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Von schlechten Dates und dem Berühmtwerden

von am April 25, 2016

Hast du Lust dich heute zu treffen? Es ist zwar Jänner, aber es ist so mild draußen.. wir könnten uns an den Donaukanal setzen. Ich nehme auch eine Decke mit. Und Bier. Und auch ein bisschen was zu Essen, wenn du magst. Was hältst du davon?

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Oh, ich hielt sehr viel davon. Es war tatsächlich ein sehr, sehr milder Tag (für Jänner) und so kam mir die Idee eigentlich ziemlich romantisch vor. Ein winterliches kleines Picknick am Donaukanal mit einem Herrn, der mir die letzten Wochen einiges meiner Zeit raubte. Abends. Vor meinem Laptop sitzend. Ich hatte ihn damals lange Zeit vor Tinder und Co auf einer dieser altmodischen Freundschaftsplattformen kennengelernt, deren aufdringliche Werbung zu der Zeit ständig im Fernsehen lief. Ich kann mich erinnern, dass ich sein Profil süß und intelligent fand und auch sein verschmitztes Grinsen auf dem Schwarzweiß-Foto wickelte mich schon anfangs ein klein wenig um den Finger. Nach ein paar Nachrichten auf der Plattform tauschten wir unsere Skype-Adressen und schrieben uns abends oft stundenlang. Da wir beide in der gleichen Stadt wohnten, war es nur eine Frage der Zeit, bis wir uns treffen würden. Ich dachte zwar eher an ein Getränk in einer Bar oder einen nachmittäglichen Spaziergang mit Kaffeepause, aber Bier am Donaukanal klang für mich auch toll.
Ich kann nicht behaupten, dass dieser Tag ein einschneidendes Erlebnis für mich war, aber dennoch weiß ich bis heute, welches Outfit ich damals vor in etwa fünf Jahren aus meinem Schrank kramte. Es war ein rot-grau karierter Winterrock mit einer dicken schwarzen Strumpfhose, schwarzen Stiefletten, einer schwarzen Kunstlederjacke und einem roten Schal + Haube. Im Nachhinein kam ich nicht daran vorbei, mir des Öfteren zu denken „Im Jänner am Donaukanal! WIE naiv kann man bitte sein??“ – aber da ich mich genau erinnern kann, dass mein Outfit ohne Winterjacke und nur mit Strumpfhose temperaturtechnisch völlig ausreichend war, redete ich mir ein, nicht naiv sondern einfach eine hoffnungslose Romantikerin gewesen zu sein.
Das Treffen an sich dauerte in etwa 20 Minuten. Nicht, weil ich ihn scheiße fand. Auch nicht, weil er mich scheiße fand. Allerdings hatte er den Donaukanal nur gewählt, da er sich nicht allzu weit von seiner Wohnung wegbewegen wollte. Er schüttete sich den halben Liter Bier in kürzester Zeit die Kehle hinunter und eröffnete mir dann: „Na gut.. also ich geh jetzt heim und schau Dschungelcamp. Du kannst gerne mit. Kommst?“
Was? Wie bitte?? Dschungelcamp?? Dieses Picknick unter Sternen war kein süßer Date-Einfall sondern ein Er-wohnt-2-Minuten-vom-Donaukanal-entfernt-und-wollte-mich-einfach-nur-abschleppen? Heute denke ich mir: „Ooh, honey.“ Damals wars mehr so: „Der investiert Stuuunden über mehrere Wochen hinweg um mit mir über die großen und kleinen Fragen und Themen des Lebens zu schreiben und das alles nur für ein bisschen eventuellen Sex?? Geht das nicht in Clubs viel schneller ohne den vielen Aufwand? Waruuum? Er war doch so süß?!? …“
Ich lehnte ab. Das Date war somit nach 20 Minuten vorbei. Aus mir unerklärlichen Gründen schrieb ich ihm danach sogar noch eine Nachricht. Zurück kam: „Sorry, das war deine Chance. Eine zweite gibt es bei mir nicht. Adieu.“ Ha. Wtf.

Ja, keine sehr außergewöhnliche Geschichte. Ich will gar nicht wissen, wie viele Frauen jeden Tag feststellen, ihre wertvolle Zeit mit jemandem vergeudet zu haben, der sie nicht verdient hatte. Jedoch ergab sich vor ein paar Wochen ein mehr oder weniger aufregend-witziger Zusatz zu dem Ganzen: Jetzt, Jahre später, grinst dieser Herr aus sämtlichen Medien. Eine Zeit lang sah ich so ziemlich jeden einzelnen Tag irgendwo ein Interview mit ihm. Beim ersten „Wiedersehen“ kamen durch das bekannte Gesicht natürlich diese Erinnerungen hoch, die ich eigentlich schon ziemlich weit hinten verstaut hatte und die mich nach der Auffrischung glücklicherweise keineswegs ärgerlich, sondern eher belustigt zurückließen. Nichtsdestotrotz konnte ich nicht umhin Sachen zu denken wie: „Nageh das Würschtl ist jetzt berühmt und erfolgreich? Tzs. Wo isn dieses Karma eigentlich, wenn man es braucht?“ – und irgendwie habe ich das Gefühl, ich bin damit nicht allein.

