Alltag | Lebenszirkus

200x am Tag?

von am Oktober 3, 2012

Wenn ich höre, dass jeder Mensch anscheinend eine ganz bestimmte Sache 200 Mal an jedem einzelnen Tag macht, dann kommt mir da Verschiedenes in den Sinn. An Tagen und Nächten mit lieben Freunden könnte es vielleicht lachen sein, in den vielen Minuten in den Wiener Öffis denke ich, dass eher grantig schauen das Rennen macht. Manche Menschen mit Kolibriblase (hab ich letztens so gehört und mich sofort in das Wort verliebt) laufen in flüssigen Nächten gefühlte 200 Mal aufs Klo und bei anderen wiederum könnte man meinen, dass sie am Tag 200 Mal die Kühlschranktüre öffnen. Aber nein. Alles falsch. Wahrscheinlich wissen eh schon die meisten, worum es sich handelt, da ich es schon beinahe unzählige Male in diesen Wir-machen-dich-schlauer-Sendungen (für mich verzichten die meisten auf die Wissenschaft, darum nenne ich sie auch nicht so) gesehen oder in Zeitschriften gelesen habe: Der Mensch – und zwar jeder – lügt 200 Mal am Tag. Jeden Tag.

Lügen stinkt.

Also : völlig übertrieben oder doch irgendwie realistisch?

Ich habe in den letzten Tagen so ab und zu darauf geachtet, wenn es mir eingefallen ist, und war eigentlich schon ziemlich überfordert mit der Frage: Was ist lügen überhaupt? Ist verschleiern schon lügen? Ist lügen Dinge zu sagen, die man selbst glauben möchte, sich aber nicht so wirklich sicher ist? Zählen auch die Lügen an sich selbst? Und was auch in sämtlichen Beziehungsproblemchen in Filmen sowie auch im realen Leben immer wieder diskutiert wird: Ist es eine Lüge, etwas nicht zu sagen bzw. etwas zu verheimlichen?

Obwohl ich im Feld der Lügenforschung keinerlei Kompetenzen vorweisen kann, traue ich mich zu behaupten: Bullshit! Nein, ich bin bei weitem keine Heilige, aber selbst wenn man all diese fragwürdigen Lügen und jede kleinste Flunkerei dazuzählen würde, ist mir schleierhaft, wie Verhaltensforscher auf diese wahnsinnige Zahl kommen können. Allerdings: so eine kleine Hitliste für jeden Tag ist mir da schon ein- und aufgefallen.. und einem Poster auf 9Gag wohl auch:

(Meine Güte bin ich froh, dass mich die letzte Lüge so gar nicht mehr betrifft.. obwohl: dadurch fehlt mir eine Ausrede.. verdammt.)

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So richtig endgültig?

von am September 18, 2012

Ich trinke gerade Kaffee. Mit Haaren, die so lange sind, dass ich mittlerweile bei einem Oben-Ohne-Shooting mit Leichtigkeit alles Wesentliche verdecken könnte, rot lackierten Nägeln und einem Shirt, das farbtechnisch Schneewittchens schneeweißer Haut (oder auch meiner) ernsthafte Konkurrenz macht. Klingt ziemlich unspektakulär – ist aber näher betrachtet doch irgendwie faszinierend. Geschmack verändert sich. Laufend. Das Wesentliche bleibt vielleicht: Ich habe immer schon Heißgetränke getrunken, nur Kaffee konnte ich bis vor ein paar Jahren nicht ausstehen. Meine Haare haben ihre Farbe nicht gewechselt, nur früher habe ich mir immer eingebildet, dass mir ein fransiger Kurzhaarschnitt um einiges besser zu Gesicht steht. Ohne Nagellack bin ich schon eine kleine Ewigkeit nicht mehr unterwegs, doch einige Zeit durfte ausschließlich ein fröhliches Schwarz verwendet werden. Und wie oft hatte ich in Geschäften weiße Shirts in der Hand und habe sie immer wieder weggeschmissen und gegen andere eingetauscht, weil ich der Meinung war, dass mir weiß absolut nicht steht.

