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Das Gefühl, wenn…

von am Februar 23, 2017

…du eine Band, die du sehr magst, das erste Mal live siehst und du von deiner Recherche schon weißt, dass sie bei allen vorhergehenden Terminen der Tour immer dieselbe Setlist gespielt haben und dein Lieblingslied nie dabei war – und dann kurz vor Ende des Auftritts ganz unverhofft auf einmal die ersten Akkorde dieses Lieblingslieds ertönen.

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Die Sache mit der Sommerpause

von am Oktober 7, 2015

Wie alle diese Fernsehfuzzis, Politiker und Fußballspieler habe auch ich mir dieses Jahr eine Sommerpause gegönnt. Na gut, vielleicht ist sie etwas länger ausgefallen. Aber der Sommer ist halt auch so wahnsinnig heiß und so wahnsinnig aufregend und so wahnsinnig wahnsinnig. Oder so. Ihr wisst schon.
Es regnet, ich bin erkältet und irgendwie habe ich schon wieder fast vergessen, wie sich Sommer anfühlt. Aber ich glaube, das mit dem kurz Revue passieren lassen funktioniert noch. Ich werde euch jetzt allerdings nicht mit tollen Sommererlebnissen langweilen. Na ja, vielleicht ein bisschen. Aber nur mit ein paar lustigen Anekdoten. Oder skurrilen. Oder schönen. NA GUT, ich langweile euch jetzt doch mit tollen Sommererlebnissen (und mit Sommer meine ich die gesamte Zeit bis jetzt). Aber nur mit einigen wenigen. In Kurzform.

Wer ist Kurt Razelli? Und warum trägt er ausgerechnet eine Schwarzenegger-Maske? Der Auftritt von ihm im Rahmen des Popfests im Brut war wohl eines der schrägsten „Konzerte“, auf denen ich jemals war. Ein Publikum, das laut „Hypo Alpe Adria“ mitgröhlt, hat definitiv etwas Bizarres.

Welche lustigen Anekdoten und Sprüche habt ihr im Freibad von euren Nachbarn gehört? Eins meiner Highlights: Ein kleiner Bub (geschätzte 7 Jahre) stopft sich seine Badehose beim Hintern mit einem Handtuch aus und schreit „Schau Oma!! Wie die Kim Kardashian!!“ Ich habe leider nicht mitbekommen, ob die Oma tatsächlich wusste, wer Kim Kardashian ist.

Was läuft eigentlich in Stermanns und Grissemanns Köpfen falsch? Ich habe Karten für das Stück „Für die Eltern was Perverses“ im Rabenhoftheater gewonnen und fand es neben lustig auch sehr.. seltsam. Aber lustig-seltsam. Immerhin. Zusätzlich amüsiert hat mich, dass Stermann nur 10 Minuten nach dem Auftritt mit uns in derselben U-Bahn saß. Ich stelle mir das so vor, dass die zwei sich nach dem Abschlussapplaus hinter der Bühne kurz anschauen und „Jo.. eh. War scheiße eigentlich, aber hat schon passt.“ zueinander sagen und gehen.

Ist es eigentlich normal, dass in England niemand eine Zugabe hören will? Ich war auf einem kleinen Konzert in London und nachdem die Band bekannt gab, dass das nächste Lied das letzte sein wird, hat danach jeder kurz applaudiert und ohne Weiteres sofort den Saal verlassen. Das hat uns sehr verwirrt. (Nein, das Konzert war nicht mies.)

Was ist ein großartiges Date für euch? Was muss passieren? Ich weiß jetzt, dass spontane Cocktails, über den nächtlichen Naschmarkt schlendern und stundenlange intime Plaudereien über den Dächern Wiens auf jeden Fall dazugehören.

Habt ihr manchmal Lust auf typische Touri-Sachen in der eigenen Stadt oder nervt euch das nur? Ich war mit meinem lieben Besuch das erste Mal im Madame Tussauds in Wien, einfach weil wir irgendwie Lust darauf hatten. Und schossen dabei selbstverständlich furchtbar klischeehafte Fotos. Ja, ich habe Johnny Depp geküsst. Und Elvis. Und Brad Pitt.

