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Momentaufnahme #2

von am Juni 23, 2015

nova rockDie großzügig aufgetragene Sonnencreme auf meiner blassen Haut vermischt sich in der brütenden Hitze langsam mit dem von der tanzenden Menge aufgewirbelten Staub und setzt sich in den kleinen Fältchen auf meinen Armen und Beinen ab. Es ist Nachmittag und die meisten der vielen tausend Menschen lümmeln noch ausgestreckt in ihren Campingssesseln oder haben sich im Idealfall ein schattiges Plätzchen gesucht, um sich von der langen vorangegangenen Nacht zu erholen und Energie für die nächste lange Nacht zu tanken. Die Menschenmenge vor der Bühne ist somit noch recht überschaubar. Wir stehen angenehm locker in der zweiten Reihe und bekommen so sogar schon was von dem bisschen Schatten ab, den die Bühne auf das Feld vor ihr wirft. Die Windräder im Hintergrund drehen unermüdlich ihre Runden. Um uns erstreckt sich die burgenländische und ungarische Weite. Kein Hügelchen ist zu sehen. Vor mir an der Absperrung lehnt ein Mädel im Toten Hosen-Shirt und ich weiß, dass sie hier noch viele Stunden ihren Platz verteidigen muss bis sie endlich ihre Lieblingsband von der ersten Reihe aus bestaunen kann. Sie begrüßt einen gerade dazugestoßenen Typ mit blondem Iro, der das Logo der Band sogar bunt gestochen auf seinem Oberarm trägt. Als Hardcore-Fan kennt man sich wohl. Frank Turner, der gerade nur wenige Meter vor ihr „The Road“ zum besten gibt, interessiert sie wenig. Und dass er genau in diesem Lied die Zeilen „Well, I’ve travelled many countries, washed my feet in many seas. I’ve drank with grifters in Vienna and with punks in old D.C.“ flötet, interessiert sie vermutlich noch viel weniger. Franks obligatorisches weißes Hemd ist durchgeschwitzt und klebt durchsichtig an seiner Haut. Mir fällt auf, dass die Tattoos an seinen Armen reichlich Zuwachs bekommen haben seit ich ihn das letzte Mal sah. Die Temperaturen jenseits der dreißig Grad halten ihn nicht davon ab ein weiteres Mal mit Leidenschaft in die Gitarre zu hauen und sich wild zur Musik zu bewegen. Mein Blick schweift zu den anderen Bandmitgliedern und ich muss lachen, weil mir mein Bester letztens erzählt hat, dass die immer gleichen spastischen Bewegungsabläufe des Bassisten ein Nicht-hinschauen-aber-auch-nicht-wegschauen-können-Gefühl bei ihm auslösen. Wie recht er hat. Frank grinst sein charmantes Lächeln in die Menge und fordert sein Publikum zum Mitsingen auf. Ich strecke meine Arme in die Luft, tanze, soweit es mein Getränk in der Hand zulässt, und singe laut mit. Ich fühle mich glücklich und frei und weiß, dass heute noch viele schöne Momente wie dieser vor mir liegen.

„Ich bin ein Clown und sammle Momente.“

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Tattoos

von am März 4, 2014

Oh it’s payday, yes it’s payday
I got my pay cheque from the man
There’s not so many jobs that I can get these days
With these marks all over my hands
But I’m gonna take that cheque
I’m gonna head across the track
To the wrong side of this town
I’m gonna open the door
I’m gonna bask in the roar
Of that familiar buzzing needle sound 

Because the ink in my skin
Where the needle went in
However many years ago
Has left marks on my arms
And they say who I am
Everywhere that I go 

Some people have none and
Some have one that they’re ashamed of
Most people think that we’re fools
Some people don’t get it and
Some people don’t care
And some of us we have tattoos 

Oh it’s fading, yes it’s fading
Some of the things that I believed back then
Yes my skin has started sagging and
The ink has started running
And I’ve got buddy tattoos with people
Who aren’t my friends
Oh I’ve even got black x’s from when I was straight edge
So crack open a beer friends now
And let’s make a pledge 

If we had the luck to live our lives a second time through
We’d be sure to get the same tattoos 

Because the ink in my skin
Where the needle went in
However many years ago
Has left marks on my arms
And they say who I am
Everywhere that I go 

Some people have none and
Some have one that they’re ashamed of
Most people think that we’re fools
Some people don’t get it and
Some people don’t care
And some of us we have tattoos

We’ve got hearts for the lovers
And playing cards for the gamblers
Black flag bars for the punks
And sailing ships for the ramblers
We got skulls for the living
And the pain pays our dues
And some of us we have tattoos

Frank Turner – Tattoos

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Lieber Frank, ich liebe dich sehr und freue mich irre, dass wir uns heute Abend wiedersehen, aber was du da singst, muss ich kurz mal ein bisschen in Frage stellen. Achtung – spießiger Kommentar im Anmarsch.