Und die Liste kann noch beinahe ewig fortgesetzt werden. Personen, die ich früher heimlich bewundert habe, tun mir heute irgendwie Leid und andere, die ich für immer in meinem Leben haben wollte, grüße ich heute teilweise nur mehr mit einem milden Lächeln bei einem zufälligen Über-den-Weg-laufen. Bei meinem ersten Kontakt mit einer Olive fand ich sie so scheußlich, dass ich in Tränen ausgebrochen bin (.. die Geschichte wird immer noch gerne mal erzählt) – wenn ich jetzt mit einem Olivenglas in Berührung komme, könnte ich das ganze Glas auf einmal ausfuttern.. ohne Beilage und vorm Kühlschrank stehend. Und Filme & Musik, die ich vergöttert habe und die in Dauerschleife gelaufen sind, finde ich heute so peinlich/unangenehm/ja teilweise sogar grausam, dass ich mir Augen und Ohren zuhalten möchte, wenn ich wieder mal darüber stolpere. Jaja. Ich weiß. Alles nichts Neues. Man verändert sich und entwickelt sich nunmal weiter. Ständig. Doch frage ich mich: Kann man sich überhaupt jemals für etwas entscheiden – so richtig endgültig?

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Lieber Vollidiot!

von am August 23, 2012

Ich weiß, dass du in diesem Moment auf keinen Fall mich gemeint haben kannst, aber ich beantworte dir trotzdem mit Vergnügen deine unfassbar dämliche Frage, die du letztens deinem Kumpel-Zwilling an der Alten Donau gestellt hast.

Eigentlich gehört es zum Hausverstand und Grundwissen eines jeden Menschen, aber für dich fange ich noch einmal ganz von vorne an. Ich denke du hast iiirgendwann eventuell schon davon gehört, dass nicht nur kosmetiktechnisch verschiedene Hauttypen existieren. Und falls deine Gedanken jetzt gleich auf andere Kontinente schweifen: Nein nein.. fangen wir klein an – bleiben wir in Europa, oder besser noch gleich in Österreich. Auch hier lassen wir uns grundsätzlich in vier Hauttypen unterteilen –  um es nicht ganz so umfangreich zu gestalten, besprechen wir heute nur Typ 1 + 2 – die zwei hellsten. (Der Rest darf gerne gegoogelt werden, bissi weiterbilden schadet ja nicht.) Diese Typen haben meist rote oder blonde Haare und eine sehr blasse Haut. Auch wenn es dir vielleicht etwas eigenartig erscheint, aber wir (ja, ich gehöre selbst zu dieser Gruppe) können im Prinzip nicht braun werden bzw. nur sehr sehr langsam. Nach zwei Wochen Urlaub im Süden stellt sich vielleicht ein leichtes ‚beige’ ein, aber mehr ist eher nicht drin. Damit wir nach einem Nachmittag am See oder an Orten, an denen man sich sonst in Sonnenstunden herumtreibt, nicht krebsartig hellrot nach Hause kommen, ist es wichtig, dass wir Sonnencreme – kennst du, ja? – verwenden (am besten mit einem hohen Lichtschutzfaktor) und uns die meiste Zeit im Schatten aufhalten. Ja, Schatten! Es ist zwar etwas ärgerlich, dass wir so empfindlich sind und wirklich total aufpassen müssen, aber glaub es oder glaub es nicht: niemand von uns möchte mit deiner hässlichen Haut aus der Mischung von Selbstbräuner, Solarium und Sonnengebruzel tauschen. Außerdem: Schon mal darüber nachgedacht, dass manche Menschen mit heller Haut sich selbst genau so schön finden und gar nicht braun werden wollen? Nicht jede/r möchte deinem verkorksten Schönheitsideal entsprechen. Ganz zu schweigen von zukünftigen Falten, Hautkrebsrisiko und der Tatsache, dass es im Schatten meistens einfach um einiges angenehmer ist als in der prallen Sonne. Und um in deiner Sprache auf deine Frage zu antworten: ‚Oida, das alles is der Grund dafür, warum si die eh schon Weißen erst wieder in den Schatten legen – oida!’

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Wien bei Nacht I

von am August 3, 2012

Nur eine ganz normale Clubnacht.

