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10 Must-haves für den Sommer – die Lieblingstrends der dielyra-Redaktion

von am Juli 10, 2018

Alles warm, alles grün, alles Sommer. Also eh schon länger, aber so richtig offiziell ist es doch immer erst im Juli, nicht wahr? Endlich wieder schweißverklebte Haare auf der Stirn, Sonnenallergien, juckende Mückenstiche, unerträglich viele Urlaubsfotos im Facebook-Feed und der noch stärkere gesellschaftliche Druck, geltenden Körperidealen zu entsprechen. Ihr wisst schon. Vielleicht auch laue Nächte unter bunten Lichterketten, Erdbeeren essen im Park, luftige Kleider, kitzelnde Grashalme und Sonnenstrahlen auf der Haut, Konzerte unter freiem Himmel und die Beine in klarem Wasser baumeln lassen. Wer weiß das schon so genau. Was allerdings in keinem Sommer fehlen darf, sind nervige Lieder, die sich „Sommerhits“ schimpfen und irgendwelche Trends, denen wir alle hinterherzulaufen haben. Wie sich das gehört, haben auch wir ganz exklusiv die Must-haves für den Sommer zusammengestellt. (Also ich.) Denn was die Cosmopolitan kann, können wir schon lange. (Also ich.) Et voilà:

Eine flauschige Katze
Immer ein Must-have. Immer. IMMER. Optional lassen wir auch Hunde gelten. (Besonders nachdem wir den neuen Wes Anderson-Film gesehen haben.)

Ein Instagram-/Twitter-/Whatever-Feed, der dich nicht runterzieht
Ganz ehrlich: Folge keinen Leuten, deren Content unangenehme Gefühle in dir auslöst – seien es Neid, Wut oder sonstige Empfindungen, die dich runterziehen. Es gibt so viele Accounts, die positive Vibes, Inspiration, Motivation oder Lustiges und Unterhaltsames in die Welt setzen. Radikal ausmisten und Neues suchen sind die Zauberwörter. Tu es! Fühlt sich gut an, ehrlich.

Ein Protest-Schild (oder zehn)
Es gibt so viel, das falsch läuft. Anstatt uns in den sozialen Medien oder bei der nächsten Party darüber aufzuregen und auszukotzen, sollten wir alle ein fettes Schild malen und auf die Straße gehen. Such dir was aus: 12-Stunden-Arbeitstage. Immer noch keine Gleichberechtigung von Frauen. Rechte und Antisemiten im Parlament, die Rückschrittliches beschließen. Massentierhaltung. Fehlender Umweltschutz. Unaufhaltbare Klimaerwärmung aus Profitgier, die schon unsere Kinder vor enorme Probleme stellen wird. You name it.

Starker Kaffee
Siehe Beschreibung von Punkt 1. Bloß ohne die Hunde. (In Situationen, in denen dir mit voller Härte bewusst wird, dass du aufgrund der derzeitigen Weltlage eigentlich nur mehr brüllend auf der Straße stehen müsstest, kann der Kaffee auch durch Alkohol ersetzt werden.)

Selbstliebe
Jaja, wir wissen es. Was für ein ausgelutschtes Wort. Und sowieso viel leichter gesagt als getan. Aber dennoch: Du bist genug. Auch ohne der perfekten Dachterrassen-Wohnung, dem schlanken, durchtrainierten Körper, den extravaganten Hobbys, der märchenhaften Familie oder dem Traumjob.
Wir haben letztens einen grandiosen Rat gelesen: Betrachte dich selbst so wie einen sehr, sehr guten Freund. Behandle dich genauso liebevoll und verständnisvoll, sprich dir in demselben Maße Mut zu und bringe dir in gleicher Weise positive, aufmunternde Gedanken entgegen, wie du es bei diesem guten Freund tun würdest. Du bist wertvoll. Du bist es wert. Einfach so.

Must-haves für den Sommer

(Bad-Ass-)Outfits, in denen du dich richtig wohl fühlst
Letztens hörten wir einen Mann mittleren Alters sagen: „Haha schau mal die! Dress for the body you have not for the body you want! Hahaha!“ – HAHAHA JA GENAU HAHA HOW ABOUT NNNNO, DRESS HOWEVER THE FUCK YOU WANT!?!!!
Zieh an, was dir gefällt und trage das, was du tragen möchtest. Egal ob Over Size-Shirt, Sommerkleidchen, zerfetzte Jeans, Jogginghose oder Sari – leg dir Outfits zu, in denen du dich richtig wohl fühlst. Outfits, die dich spüren lassen: Heute kann dir keiner was. Die dir ins Ohr flüstern: You rock. Genau solche! Du musst niemandem gefallen außer dir selbst.

Ein großer Bücherstapel
Keine Zeit eignet sich so gut zum Lesen wie der Sommer. Also nimm endlich diesen einen Stapel ungelesener Bücher in Angriff oder statte dem Buchhandel deines Vertrauens einen Besuch ab und inhaliere Seite für Seite für Seite. Im Freibad. Auf der Parkbank. Am Fensterbrett. Am Balkon. Am Strand. In der Blumenwiese. Ganz egal wo, aber leg dein Handy weg und lies!

Gelassenheit und Selbstvertrauen
Alles wird gut, auch wenn einiges vielleicht gerade nicht ganz nach Plan verläuft. Du bist gut so wie du bist, auch wenn du manchmal nicht das Gefühl hast. Stress dich nicht, auch wenn du noch nicht dort bist, wo du hin möchtest. Vergleiche dich nicht mit anderen, die einen ganz anderen Weg hinter sich haben. Jeder hat eine andere Geschichte. Und ganz wichtig: Egal was oder wie du es machst, es werden IMMER Leute über dich reden. Also löse dich davon, darüber nachzudenken und deswegen irgendetwas zu tun, nur um den Erwartungen anderer gerecht zu werden. Tu das, was du für richtig hältst. (Meine Güte fühlen wir uns weise, wenn wir solche Dinge schreiben.)