Gleich mal vorneweg (oh.. sie versucht’s mit Beschwichtigung): Ich bin Tattoo-Liebhaberin. Auch wenn ich selbst kein einziges habe. Clevere, einzigartige, toll gestochene Tätowierungen finde ich großartig. Obwohl.. das Motiv muss oft nicht einmal besonders originell sein, um mich überzeugen zu können. Ich fände es zwar schrecklich, so Mainstream-Vögelchen, Traumfänger, Blümchen, Sternchen oder ausgelutschte Zitate auf (oder unter?) der Haut zu tragen, aber so einzeln betrachtet habe ich doch auch schon viele davon gesehen, die mir gefielen. So ein bisschen zumindest. Aber warum zum Teufel lässt man sich irgendeinen Trend stechen, der kurze Zeit später in ein Horrorszenario umschwenken kann (ich verweise hier auf das wunderschöne Arschgeweih), ohne irgendeine persönliche Verbindung damit zu haben und ohne auch nur ein bisschen darüber nachzudenken? Frank Turner singt: „If we had the luck to live our lives a second time through we’d be sure to get the same tattoos“. Und ich sage (wohlgemerkt als Außenstehende): Bullshit! „Die machen mich zu dem, was ich heute bin!“ Ach komm.. ich kenne genug Leute persönlich, die lieber die Personen wären, die sie heute sind, nur ohne das hässliche Ding auf der Schulter oder am Knöchel.
Bevor jetzt ein Shitstorm auf mich niederbricht: Ich weiß, es gibt genug, die auch nach Jahren keinen ihren Nadelstiche bereuen. Glücklicherweise. Da ich eine derjenigen bin, die es selbst nie erlebt haben, würde mich ehrlich interessieren: Lernt der Großteil die eigenen Tätowierungen über die Zeit so zu lieben, dass es ihnen ganz egal ist, dass sie sich heute ganz anders entscheiden würden? Oder gibt es tatsächlich so viele, deren Geschmack und Einstellung sich auf Dauer nicht oder nur sehr gering verändern? Ich habe die letzten Jahre mal mehr mal weniger ernsthaft über mögliche Motivwünsche nachgedacht und meine Güte wäre ich heute unglücklich mit den Tattoo-Entscheidungen, die ich mit 18 getroffen hätte. Oder eben auch nicht? Aber allein der Gedanke daran, diese Motive jetzt (fast) unwiderruflich am Körper zu tragen, lässt mich schaudern. Klar geht es im Lied auch darum, dass man sich eben verändert und sich auch teilweise Blödsinn stechen hat lassen, aber dass man das eben einmal war und diese Tätowierungen auch wie Narben mit etwas Stolz tragen kann (frei interpretiert). Das hört sich so eigentlich ganz nett an, stimmt. Im Vergleich jedoch bin ich sehr froh, dass ich meine jugendlichen Modesünden und andere Geschmacksverwirrungen nicht dauernd mit mir herumtragen muss. Obwohl das auch mal ich war. Und so.

Alle, die sich davon jetzt angegriffen fühlen. Alle, die mir euphorisch zustimmen. > Werdet erwachsen.

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Ein musikalischer Jahresrückblick

von am Januar 20, 2014

Leider habe ich es dieses Jahr auf kein Festival geschafft, aber das ein oder andere Konzert durfte mich dann doch als Gast begrüßen. Eigentlich ist die lästige Zeit der vielen unnötigen Jahresrückblicke schon längst vorbei, von einem kurzen Rückblick auf meine Konzert-Highlights 2013 werdet ihr jetzt trotzdem nicht verschont. Bitteschön.