‚Hey Leute. Speed, X, Koks.. alles da. Na?’ Nene danke. Lass mal stecken. ‚Hii! Würdets ihr die Weinflasche nehmen, sie weitergeben und dazusagen, dass derjenige, der sie zum Schluss hat, um zwei Uhr wieder mit der Flasche da sein soll?’ ‚Ähm? Wie?’ ‚Das is Flaschenpost!!!!’ Irgendwie (aber wirklich nur irgendwie) eine nette Idee. Allerdings bezweifelten wir, dass in zwei Stunden noch was in der Flasche sein würde. Oder ob man nach dieser Zeit in ungewissen Händen überhaupt noch daraus trinken möchte. Ich nicht. Die Flasche dankend abgelehnt, wartet glücklicherweise keine Schlange vor der Tür. Nur ein Mädl, das ziemlich verzweifelt mit dem Türsteher diskutiert ‚Natürlich bin das ich!! Das ist mein Ausweis!!’ und eine andere, die mit dem Mitarbeiter an der Kasse um den Eintritt feilscht ‚I hob oba ka Göööd! Ma biiitteee!’. Stirnrunzeln. Irgendwie dazwischen durchschlängeln. Mögen, dass man auf die Gästeliste verweisen kann – kommt ja schließlich auch nicht jeden Tag vor.

Nachdem man mir ein nettes lila Bändchen um das Handgelenk geklebt hat, beugt sich der Herr am Eingang leicht zu mir und flüstert mir ins Ohr, dass der Code heute 28irgendwasirgendwas (ich hatte ihn innerhalb einer Minute wieder vergessen) sei. Hm? Bitte? Der Code wurde extra für mich nochmal auf die gleiche, geheimnisvolle Weise wiederholt. Ich hatte keinen blassen Schimmer, was ich damit anfangen sollte, aber versuchte meinen unwissenden, verwirrten Ausdruck schnell wieder vom Gesicht verschwinden zu lassen, nickte und bedankte mich artig. Da merkt man halt doch, dass ich die meiste Zeit in meinen geliebten Bars und Beisln verbringe. (Dort wird mir allerdings auch das ein oder andere Mal etwas Unverständliches, Verwirrendes ins Ohr geflüstert.) – Backstage-Bereich. Fand ich dann später heraus. Hätte mir irgendwie klar sein müssen. Aber da ich die Zahlenkombination kurz danach sowieso schon wieder komplett vergessen hatte, war es im Prinzip ganz egal wohin sie mich führen würde. Beim Betreten schlägt mir gleichzeitig der Bass und der Geruch von Gras ins Gesicht. Nicht unangenehm. Nur unaufhaltsam. Mit einem Bier in der Hand bewege ich mich langsam Richtung Tanzfläche und beginne wie die anderen im Beat zu tanzen. Unterhalten ist ohnehin nicht wirklich möglich. Das bemerkt auch der Herr vor mir, der Interesse an einer dunkelhaarigen Schönheit zeigt – das geplante Kennenlern-Gespräch funktioniert aufgrund von Lautstärkeproblemen nicht wirklich einwandfrei. Was solls. Dann wird sich eben nur hinter sie hingestellt und eng mit ihr ‚getanzt‘ (es sieht mehr so aus als ob er nur seinen Schambereich an ihrem Hintern reiben möchte – ist sicher auch so). Das gleiche Schauspiel bietet sich mir noch einige Male direkt vor meiner Nase – nur der Ausgang ist immer unterschiedlich: Hemmungsloses Geknutsche auf der Tanzfläche. Hinausgehen um zu plaudern. Angewiderter Blick des Mädls + abblitzen lassen. Meist vom Betrunkenheitsgrad abhängig. Ich habe das Gefühl, dass die Zeit hier drin irgendwie ein bisschen langsamer vergeht, dabei rast sie nur so vorbei. Als ich das nächste Mal auf die Uhr schaue, ist schon längst tiefe Nacht. Pause. Luft schnappen. Die Sitzgelegenheiten im Außenbereich werden von einigen schon eher als Schlafgelegenheiten benutzt. Nur kurz ausruhen.. jaja, das kennt man. Der Typ von vorher dreht noch immer seine Runden und bietet seine Ware an. Noch nie habe ich jemanden gesehen, der dort tatsächlich Drogen gekauft hat. Wieder zurück im Getümmel sitzt ein Mädchen schluchzend auf dem nicht gerade sauberen Kloboden und tupft mit einem Taschentuch vorsichtig ihre Tränen weg. Anscheinend ist sie doch noch so bei Sinnen, dass sie keine Lust auf ein mit Mascara verschmiertes Gesicht hat. Eine Freundin redet beruhigend auf sie ein ‚Ach komm Schatz.. er war doch sowieso ein komplettes Arschloch. Du bist doch viel zu gut für ihn..’ Die Standard-Phrasen eben. Ich hab sie alle schon verwendet (aber meistens auch so gemeint!). Und gehört natürlich sowieso. Die Tanzfläche hat sich mittlerweile rapide geleert und auch meine Füße und Augenlider werden doch auch schon etwas schwerer. Nach dem letzten Schluck von meinem Bier trete ich in den Morgen hinaus und stelle fest, dass es eigentlich noch recht dunkel ist für die Zeit. Die Nächte werden schon wieder um Einiges länger. Für den Heimweg sowieso viel angenehmer.. allerdings auch ein schmerzliches Zeichen für das Voranschreiten des Sommers. Ich möchte ihn mit beiden Händen greifen, halten und nicht mehr loslassen – genauso wie ein feines After-Party-Frühstück. Um diese Uhrzeit zwar nicht mal mehr am Schwedenplatz zu finden, aber mit viel Glück doch noch so irgendwo. Ein Hoch auf den Anker in der Opernpassage und seine Öffnungszeiten.