Wart ihr letzten Samstag auch am Heldenplatz? Mit über 100.000 Menschen zu schweigen und zu „Schrei nach Liebe“ abzugehen –> Gänsehaut pur. Danke dafür. Refugees welcome.

Noch ein paar Erkenntnisse:
Es fühlt sich gar nicht so falsch an, bei 30 Grad eine Winterhaube zu kaufen.
Sorry an alle Katzenbesitzer da draußen, aber die schönsten und liebsten Katzen Wiens (nein, vermutlich der ganzen Welt) leben in Margareten.
Graz ist schon auch ziemlich cool.
Sonnenbrillen mit Herzchen-Gläsern kommen gut an.
Mr. Robot und Fargo sind großartige Serien.
Shoppen kann furchtbar nervig sein.
Nach sechs Jahren in der Wohnung besitze ich keine Zitronenpresse.
Wer dem Internet glaubt und gegen trockenen Reizhusten gewürfelte Zwiebeln neben dem Bett aufstellt, wacht gefühlsmäßig in einem Kebabstandl auf.
In London gibt es eindeutig zu wenige Mütter, die sagen „Nein Mädl.. es ist viel zu kalt. So gehst du nicht aus dem Haus!“.
Manche Menschen wissen nicht wer Audrey Hepburn oder Freddie Mercury ist.
Sollte das mit meinem Leben in Wien nicht so funktionieren, gehe ich nach Camden Town und werde Punk.

So. Das wars auch schon. Ab jetzt lesen wir uns wieder öfter. Ich freu mich drauf.

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Begegnungen | Kurzgeschichte | Lebenszirkus | Momentaufnahme | Musik und Konzerte | Sommer | Streetart | Unterwegs

Momentaufnahme #2

von am Juni 23, 2015

nova rockDie großzügig aufgetragene Sonnencreme auf meiner blassen Haut vermischt sich in der brütenden Hitze langsam mit dem von der tanzenden Menge aufgewirbelten Staub und setzt sich in den kleinen Fältchen auf meinen Armen und Beinen ab. Es ist Nachmittag und die meisten der vielen tausend Menschen lümmeln noch ausgestreckt in ihren Campingssesseln oder haben sich im Idealfall ein schattiges Plätzchen gesucht, um sich von der langen vorangegangenen Nacht zu erholen und Energie für die nächste lange Nacht zu tanken. Die Menschenmenge vor der Bühne ist somit noch recht überschaubar. Wir stehen angenehm locker in der zweiten Reihe und bekommen so sogar schon was von dem bisschen Schatten ab, den die Bühne auf das Feld vor ihr wirft. Die Windräder im Hintergrund drehen unermüdlich ihre Runden. Um uns erstreckt sich die burgenländische und ungarische Weite. Kein Hügelchen ist zu sehen. Vor mir an der Absperrung lehnt ein Mädel im Toten Hosen-Shirt und ich weiß, dass sie hier noch viele Stunden ihren Platz verteidigen muss bis sie endlich ihre Lieblingsband von der ersten Reihe aus bestaunen kann. Sie begrüßt einen gerade dazugestoßenen Typ mit blondem Iro, der das Logo der Band sogar bunt gestochen auf seinem Oberarm trägt. Als Hardcore-Fan kennt man sich wohl. Frank Turner, der gerade nur wenige Meter vor ihr „The Road“ zum besten gibt, interessiert sie wenig. Und dass er genau in diesem Lied die Zeilen „Well, I’ve travelled many countries, washed my feet in many seas. I’ve drank with grifters in Vienna and with punks in old D.C.“ flötet, interessiert sie vermutlich noch viel weniger. Franks obligatorisches weißes Hemd ist durchgeschwitzt und klebt durchsichtig an seiner Haut. Mir fällt auf, dass die Tattoos an seinen Armen reichlich Zuwachs bekommen haben seit ich ihn das letzte Mal sah. Die Temperaturen jenseits der dreißig Grad halten ihn nicht davon ab ein weiteres Mal mit Leidenschaft in die Gitarre zu hauen und sich wild zur Musik zu bewegen. Mein Blick schweift zu den anderen Bandmitgliedern und ich muss lachen, weil mir mein Bester letztens erzählt hat, dass die immer gleichen spastischen Bewegungsabläufe des Bassisten ein Nicht-hinschauen-aber-auch-nicht-wegschauen-können-Gefühl bei ihm auslösen. Wie recht er hat. Frank grinst sein charmantes Lächeln in die Menge und fordert sein Publikum zum Mitsingen auf. Ich strecke meine Arme in die Luft, tanze, soweit es mein Getränk in der Hand zulässt, und singe laut mit. Ich fühle mich glücklich und frei und weiß, dass heute noch viele schöne Momente wie dieser vor mir liegen.

