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Die Sache mit der Amélie

von am Juni 2, 2015

Einige Filme sieht man und liebt man. Für immer. Vielleicht sogar ein bisschen mehr als das. Schließlich ziert kein Urlaubsmotiv oder ein knackiger Ian Somerhalder meinen Desktop (ok na gut.. der durfte auch mal eine Zeit lang), sondern die frech grinsende Amélie auf moosgrünem Sternchenhintergrund. Und da hängt auch noch so ein bestimmtes Poster in meinem Zimmer… ach, es ist halt einfach ein zauberhafter Film, nicht? Und die vielen kleinen zauberhaften Dinge, die darin passieren, begleiten mich wo auch immer ich hingehe und was auch immer ich tue. Kein anderer Film kommt mir im Alltag so oft in den Sinn.

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Manchmal, wenn ich Schallplatten sehe, stelle ich mir vor, sie werden wie Crêpes hergestellt. Manchmal glaube ich an Wunder. Aber heute nicht. Manchmal frage ich mich, ob das Glück tatsächlich wie die Tour de France ist – man wartet so lange, und dann rast es vorbei. Manchmal, wenn ich Fische in einem Aquarium beobachte, frage ich mich, ob sie ihr Leben leid und schwer depressiv sind und sich gerne in den Tod stürzen würden, wenn sie könnten. Manchmal, wenn ich im Kino sitze, möchte ich mich gerne während schöner/trauriger/besonderer Szenen umdrehen und die Gesichter der anderen Zuschauer betrachten. Manchmal, wenn ich kleine, unauffällige Details entdecke, frage ich mich, ob sie auch den anderen auffallen. Manchmal schaue ich den Finger an, der zum Himmel zeigt, obwohl das doch nur ein Dummkopf tut. Manchmal ist mir danach, Himbeeren wie Amélie zu essen. Manchmal, wenn ich einen Markt entlangschlendere, wünsche ich mir einen dieser großen Getreidesäcke, damit ich meine Hand tief hineintauchen kann. Manchmal denke ich darüber nach, ob das Leben nichts weiter ist als das Proben für eine Vorstellung, die niemals stattfindet. Manchmal, wenn ich an einem Aussichtspunkt bin und über die Stadt schaue, frage ich mich, wie viele Paare genau in diesem Moment einen Orgasmus haben. Oder zumindest einer davon. Manchmal, wenn ich Fotoautomaten sehe, habe ich das Bedürfnis unter dem Automaten herumzustochern, um zerrissene Bilder zu finden, mit denen der Besitzer unglücklich war. Manchmal fühle ich mich wie das Mädchen mit dem Wasserglas – sie steht im Zentrum und dennoch ist sie außerhalb. Manchmal, wenn ich eine blinde Person sehe, möchte ich mich gerne einhaken, ein Stück mit ihr gehen und ihr alles erzählen, was rund um uns so passiert. Manchmal würde ich gerne einem Fremden etwas Wertvolles auf mysteriöse Weise zurückgeben – inklusive Anruf bei einer Telefonzelle und „Folgen Sie den blauen Pfeilen!“. Manchmal frage ich mich, ob ohne dich die Gefühle von heute wirklich nur die leere Hülle der Gefühle von damals wären. Manchmal, wenn meine Redegewandtheit zu wünschen übrig lässt, wünsche ich mir hinter jedem Kellerfenster einen guten Souffleur wie im Theater, bereit eine schlagfertige Antwort einzuflüstern. Wie man weiß sind Sie jedenfalls kein Gemüse, denn selbst eine Artischocke hat ein Herz.

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Zufall.. ?

von am April 21, 2012

Es gibt da so ein Lied. Du hast es vor ein paar Tagen entdeckt und bist seither verliebt. In dieses Lied. Von dieser Gruppe hast du vorher noch nie etwas gehört.. ziemlich unbekannt. Genau wie dieser Song. Außerdem hast du gesehen, dass es auch absolut nicht mehr aktuell ist. Schon vor einigen Jahren rausgekommen und nie auch nur ansatzweise groß geworden – was für dich ziemlich unverständlich ist. Aber jetzt hast du dieses wunderbare Musikstück gefunden und es schwirrt dir im Kopf herum. Na klar tut es das – du hast das Lied in den letzten Tagen auch mindestens fünfzig Mal gehört. Aber es ist keiner dieser nervigen Ohrwürmer, sondern ein angenehmer, schöner. Und dann.. dann gehst du diese Einkaufsstraße entlang, genießt das Gewusel um dich herum und die Sonne scheint dir ins Gesicht. Wie immer bei schönem Wetter sitzen an jeder Straßenecke Straßenkünstler, die allen ein Lächeln schenken, die ein paar Cent in den Koffer oder Hut vor ihnen fallen lassen.

Bis du dann diese singende Männerstimme durch das Plaudern und Lachen um dich herum vernimmst. Noch ganz leise, aber doch. Singt der etwa..? Du kommst immer näher und bleibst direkt vor ihm stehen. Ein attraktiver Mann Ende Zwanzig mit recht studentischem Aussehen sitzt mit seiner Gitarre am Straßenrand und singt. Und im Gegensatz zu so manch anderen Straßenmusikern ist er richtig gut. Das ist in dem Moment jedoch absolut nicht wichtig, denn er singt.. das Lied!! Gerade jetzt in diesem Augenblick, in dem du genau hier vorbei gehst. Diesen Song, den so gut wie niemand kennt und der mittlerweile schon ziemlich alt ist. Aber er singt ihn. Und du glaubst daran, dass er ihn extra für dich singt. Es muss einfach so sein.

Du kneifst die Augen zusammen, weil du angestrengt nachdenkst. Du hast den Film wirklich schon furchtbar oft gesehen, aber daran kannst du dich beim besten Willen gerade nicht erinnern… Du schlenderst mit einem Freund durch die Stadt und er erzählt dir von dieser speziellen Szene aus diesem einen Film. Er kam darauf, weil gerade vor euch in der Straße so etwas Ähnliches passiert ist. Nein. Auch eine nähere Beschreibung frischt deine Erinnerung nicht auf. Wie auch immer.. das Thema wird gewechselt und ihr schlendert weiter. Ein paar Stunden später am selben Abend kommst du zu Hause an, lässt dich auf die Couch fallen und nimmst die Fernbedienung zur Hand. Du zappst wieder mal ziellos durch die Kanäle, weil eh wie immer nichts läuft und dann.. dann zeigen sie da genau diesen Film, über den ihr euch vor ein paar Stunden unterhalten habt. Jetzt. Mitten in der Nacht. Du grinst jetzt schon über den Zufall.. doch nach nur zehn Sekunden auf diesem Kanal kommt die besagte Szene. Du siehst sie.. und flippst ein bisschen aus.

Ich hatte immer schon eine Schwäche für besondere Zufälle. Wenn mir so etwas passiert, bin ich für einen kurzen Augenblick immer – zumindest innerlich – ziemlich aus dem Häuschen. Ist es albern, sich über solche Kleinigkeiten so zu freuen? Selbst wenn. Das wird immer so bleiben. Hoffentlich.

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