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Freitag der – bitte verschont mich!

von am Juli 15, 2012

Es gibt so Tage, da weiß ich in der Früh schon, welche Statusnachrichten ich heute den ganzen Tag lesen „darf“. Solche Anlässe sind beispielsweise: der erste Schnee, der erste richtig warme Sonnentag im Frühling, Feiertage wie Weihnachten oder Ostern, der Tag nachdem eine berühmte Persönlichkeit starb, ganz gewöhnliche Freitage (da jeder jedem mitteilen muss, dass man sich aufs Wochenende freut) und natürlich: Freitag der 13.! Ich kann gar nicht sagen, wie schrecklichst egal mir dieses Datum ist. An die Abergläubischen unter euch: Als ich am Freitag die zwei Pfeffermühlen in unserer Küche auffüllen wollte, ist mir das Sackerl mit den bunten Pfefferkörnern aus der Hand gerutscht und ich musste ca. fünf Minuten damit verbringen, diese wieder vom Küchenboden aufzukehren – Freitag der 13. hat bei mir also gnadenlos zugeschlagen!!!

Worunter ich am Freitag allerdings auch zu leiden hatte (eigentlich schon mehr am Donnerstag) war ganz schön böser Muskelkater. Ich habe schon eine kleine Ewigkeit kein Volleyball mehr gespielt und wusste gar nicht mehr, welche Körperregionen da so beansprucht werden. Jetzt ist mir wieder absolut klar, warum diese Profi-VolleyballerInnen immer so einen furchtbar knackigen Hintern haben. Ich will gar nicht wissen, wie ich die letzten Tage beim Treppensteigen ausgeschaut habe. Vermutlich amüsant. Oder lächerlich. Die Grenze dazwischen ist doch recht schmal. Kleines Highlight, über das ich mich unglaublich gefreut habe: Volleyball gespielt wurde an der Alten Donau, an der wir den ganzen Nachmittag in der Sonne verbringen konnten, ohne dass uns ein Nachmittagsregenschauer nach Hause oder in ein Lokal jagte – und das war mein erster Badetag dieses Jahr!! Die gesamte Hitzewelle musste ich darauf verzichten, da es sich in der Sonne noch weniger effektiv lernen lässt als in der heißen Wohnung.. und jetzt, wo so ziemlich alles vorbei ist, sinken die Temperaturen auf „Ich-brauche-eine-Jacke-zum-Rausgehen“ und die Sonne lässt sich auch nicht mehr wirklich blicken. Und meine Güte.. das ist SEIT FREITAG SO! .. Ne. Seit Donnerstag. Nix mit dem 13. – ha!

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Was ist..

von am Juli 9, 2012

.. Stress?

