Klingt jetzt alles böser, als beabsichtigt. Ich gehöre ja mittlerweile auch zu den Süchtigen – Fifty Shades Freed muss sicher nicht mehr lange auf mich warten. Allerdings: Bitte verschont mich mit unzähligen Babys, die jetzt Anastasia getauft werden und hoffentlich muss ich mir demnächst auch nicht ständig Mädls anschauen, die auf ihrer Unterlippe herumkauen und sich dabei sexy fühlen. Danke.

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Begegnungen | Lebenszirkus | Nachtleben | Unterwegs

Oh Wien.

von am November 8, 2012

Ich stehe in der Menschenmenge, das Publikum gröhlt den Liedtext mit dem Sänger mit. Außer den umherflitzenden Scheinwerfern ist der Saal abseits der Bühne relativ dunkel. Die Halle ist ausverkauft, die Stimmung super. Die Band sowie ein großer Teil des Publikums gleicht einer kleinen (aber äußerst amüsant anzusehenden) Freakshow: Leoprint-Leggins, lange Perücken, viel zu viel Schminke,… typisch Hair-Metal eben. Nicht unbedingt meine Musikrichtung, aber trotzdem ein Konzert, zu dem man sich definitiv gerne mitschleppen lässt. Ab und zu schweift mein Blick ab vom Geschehen auf der Bühne durch die Menge vor mir. Hmm.. diese Haare ein paar Reihen weiter vorne. Und der Bart. Ist das …?

Nach der Show – die Lichter gehen an. Die Halle leert sich langsam und ich drehe mich nochmal um, um einen Blick zu erhaschen und sicher zu gehen. Da sieht er mich, lächelt ungläubig und kommt auf mich zu.. „Bist du’s wirklich?“. Ja, ich bins.

„Kennt’s ihr euch?“ Wir grinsen uns an. Kann man so sagen, ja.

Wer mich liest, weiß bereits, wie sehr ich Zufälle liebe. Und dieser war einer der ganz besonderen Art. Wie groß ist schon die Wahrscheinlichkeit, dass jemand ganz zufällig über drei Ecken auf mein Geschreibsel hier stößt, es gut findet und mir schreibt. Dass sich dadurch ein E-Mail-Kontakt ergibt und wir nur eine einzige Woche später im ausverkauften Gasometer beinahe auf der gleichen Stelle stehen – wo wir doch beide die Musik eigentlich gar nicht hören?

Oh Wien, du kannst so klein sein. Und so wunderbar.

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Begegnungen | Wien

Feiertagsmorgen

von am Oktober 26, 2012

Die Nebelschwaden hängen über Wien, am Heldenplatz kann man wieder mal Panzer und Eurofighter bestaunen und nachmittags könnte man sogar dem Herrn Bundespräsidenten die Hand schütteln, wenn man möchte. Ich verzichte allerdings aufs eine sowie aufs andere. Heute Vormittag habe ich bei meinem Gang in die Küche, um mir meine tägliche Koffeindosis zu holen, einen Freund auf meiner Couch vorgefunden, der es wohl gestern nicht mehr nach Hause geschafft hat. Ich war übrigens brav daheim und habe an meiner Arbeit geschrieben (das macht mich fast ein bisschen stolz). Den Besuch hat mein Mitbewohner mitgebracht. Aber ich find’s ganz nett meinen morgendlichen Kaffee mit jemandem zu trinken, den ich doch schon länger nicht mehr gesehen habe. Da ich gestern jedoch irgendwie total verpeilt habe, dass der Billa um’s Eck seine Pforten heute nicht öffnet, schaut es mit dem Frühstück etwas schlecht aus. Deswegen werde ich mich nach einem kurzen Einkuscheln auf der Couch (hoffentlich hat das Feiertagsprogramm etwas Nettes zu bieten) unter die Dusche schwingen und mir mein Futter anderswo holen. Und da meine Arbeit gestern endlich abgegeben wurde, heute nicht artig zu Hause bleiben.

Einen schönen Nationalfeiertag wünsch ich!

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Alltag | Begegnungen | Lebenszirkus | Wien

Oktober

von am Oktober 11, 2012

Es riecht nach Herbst. Jedes Mal wenn ich aus dem Haus gehe, muss ich gleich nachdem ich die Türschwelle übertreten habe, tief einatmen. Und in den Himmel schauen. Der ist nämlich so besonders um diese Jahreszeit. Meinem Kinn und dem Hals gefällt es mehr als gut, dass sie sich wieder in kuschelige Schals betten können und ab und zu wird schon wieder ein Stiefel hervorgekramt. Die Straßenbahnen haben sich vom stickigen Sommergeruch befreit und es ist furchtbar angenehm, dass man sich nicht mehr mit Postkarten oder Gratiszeitungen Luft zufächern muss,  um den Schweiß aus dem Gesicht zu verbannen – und daran ohnehin kläglich scheitert.

Bei der Uni wuselt wieder alles. Und mein persönlicher Ankerverkäufer ist mit einem Lächeln im Gesicht auch wieder aus dem Sommerschlaf zurückgekehrt. Na ja.. geschlafen hat er nicht. Er war die letzten Monate am Flughafen, hat er mir mitgeteilt. Frech. Ich brauch ihn doch. Keiner sonst verkauft mir so charmant einen Käsekornspitz. Mit dem Maroni- und Kartoffelpuffergeruch kann ich mich allerdings noch nicht ganz anfreunden. Der Herr, der sie verkauft, wohl auch nicht – so grantig wie er mich anschaut. Aber er hat auch einen verdammt langen Winter vor sich.. und es kommt die Zeit, in der er in seinem Hütterl wieder ordentlich frieren wird. Und sich nicht in eine kuschelige Wohnung flüchten kann. In meinem Kleiderschrank wurde auch schon gekramt und gewühlt bis ich sie gefunden habe: Die wunderbaren selbst gestrickten Socken von einer der liebsten alten Frauen überhaupt. Überlebt eigentlich irgendjemand die vielen Abende und Nächte im Winter ohne gestrickte Socken? Kalte Füße im Bett sind ein ganz ärgerlicher Schlafkiller – besonders, wenn man sie nicht zwischen Männerwaden aufwärmen kann.

Gelbe, orange, rote Blätter. Das Geräusch, wenn man sie zerstampft. Die Sehnsucht nach einer weihnachtlich glitzernden Stadt. Und nach Punschständen. Sogar ein bisschen nach Schnee. Frühe Dunkelheit. Das alles genieße ich, solange ich kann. In vollen Zügen. Denn allerallerspätestens nach Weihnachten wünsch ich mir sowieso wieder den Sommer zurück. Aber das dauert ja noch ein bisschen.

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