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Für leiwand gegen oasch

von am Juni 29, 2014

Oh du..

oaschleiwand.S. ummersale: Wann kauft die Durchschnittsfrau eigentlich ihre Bikinis ein? Anfang Mai? Ich kann mich immer erst dazu durchringen, wenn in den Schaufenstern schon die fetten SALE-Tafeln hängen und der Sommer rein Kaufhaus-technisch schon wieder fast Geschichte ist. Das hat zur Folge, dass ich mich durch die unmöglichsten Größen wühlen muss, um irgendwo noch ein Oberteil zu ergattern, das zumindest halbwegs gut sitzt. Und hört mir bloß auf mit „Bestell doch online!“. Ich habe keine Ahnung, welche Drogen die DesignerInnen von Bademode so schlucken, aber irgendetwas läuft da gewaltig schief. Wie kann es bitte sein, dass ich teilweise ein D-Körbchen mit in die Kabine nehmen muss (von dem ich unter „normalen“ Umständen weit entfernt bin), damit meine Oberweite einigermaßen gut eingepackt ist? Bei Online-Bikini-Einkäufen müsste ich ca. 15 verschiedene Größen bestellen und im angenehmsten Fall alle 15 wieder zurückschicken. Ich hätte ja noch so einiges zu raunzen (z.B. Lichttechniker, die für Umkleidekabinen zuständig sind – Wollen Kaufhäuser eigentlich, dass wir etwas einkaufen oder schreiend und frustriert davonlaufen?), verschone euch aber damit. Am Ende meines Summersale-Wahnsinns (ich musste ja auch an einem Samstag Nachmittag einkaufen gehen..) bin ich dann doch ganz glücklich mit einigen Stücken im Sackerl heimgegangen. Das ganze Drumherum: Oasch. Ausbeute und Gefühl danach: Leiwand.

Besu .C. h: Ich freu mich ja generell immer, wenn ich Besuch aus der Heimat bekomme. Noch schöner, wenn es eine gute Freundin ist, die sich schon lange nicht mehr in Wien blicken hat lassen. Noch schöner, wenn wir wunderbares Wetter erwischen und so mit am Naschmarkt gekauften Kirschen und Erdbeeren im Burggarten sitzen können. Noch schöner, wenn im Museumsquartier „Ja, Panik“ ein gratis Konzert geben. Noch schöner, wenn der Besuch mein Lieblingslokal genauso gut findet wie ich. Noch schöner, wenn die Freundin Wien nie so toll fand und nach den paar Tagen ihre Meinung komplett ändert. Leiwand!

.H. eimat: Bei meinem letzten Heimatbesuch stellte sich bei mir eine hoffnungslose Verliebtheit ein. Jedoch hatte das nichts mit Romantik zu tun – es war mehr ein herzerwärmendes Muttergefühl. Oder so. Die Ziege von unseren Nachbarn, die im Sommer auf dem Feld neben unserem Haus wohnt, hat mit der Geburt ihrer zwei kleinen Geißlein tatsächlich auf meine Heimkehr gewartet. Oder so. Auf jeden Fall konnte ich nicht anders als sie täglich 2x zu besuchen, sie ausgiebig zu streicheln und ihnen bei den ersten tollpatschigen Geh- und Trinkversuchen zuzuschauen. Die Schafe mussten sich somit sehr bemühen auch ein bisschen meiner Aufmerksamkeit zu erhaschen. Der Schmerz der Eifersucht hat eins sogar dazu getrieben mir in den Finger zu beißen. Oder so. Allgemein die Tage in der Heimat: Leiwand.

.Ö. sterreichische Behörden: Da soll noch einer sagen die Österreichischen Behörden arbeiten langsam! Ich bin noch immer ganz verzückt, dass der Herr Briefträger nur drei Tage nach meiner Beantragung mit meinem neuen Reisepass vor der Tür stand. Schon gewusst, dass man im Internet die Wartezeiten der Magistratischen Bezirksämter abrufen kann? Grandios. Dieser feine Service hat mir viele Minuten – wenn nicht sogar Stunden – auf einem Sessel zwischen grantigen Wartenden erspart. Früh aufstehen, Passfotos in blöden Automaten knipsen (vor denen schon andere ungeduldig warten und genau hören, dass man bei der Ansage „Sind Sie mit diesem Versuch zufrieden?“ auf „Nein“ drückt) und generell Amtswege erledigen: Oasch. Das Ganze für die nächsten 10 Jahre wieder hinter mir haben: Leiwand.