Stress ist, wenn man nicht mehr genau weiß, was man lernen soll, weil man eigentlich alles auf einmal lernen sollte. Wer zum Teufel hat sich ausgedacht, dass die meisten meiner Prüfungen auf dieselben Tage gelegt werden? Nach drei Prüfungen an einem Tag bin ich nämlich.. hm – was ist die Steigerung von streichfähig? Aber die Zeit rast wie immer und bevor man’s kapiert hat, ist dieser böse Juni auch schon wieder vorbei. Und es fühlt sich mehr als gut an.

.. eigenartig?

Eigenartig ist, wenn man sich in der eigenen Stadt „fremd“ fühlt. Obwohl der Prater so ein Fixpunkt in Wien ist, bin ich so gut wie nie dort. Und wenn ich dann doch mal an den bunten, leuchtenden Attraktionen vorbeischlendere und mir an jeder Ecke Langos- und Zuckerwatte-Duft in die Nase steigt, fühl ich mich ein bisschen wie in einer anderen Welt. Oder zumindest einer anderen Stadt. Einem anderen Land. Wie auch immer. Auf jeden Fall auf keinen Fall eigenartig unangenehm, sondern eigenartig schön. Ich mag das Gefühl.

.. ärgerlich?

Ärgerlich ist, wenn man ein- bis zweimal die Woche in dem kleinen Irish Pub um die Ecke sitzt und man genau nach dem dreistündigen Ärzte-Konzert viel zu müde und fertig ist, um noch hinzugehen und sich lieber in sein Bett kuschelt. Und dann entscheidet sich mindestens ein Bandmitglied (manche sagen es war nur Rod, andere meinen Rod + Bela B.. ich hab die Wahrheit noch immer nicht ganz herausgefunden) dafür, nach dem Konzert noch auf ein Bier zu gehen – in diesem kleinen Lokal. Genau dort. Mittlerweile steh ich ganz gut drüber, aber meiiine Güte.. hab ich mich geärgert. – Ist das noch Punkrock? Ich glaube nicht!

.. Vertrauen?

Vertrauen ist, wenn der eigene Papa sagt, dass ich jetzt mit dem nigelnagelneuen Auto die Jungfernfahrt aus dem Autohaus raus und durch den halben Lungau kurven darf und er wieder ins eigene Auto einsteigt. Und das, obwohl ich höchstens alle paar Wochen mal kurz hinterm Steuer sitze und es eine kleine Katastrophe gewesen wäre, wenn ich es vor der Übergabe zu Schrott gefahren hätte. Was ziemlich unwahrscheinlich war, aber trotzdem.. ich freu mich über so viel Vertrauen in meine Fahrkünste!

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Pet Peeves

von am Juni 5, 2012

Ich bin ein bekennender Regenschirmmuffel. Und meistens komme ich damit ganz gut durchs Leben. Meine Haare sind glücklicherweise keine von dieser Sorte, die bei hoher Luftfeuchtigkeit oder nur beim geringsten Wasserspritzer zu einem Afro explodieren, darum sind mir ein paar Sekunden im Nieselregen weitaus lieber als ein tropfender Regenschirm, der alles besudelt und somit nicht mehr in meiner Handtasche verstaut werden kann. Gestern dachte sich der Wetterfrosch, dass diese Regenschirmmuffelige auch nicht immer ungestraft davonkommen kann und hat genau zehn Sekunden nach Verlassen des Hauses einen prasselnden Sommerregen einsetzen lassen. Ich könnte sicher hundert Dinge aufzählen, die ich an Sommerregen mag (das trommelnde Geräusch an den Hausdächern, dieser Geruch danach, die Abkühlung an heißen Sommertagen,.. – ich glaube das reicht so als Idee), was ich allerdings nicht in diese Liste einordnen kann: dass die Tropfen groß wie Golfbälle sind und dich innerhalb von drei Sekunden pitschnass werden lassen. Noch unangenehmer als ein triefend nasser Regenschirm ist nämlich, wenn du selbst der „Gegenstand“ bist, der die ganze Straßenbahn volltropft und an dem man bitte nicht ankommen möchte (leicht angewiderte Blicke inklusive!). Für zumindest ein paar Tage lerne ich daraus und siehe da: mein violetter Knirps durfte mich heute in die Uni begleiten. Vermutlich nicht lange, aber immerhin. Regen an Nicht-Vorm-Fernseher-Gammeltagen nervt einfach. Notiz an mich selbst: Kauf dir nur mehr Sommerjacken mit Kapuze.