Gemütliche Schuhe, die dich überall hin tragen
Selbsterklärend. Natürlich dürfen sie auch schön sein. Aber vor allem bequem. Denn du hast viel vor diesen Sommer. Und Blasen und Druckstellen kannst du dabei nicht gebrauchen.

Sonnenschutz und Vitamine
Hast du schon einmal darüber nachgedacht, wie viel dein Körper in deinem Leben schon aushalten musste? Dein Körper ist AMAZING! Gib ihm auch etwas zurück und kümmere dich um ihn. Schütze ihn und füttere ihn mit Dingen, die ihm gut tun. Wir reden nicht davon, dass du das Raffaello-Malaga-Nutella-Cookie-Eis weglassen sollst, aber tob dich ruhig öfter mal in der Gemüseabteilung aus und versuche deine Schweißdrüsen auch mal außerhalb der U6 zum Arbeiten zu bringen. Achja und vergiss diese kleinen Mini-Sonnenbrillchen, die man gerade überall findet, und bleib lieber bei den richtig großen Modellen. Die sehen nicht nur gut aus und schützen deine wertvollen Sehorgane, nein, so kannst du zusätzlich unangenehme Personen einfach „übersehen“. Win-win.

 

Ok ok wir geben es zu: Es sind keine Sommertrends geworden, sondern Immertrends.
Die Redaktion ist sich übrigens im Klaren darüber, dass hier ausgiebige Phrasendrescherei betrieben wurde. Sie möchte aber dennoch betonen, dass sie nichts bereut. (Also ich.)

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Duschgedanken.

von am August 24, 2013

Ihre Backen glühen rot als sie an den Armaturen schraubt, bis ihr das kalte Wasser erlösend über ihre vom Schweiß verklebten Haare läuft. Ihr Herz schlägt noch etwas schneller als normalerweise. Ihr ist heiß, doch sie spürt, wie sich die Haare an ihren Armen augenblicklich aufstellen und das kribbelnde Gefühl einer Gänsehaut über ihren ganzen Körper läuft. Als sie davon erfuhr, wurde ihr nicht schlecht. Ihr wurde gesagt, dass sie weiß im Gesicht war und sich doch hinsetzen sollte. Aber nein, ihren Kreislauf spürte sie nicht. Nichts Außergewöhnliches. Nicht mal Entsetzen. Einfach nur Überraschung. Und Leere. Die Bestürzung kam erst später.

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Ihr war nicht zum Weinen zumute. Sie hatte sie doch ohnehin nicht so richtig gekannt. Bis auf diesen einen Sommer. Und jetzt war sie tot. Es war schon Jahre her, dass man gemeinsam Zeit verbrachte. Sich toll verstand. Und diese eine Nacht, als sie ein bisschen zu viel getrunken hatten und am nächsten Tag wieder arbeiten mussten. Sie muss lächeln als sie daran denkt. Sie kann sich noch genau erinnern. Oder der Nachmittag, an dem sie stundenlang in ihrem Garten saßen und redeten. Wie alte, vertraute Freundinnen, aber trotzdem gerade erst kennengelernt. Manchmal passt es einfach. Nach diesem Sommer trennten sich ihre Wege wieder. Die eine da, die andere dort. Wie man das so kennt. Lange in der jugendlichen Erinnerungskiste verkramt, werden diese Momente jetzt wieder hervorgestöbert und liebevoll abgestaubt. Die letzten Tage hat sie oft diese Bilder im Kopf. Von ihr und ihrem hübschen Lächeln. Und dann kommt Wut in ihr auf. Wie kann nur.. ? – Unverständlich. Unbegreiflich. Undurchschaubar, dieser Tod. Es erscheint ihr manchmal ein wenig lächerlich in ihrem Alter ans Sterben zu denken, doch ab und zu schleichen sich solche Gedanken ein. Vermutlich gewöhnlich – bei wem nicht. Sie kann sich nie entscheiden, ob er ihr fern oder doch erschreckend nah vorkommen soll. Während das Wasser weiter auf sie herunterplätschert, schaut sie ihren Fingerkuppen dabei zu, wie sie langsam schrumpelig werden. Langsam fährt sie sich mit ihren Fingern über ihre Wangen. Es ist schon wieder über eine Woche her und sie hat bis jetzt nicht geweint. Sie versteht das irgendwie nicht. Sonst weint sie doch sogar bei kitschigen Szenen im Fernsehen oder sentimentalen Geburtstagsansprachen. Zumindest so ein bisschen. Aber hier kreisen nur die Gedanken. Vorfälle wie dieser machen ihr jedes Mal mit einer erbarmungslosen Wucht klar, wie schnell alles vorbei sein kann. Wie grausam Schicksal sein kann. Jeden Tag unzählige Male, aber wirklich berühren tut es sie doch nur in den seltensten Fällen. Diesmal berührt es sie. Sehr. Ein wunderbarer Mensch weniger auf dieser Welt. Und viele verzweifelte, traurige mehr. Diese Sommererinnerungen mit ihr wird sie nicht vergessen. Bestimmt nicht. Sie wäscht sich die Reste ihres Shampoos aus ihren Haaren, dreht das Wasser ab und steigt aus der Dusche.

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