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Das schrägste Konzert: The Darkness – Arena.
Ja, ich weiß. Es geht sicher noch um einiges schräger. In meinem Konzertjahr war allerdings nichts dabei. Justin Hawkins in seinen engen, freizügigen Kostümchen und mit der Kopfstimme, die keine Frau überträllern kann – herrlich. Und dieses skurrile Bärtchen erst! Wenn er sich dann auch noch auf den Schultern eines Securitys durch die Menge tragen lässt und die Frauen dabei seinen verschwitzen Körper antatschen und ihm in den Arsch kneifen, bin ich endgültig aus dem Häuschen.

Das aufregendste Konzert: Bastille, Biffy Clyro, Muse – Amsterdam Arena.
Ein fremdes Land, eine fremde Stadt, ein Stadion. Noch dazu hab ich Muse mit ihrer atemberaubenden Show das erste Mal live gesehen. Bastille sind nur wenig später in die Höhe geschossen und werden nach wie vor auf Musiksendern im Fernsehen und Radio auf und ab gespielt. Zu Biffy Clyro kommen wir weiter unten noch… Leider haben wir keine Stehplatzkarten mehr ergattert, aber es war trotzdem ein ganz besonderes Erlebnis.

Das sommerlichste Konzert: Sportfreunde Stiller – Donauinselfest.
Da ich wie gesagt auf keinem großen bezahlten Sommer-Festival war, gewinnen in dieser Kategorie die Sportis. Trägershirts die ganze Nacht, tolle Stimmung, Dosenbier und eine der sympathischsten deutschen Bands. Die Jungs muss man einfach mögen. Immer wieder. Hier gibt’s übrigens noch einmal meine DIF-Eindrücke zum Nachlesen.

Das einzigartigste Konzert: Bauchklang – Popfest.
Dass ich großer Fan vom Popfest bin, konnte man ja schon lesen. Und auch, dass sich Bauchklang jetzt eine Auszeit gönnen. Da die Stimmung vor der Karlskirche sowieso eine ganz besondere ist und es mit viel Pech auch sein könnte, dass die Jungs gar nicht mehr auftreten werden, war es ein einzigartiges Konzert und so riiichtig gut.

Das Konzert mit der meisten Frauenpower: Kitty in a Casket – Ottakringer Brauerei.
Da die anderen hier erwähnten Bands (und ich glaub sogar überhaupt alle Bands, die ich dieses Jahr sonst so gesehen habe) alle ausschließlich männlich besetzt sind, braucht es auch ein bisschen Frauenpower! Coole Musik, eine echt coole Frontfrau und eine coole Location. Herz was willst du mehr.

Das Konzert, bei dem ich mich augenblicklich verliebt habe: Frank Turner – Arena.
Ach Frank. Ich weiß, du weißt, dass du großartig bist, aber ich sag’s dir trotzdem nochmal. Gesehen und geliebt. Nur nach Konzerten, die mich ein bisschen verzaubern, höre ich dann tage- oder gar wochenlang die Songs in Dauerschleife. Das war so eins.

Das heißeste Konzert: Alter Bridge – Gasometer.
Na gut. Nicht unbedingt ein Highlight, das ich wiederholen möchte. Der Typ, der für die Klimaanlage in der Konzerthalle zuständig war, hatte wohl verschlafen. Oder war beim Staubsaugen. Das Konzert war ausverkauft, die Temperaturen unerträglich. Kurz bevor meine Haare zu tropfen begannen, ist der Typ dann doch noch aufgetaucht. Nichts desto trotz war das Konzert ziemlich gut. Vielleicht sogar ein bisschen mehr als das.

Das heißersehnteste (und beste!) Konzert: Biffy Clyro – Gasometer.
Jaaa.. was soll ich sagen. Nachdem ich Simon, James und Ben in Amsterdam als Vorband gesehen habe (ich hab sie allerdings vorher schon gekannt), war ich hoffnungslos verliebt. Selten hab ich mich auf ein Konzert so gefreut. Und nach diesem genialen Konzert hab ich mir auch noch den Drumstick gekrallt (mit dem ich seither jede Nacht kuschle.. oder so). Ein Abend, der mich heute noch lächeln lässt.

Das winterlichste Konzert: The Prodigy – Fridge Festival.
Das war zwar nicht wirklich meine Musik und Festivals im Winter sind auch nicht so ganz mein Ding, aber das Event an und für sich war trotzdem ziemlich genial. Einen Bericht von mir über den ganzen Festivaltag findet ihr hier.

Joa, das war’s. Auf in ein neues Konzertjahr!

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