Und weil wir schon bei nervigen Dingen sind: Gestern bin ich wieder mal über das Wort „pet peeve“ gestolpert. (Eine vernünftige Übersetzung gibt es eigentlich nicht wirklich, aber das Internet teilte mir mit, dass man auf Deutsch wohl am ehesten „(persönliches) Lieblingsärgernis“ dazu sagen würde.) Und meine Güte.. ich bin wirklich sehr pet-peeves-belastet. Hier exklusiv für euch meine persönlichen Top 10:

  • Wenn jemand dauernd seine Finger verbiegt bzw. dagegen schlägt, um sie knacken zu lassen.
  • Wenn man jemandem eine simple Frage stellt (womöglich sogar eine Ja/Nein-Frage), sie rasch beantwortet haben möchte und die Person erzählt dann eine ewig lange Vorgeschichte, weil diese für die Beantwortung ja sooo wichtig ist.
  • Wenn bei einem Film einfach nicht die richtige Lautstärke gefunden werden kann – einmal ist es viel zu laut und eine Szene später versteht man kein Wort mehr. (+ diese wahnsinnigen Werbepausen – Film – Lautstärkenunterschiede)
  • Das Geräusch, das entsteht, wenn mit einem Strohhalm getrunken wird und der Becher fast leer ist – bzw. Personen, die in dieser Situation mindestens zehn Sekunden weiter am Strohhalm saugen.
  • Leute, die im Kino dauernd SMS schreiben oder im Internet herumsurfen.
  • Leute, die das Bedürfnis haben dauernd auf Facebook allen zu sagen/zeigen, wie unglaublich toll ihr Leben ist und wie sehr sie es lieben – bzw. das komplette Gegenteil genauso: Statusnachrichten, wie traurig und verletzt sie wegen irgendeinem Beziehungsproblemchen sind und warum sie nicht mehr leben möchten.
  • Wenn mich jemand kitzelt und ich finde es furchtbar unangenehm – darauf kommt dann ein „Ach was.. du lachst doch! Du magst das!“
  • Leute, die dich nie wirklich ausreden lassen und immer irgendetwas dazwischen quatschen.
  • Wenn eine von mir schon sehr lange geliebte Band, Serie, Person, Wasauchimmer ganz plötzlich berühmt wird und dann auf einmal Leute grooße, große Fans dieses wunderbaren Etwas werden, obwohl sie es vor der Popularität nicht die Bohne interessiert hätte.
  • Wenn jemand unverständlich murmelt und nach der Nachfrage nur „Ach vergiss es“ sagt.

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Angesprochen

von am Mai 11, 2012

Es gibt sie noch. Schon ewig nicht mehr gesehen oder gehört und schon gar nicht selbst erlebt, aber doch – es gibt sie noch. Ich dachte, dass ausgelutschte Machosprüche nur mehr in typischen Liebeskomödien und Klatschblatt-Frauen-Magazinen existieren, wenn wieder mal darüber diskutiert wird, welcher denn der schlechteste Anmachspruch aller Zeiten sei.

„Hey! Kennst du mich noch?“ – Ich muss sagen.. er hat mich kurz gekriegt. Angestrengt nachdenkendes Zusammenkneifen der Augen. Verdammt, wer bist du? „Ahm.. nein. Tut mir Leid, sollte ich?“ Normalerweise merke ich mir Gesichter doch recht gut. „Ja.. solltest du!..“ Ohje. Unangenehm. Meine Augen warfen ihm kurz einen SeimirnichtböseichweißesnichtmehrhilfmirbitteaufdieSprünge-Blick zu, bis er mich dann mit „..Ich war gestern Nacht in deinen Träumen!“ „erlöste“. Och ne. Jetzt bin ich tatsächlich darauf reingefallen. Lachend (Ja, zum Lachen gebracht hat er mich damit!) erklärte ich ihm, was ich von solchen Sprüchen halte und wie erstaunt ich bin, dass die tatsächlich noch jemand anwendet. Länger als eine Minute hat das Gespräch dann aber nicht gedauert. Vielleicht sollte er doch mal darüber nachdenken seine Strategie zu ändern..