„Ich bin ein Clown und sammle Momente.“

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Ich hab da was gehört.. #10

von am Juni 21, 2014

1508052_522733571157483_1367679033_nBei einem relativ kleinen Konzert im Chaya Fuera. Der Frontman plaudert ins Mikro, eine Gruppe hinter uns unterhält sich so dermaßen laut, dass man kein Wort des Bandmitglieds verstehen kann. Alle rundherum sind mehr als genervt. Insgesamt wurden sie von mindestens vier verschiedenen Leuten gebeten doch bitte etwas leiser zu sein. Die Antworten der äußerst sympathischen Gruppe waren so dämlich, dass ich sie mit euch teilen möchte:

Erste Antwort: „Nageeh bitte – er hot heit Geburtstog!“

Zweite Antwort: „Oida i hob de Band scho so oft gseng.. i kenn de sicher vüü besser oes du!“

Ich bin recht schwer aus der Ruhe zu bringen und koche nur sehr selten über, aber das war ein Moment, in dem ich tiiief durchatmen musste.
Und der Geburtstag von dem Typen rechtfertigt, dass ihr euch jetzt mitten im Konzert lautstark übers letzte Wochenende unterhaltet??? Und schon daran gedacht, dass mir vollkommen gleichgültig ist, wie gut du die Band kennst – ich sehe sie vielleicht zum ersten Mal und möchte deshalb mitkriegen, was der Herr so zum Publikum sagt!?!!!? Pah.. solche (hier Schimpfwort einfügen).

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Oh Wien.

von am November 8, 2012

Ich stehe in der Menschenmenge, das Publikum gröhlt den Liedtext mit dem Sänger mit. Außer den umherflitzenden Scheinwerfern ist der Saal abseits der Bühne relativ dunkel. Die Halle ist ausverkauft, die Stimmung super. Die Band sowie ein großer Teil des Publikums gleicht einer kleinen (aber äußerst amüsant anzusehenden) Freakshow: Leoprint-Leggins, lange Perücken, viel zu viel Schminke,… typisch Hair-Metal eben. Nicht unbedingt meine Musikrichtung, aber trotzdem ein Konzert, zu dem man sich definitiv gerne mitschleppen lässt. Ab und zu schweift mein Blick ab vom Geschehen auf der Bühne durch die Menge vor mir. Hmm.. diese Haare ein paar Reihen weiter vorne. Und der Bart. Ist das …?

Nach der Show – die Lichter gehen an. Die Halle leert sich langsam und ich drehe mich nochmal um, um einen Blick zu erhaschen und sicher zu gehen. Da sieht er mich, lächelt ungläubig und kommt auf mich zu.. „Bist du’s wirklich?“. Ja, ich bins.

„Kennt’s ihr euch?“ Wir grinsen uns an. Kann man so sagen, ja.

Wer mich liest, weiß bereits, wie sehr ich Zufälle liebe. Und dieser war einer der ganz besonderen Art. Wie groß ist schon die Wahrscheinlichkeit, dass jemand ganz zufällig über drei Ecken auf mein Geschreibsel hier stößt, es gut findet und mir schreibt. Dass sich dadurch ein E-Mail-Kontakt ergibt und wir nur eine einzige Woche später im ausverkauften Gasometer beinahe auf der gleichen Stelle stehen – wo wir doch beide die Musik eigentlich gar nicht hören?

Oh Wien, du kannst so klein sein. Und so wunderbar.

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