Do .N. auinselfest: Nachdem es letztes Jahr so angenehm war, habe ich mich auch heuer wieder auf die Insel getraut. Das sonntägliche Regenwetter hat mir die Motivation für einen zweiten Festival-Tag genommen, aber ich kann zumindest auf einen schönen DIF-Abend mit guter Musik und lustigen Gesprächen zurückblicken. Leiwand.

Fris .E. ur: Ich hab’s getan! Ich hab mir endlich meine langen Zotteln um ca. 30 cm verkürzen lassen. Mein Friseur hat mir nach fast nicht enden wollenden Begeisterungsstürmen über Länge, Farbe, Dichte und Struktur meiner Haare dann doch schweren Herzens abgeschnitten, was ich dringend weg haben wollte. Wieder Stufen in meinen Haaren. Nicht mehr ewig Föhnen. Nicht mehr gefühlte fünf Kilo auf meinem Kopf. Kein Rapunzel-Style mehr. Sommerfrisur ahoi! Leiwand. (Das komische Gefühl des Nackt-Seins kurz danach + kurzfristige Zweifel, ob es die richtige Entscheidung war: Oasch.)

Gebu .R. tstag: Ich bin ein Zwillings-Juni-Geburtstagskind und hatte heuer das Glück, dass an meinem Tag die Sonne vom Himmel lachte und wir einen letzten Tisch in einer Strandbar am Donaukanal ergatterten. Das Glück, Freunde zu haben, die auch nach einer Stunde Schlaf und einem langen Arbeitstag auftauchen. Das Glück, Freunde zu haben, die mich gut genug kennen, um mir ausnahmslos wunderbare Dinge zu schenken, über die ich mich wahnsinnig gefreut habe. Das Glück, generell fabelhafte Freunde zu haben. Das Glück, am nächsten Tag ausschlafen zu können. Leiwand.

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.J. ulivorfreude: Nach dem Juni kommt der Juli! Ferien. Mädlsurlaub. Spanien. Valencia. Meer. Sonne. Strand. Karlsplatz. Popfest. Konzerte. Baden. Eis. Alte Donau. Kaiserwasser. Und noch viel mehr Schönes. Yayyy! Leiwand!

A .U. sflug: Am Fronleichnams-Feiertag haben wir uns zu dritt ins Auto gesetzt, um einige der großen Metropolen Österreichs abzuklappern. Ein guter Freund hatte in Linz zu tun und weil ich schon Jahre nicht mehr durch die Straßen Linz’ geschlendert bin, habe ich noch eine Freundin eingepackt, um gemeinsam in ebendiesen einen schönen Nachmittag zu verbringen. Am Abend durfte ich dann auch endlich den berühmten Griechen in St. Pölten kennenlernen, von dem mir schon so viel vorgeschwärmt und erzählt wurde (hier handelt es sich um ein Restaurant, keine Person!). Die Schwärmerei war jedoch keinesfalls übertrieben – köstlich war’s! Feiner Tag. Leiwand.

Bade .N.: Obwohl ich mich vorher schon ein wenig beschwert habe, dass das „Teich“ in „Wienerbergteich“ nach Schilf, Viecherln und viel zu viel „Natur“ klingt (ich liege lieber auf einem gestutzten, gepflegten Rasen und mag es nicht so unbedingt, wenn ich im Wasser Zeugs am Bein spüre), schaue ich mir dennoch gerne neue Plätzchen in Wien an. Davon abgesehen, dass wir relativ lange nach einem freien Schattenplatz suchten, die Familie neben uns bei 30 Grad einen Vodka nach dem anderen kippte und dort entweder nackt oder in durchsichtig werdender Unterwäsche gebadet wird, war es ein Tag, der glücklich machte. Leiwand.

WM- F .I. eber: Mit der sportlichen Wahnsinns-Krankheit lasse ich mich nur allzu gerne anstecken. Kaum zu glauben, dass ich in WM-Zeiten teilweise bei den männlichen Fußballgesprächen mitreden kann und ich mir sogar auch allein daheim viele Spiele reinziehe. Mehr Spaß macht es natürlich in Gesellschaft – Public Viewing mit unzähligen Deutschen bei einem Deutschlandspiel empfinde ich als eine der wenigen ÖsterreicherInnen als richtig cool und amüsant (Achtung: Keine Ironie!). Schwarz-rot-gold, meine Lieben, schwarz-rot-gold. Leiwand.

9,5:1,5 für leiwand – Somit ist leiwand offizieller Sieger UND Sieger der Herzen. Foul meinerseits vielleicht, dass ich den stressigeren und unschöneren Junikram gar nicht erwähne.. ach, mit einer gelben Karte kann ich gut leben. Oh du schöner Juni!

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