„Was machst du hier?“ „Ahm.. ich sitze hier so und relax ein bisschen. Hab gerade genug vom Tanzen.“ „Du gehörst irgendwie nicht hier her.“ „Bitte?“ „Du siehst so anders aus als die Leute, die sonst hier sind..“ Stirnrunzeln. Nach ein paar weiteren Fragen meinerseits stellte sich heraus, dass der Herr normalerweise Türsteher in diesem Lokal ist und anscheinend auch an seinen freien Tagen gerne mal seine Kollegen besucht und privat einzwei Gläschen trinkt. Der Club war einer dieser etwas heruntergekommenen, aber charmanten Unterground-Locations Marke altes Fabriksgebäude mit alternativem Publikum, das zu Drum’n’Bass-Sounds die Nacht durchtanzt. Tja mein Herr, da muss ich dich enttäuschen. In diese Lokale passe ich nämlich bestens. Äußerlich vielleicht nicht unbedingt – da hat er schon irgendwie Recht – aber wer mich nur aufgrund langer, blonder Haare in die falsche Kategorie steckt, dem wünsche ich ein tägliches, kräftiges Anstoßen des kleinen Zehs an der Bettkante.

„Hey! Wir kennen uns doch! Aber leider weiß ich deinen Namen nicht mehr..?“ „Hallo! Kein Problem. Ich weiß deinen auch nicht mehr.“ Name wird ausgetauscht. Zehn Minuten Smalltalk. „Oh Gott Entschuldigung, aber wie war dein Name jetzt nochmal?“ „Haha.. Bettina. Und deiner war jetzt…?“

Salzburger Nachrichten, 7. April 2012

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Fragen zum Tag

von am Mai 2, 2012

Ich frage mich..

.. warum sie meinen geliebten Flieder ausgerechnet „Gemeinen Flieder“ getauft haben. Ich freu mich im Frühling immer schon, wenn er endlich blüht und ich an ihm schnuppern kann. Glücklicherweise ist mein schönes Wien auch ein grünes Wien und irgendjemand hat sich damals dazu entschieden quasi fast neben meinem Block Flieder zu pflanzen. Alles andere als gemein, wie ich finde.

.. ob die Personen, die sich die lustigen Animationen und Spielchen für die Google-Startseite ausdenken wirklich nur damit ihr Geld verdienen. Verdammt. Ich will auch so einen genialen Job haben.

.. wie ich jahrelang mit dieser Lüge leben konnte. „Betty“ Mayonnaise aus der Zeichentrickserie Doug (die vermutlich schon laaange nicht mehr ausgestrahlt wird – achja die 90er..) heißt gar nicht Betty sondern Patricia „Patti“ Mayonnaise. Frech. Ich mochte, dass das blonde Mädchen mit dem Pünktchenpulli so heißt wie ich.

.. was für eine Person man sein muss, um tatsächlich eine Straßenkreide mit aus der Wohnung zu nehmen (vermutlich von den eigenen Kindern geklaut) und damit in großen Buchstaben „KACKE BITTE MITNEHMEN!“ vor den eigenen Block auf den Gehsteig zu kritzeln.

.. ob ich als Sommerkind diese momentanen Temperaturen um die 30 Grad Ende April/Anfang Mai überhaupt gut finden soll. „Viel Sonne und Temperaturen wie im Hochsommer: Nachdem bereits am Freitag der heißeste April-Tag seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Österreich vermeldet wurde, hat nun Waidhofen an der Ybbs in Niederösterreich mit 32,0 Grad bereits am Nachmittag einen neuen Rekord aufgestellt.“ (orf.at) Klimawandel ahoi!?

.. wie man als Tourist in diese wunderschöne Stadt kommen und dann zu faul sein kann, die Straßenbahn zu verlassen und die sehenswerten und berühmten Gebäude der Ringstraße aus nächster Nähe kurz anzuschauen und zu fotografieren. Also mal ehrlich.. so viel Zeit muss doch sein, wenn ich einen Städtetrip mache, oder nicht? Diese schnellen, furchtbaren Fotos aus der Straßenbahn raus, auf denen man meist nur den Dreck der Scheibe, ein paar Autos oder die Reflektion des Blitzes sieht, würde ich daheim nicht mehr anschauen wollen. Und herzeigen schon gar nicht.

.. warum man manchmal von Leuten träumt, die man schon Jahre nicht mehr gesehen hat, mit denen man schon Jahre nicht mehr zu tun hat und die nicht mal damals vor Jahren wichtig für einen waren. Einfach nur irgendwer, der da mal war. Und jetzt in meinen Träumen auftaucht. Schräg.

.. warum ich noch nie eine/n Herr oder Frau Österreicher kennengelernt hab. Bei mir wohnt nämlich eine/r. Und ich hab’s erst gestern gesehen.

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Zufall.. ?

von am April 21, 2012

Es gibt da so ein Lied. Du hast es vor ein paar Tagen entdeckt und bist seither verliebt. In dieses Lied. Von dieser Gruppe hast du vorher noch nie etwas gehört.. ziemlich unbekannt. Genau wie dieser Song. Außerdem hast du gesehen, dass es auch absolut nicht mehr aktuell ist. Schon vor einigen Jahren rausgekommen und nie auch nur ansatzweise groß geworden – was für dich ziemlich unverständlich ist. Aber jetzt hast du dieses wunderbare Musikstück gefunden und es schwirrt dir im Kopf herum. Na klar tut es das – du hast das Lied in den letzten Tagen auch mindestens fünfzig Mal gehört. Aber es ist keiner dieser nervigen Ohrwürmer, sondern ein angenehmer, schöner. Und dann.. dann gehst du diese Einkaufsstraße entlang, genießt das Gewusel um dich herum und die Sonne scheint dir ins Gesicht. Wie immer bei schönem Wetter sitzen an jeder Straßenecke Straßenkünstler, die allen ein Lächeln schenken, die ein paar Cent in den Koffer oder Hut vor ihnen fallen lassen.

Bis du dann diese singende Männerstimme durch das Plaudern und Lachen um dich herum vernimmst. Noch ganz leise, aber doch. Singt der etwa..? Du kommst immer näher und bleibst direkt vor ihm stehen. Ein attraktiver Mann Ende Zwanzig mit recht studentischem Aussehen sitzt mit seiner Gitarre am Straßenrand und singt. Und im Gegensatz zu so manch anderen Straßenmusikern ist er richtig gut. Das ist in dem Moment jedoch absolut nicht wichtig, denn er singt.. das Lied!! Gerade jetzt in diesem Augenblick, in dem du genau hier vorbei gehst. Diesen Song, den so gut wie niemand kennt und der mittlerweile schon ziemlich alt ist. Aber er singt ihn. Und du glaubst daran, dass er ihn extra für dich singt. Es muss einfach so sein.

Du kneifst die Augen zusammen, weil du angestrengt nachdenkst. Du hast den Film wirklich schon furchtbar oft gesehen, aber daran kannst du dich beim besten Willen gerade nicht erinnern… Du schlenderst mit einem Freund durch die Stadt und er erzählt dir von dieser speziellen Szene aus diesem einen Film. Er kam darauf, weil gerade vor euch in der Straße so etwas Ähnliches passiert ist. Nein. Auch eine nähere Beschreibung frischt deine Erinnerung nicht auf. Wie auch immer.. das Thema wird gewechselt und ihr schlendert weiter. Ein paar Stunden später am selben Abend kommst du zu Hause an, lässt dich auf die Couch fallen und nimmst die Fernbedienung zur Hand. Du zappst wieder mal ziellos durch die Kanäle, weil eh wie immer nichts läuft und dann.. dann zeigen sie da genau diesen Film, über den ihr euch vor ein paar Stunden unterhalten habt. Jetzt. Mitten in der Nacht. Du grinst jetzt schon über den Zufall.. doch nach nur zehn Sekunden auf diesem Kanal kommt die besagte Szene. Du siehst sie.. und flippst ein bisschen aus.

Ich hatte immer schon eine Schwäche für besondere Zufälle. Wenn mir so etwas passiert, bin ich für einen kurzen Augenblick immer – zumindest innerlich – ziemlich aus dem Häuschen. Ist es albern, sich über solche Kleinigkeiten so zu freuen? Selbst wenn. Das wird immer so bleiben. Hoffentlich.

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