Ich hab da was gehört.. | Öffi-Geschichten

Ich hab da was gehört.. #30

von am August 6, 2017

Zwei Freundinnen, unterwegs mit ihren insgesamt fünf Kindern, unterhalten sich in der U-Bahn neben mir.
Die eine zur anderen:
„Seufzzzz… Ich brauche einen Mann, der Ziele hat. Weißt du? Einen, der sagt: Mit 30 will ich das erreicht haben, mit 35 das, mit 40 das. Mein Mann ist überhaupt nicht so. Dem ist alles egal! Der ist zu überhaupt nichts zu gebrauchen!“

Pssst – mein Tipp: Einen Mann heiraten, den man auch gebrauchen kann.

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Ich hab da was gehört.. #15

von am März 2, 2015

Letztes Wochenende im Flanagans. Ich gehe gerade die lange Treppe zu den Toiletten hinunter. Auf einer Stufe stehen ein Mädl und ein Typ und unterhalten sich. Ich höre nur:
„Ich fühle mich nicht so wohl, wenn wir hier stehen.. können wir vielleicht woanders plaudern? Die Freundin meines Bruders ist letztens die U-Bahn-Treppe hinuntergestürzt und hat sich alle Zähne ausgeschlagen.. ALLE.“

Uhmm.. Autsch. Danke für die Albträume.
(So vorsichtig wie an diesem Abend habe ich mich schon lange nicht mehr von Stufe zu Stufe bewegt.)
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Ich hab da was gehört.. #13

von am Dezember 23, 2014

Letztens in der U-Bahn:
Es ist fünf am Nachmittag, die U-Bahn ist voll. Eine Frau mit einem Kinderwagen steigt ein und quetscht sich gerade noch so in den Waggon. Automatisch schaut die umstehende Meute ins Wagerl und beginnt zu lächeln – es war wirklich ein sehr süßer Fratz. Bei der nächsten Station steigt eine junge Frau mit dem wohl entzückendsten, bezauberndsten Welpen ein, den ich je gesehen habe. Er war klein und wuschelig und karamellbraun und am liebsten wäre ich hingegangen und hätte ihn abgebusselt und mit heimgenommen. Damit war ich anscheinend nicht allein – die Köpfe drehten sich mit leuchtenden Augen alle in Richtung Hunderl, das Baby bekam vermutlich nicht einmal mehr von der Mutter selbst Aufmerksamkeit. Nachdem eine ältere Frau neben mir das Szenario beobachtet hatte, tat ihr wohl irgendwie Leid, dass sich keiner mehr für das Kind interessierte. Sie lehnte sich ein bisschen nach vorne zur frisch gebackenen Mama und sagte „So ein hübsches Mäderl! Wirklich!“. „Danke. Es ist ein Bub.“.

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(Nein, das ist nicht der Hund aus der U-Bahn, aber auch ein sehr süßer. Und er mag meine bleichen Schenkel.)
˜˜˜
Letztens erzählt mir eine Freundin:
Eine Kollegin musste mit dem wohl bekanntesten Mobilfunkanbieter arbeitstechnisch etwas regeln und landete – wie das bei diesen Hotlines nun mal ist – in der Warteschleife. Während die Musik dudelt, unterhält sie sich mit den anderen im Büro, schimpft über die lange Wartezeit und muss nach geraumer Zeit mehr als dringend das stille Örtchen aufsuchen. Noch einmal auflegen und die Dauerschleife der nervigen Melodie eine weitere halbe Stunde ertragen kommt nicht in Frage. Also entschließt sie sich, das Headset einfach am Kopf zu lassen und es schnell hinter sich zu bringen. Gerade als sie entblättert auf der Schüssel sitzt, wird das Gedudel durch eine Männerstimme unterbrochen: „Sie wissen aber schon, dass wir alles hören, was Sie so machen?“.
Ups! Hattet ihr eine Ahnung, dass da bei manchen Service Hotlines mitgehört wird? In Zukunft werde ich wohl besser aufpassen, was ich in der Warteschleife so von mir gebe..

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Kinkerlitzchen des Tages

von am März 4, 2014

„Das Kinkerlitzchen – in seltenen Fällen auch Kinkerklitzchen genannt – bezeichnet eine Kleinigkeit. Der Ausdruck wird meistens gebraucht um die Belanglosigkeit der als Kinkerlitzchen bezeichneten Sache hervorzuheben.“ (mundmische.de)

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Heute: U-Bahn-Blickkonflikte

Ich kann es überhaupt nicht leiden, wenn in der U-Bahn so viel los ist, dass man nirgends hinschauen kann, ohne jemandem irgendwo hinzuschauen, sie aber nicht so voll ist, dass es ganz egal ist, ob man jemandem irgendwo hinschaut. Wenn man sich da kein Vor-Magazin oder das eigene Smartphone krallt, ist man gezwungen, verschiedensten Personen auf irgendwelche Körperteile (oder noch schlimmer: ins Gesicht!) zu glotzen (und die glauben dann vielleicht, dass man sie aus einem bestimmen Grund anstarrt). Aus dem Fenster schauen funktioniert nicht – die böse Spiegelung zeigt uns erst recht wieder unsere Leidensgenossen. Da ist mir eine vollgestopfte U-Bahn und ein Hinterkopf vor mir fast lieber. Ich scherze. Oder nicht. Kein Wunder, dass ich ein Straßenbahn-Mädchen bin.

♦ Kleinigkeiten, Nichtigkeiten, Firlefanz, Unsinn, Lächerlichkeiten, Kleinkram, Lappalien und Nebensächlichkeiten, über die ich nachdenke. Die mich zum Lachen bringen oder mich wütend werden lassen. Die Freudensprünge auslösen oder ein Stirnrunzeln hervorrufen. Die mich bewegen. Die mir trotzdem irgendwie wichtig sind. Das sind meine Kinkerlitzchen. ♦

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Mad Monday

von am September 1, 2013

Gesamte Tage teile ich eigentlich nie mit euch, aber manchmal muss man den ganz normalen Wahnsinn einfach aufschreiben.

Montag Morgen habe ich meine Schlummertaste so lange vergewaltigt, bis ich zerknautscht auf dem Bauch liegend das rauschende Wasser unserer Dusche gehört habe. Die vielen Wassertropfen haben mich im Gegensatz zu meinem Weckerton augenblicklich aufschrecken lassen – glücklicherweise. Ein Blick auf das Ziffernblatt zeigte, dass für mich eine erfrischende Morgendusche nicht mehr in Frage kam – das nächstbeste Shirt, Zähne putzen und ein bisschen Wimperntusche mussten reichen. Gerade als ich aus dem Haus stürmte und mein Handy zur Hand nahm, um meinem Chef mitzuteilen, dass ich ein paar Minütchen zu spät kommen werde, piepste und vibrierte es in meiner Hand. Es erschien die erlösende Nachricht, dass er total verschlafen hat, erst später kommt und ich mir doch bitte in der Zwischenzeit einen Kaffee holen soll. Ha! Die eine Seite flüsterte: Na super.. da wär sich doch noch mehr als eine Katzenwäsche ausgegangen. Aber die andere war mehr als froh, dass ich mir jetzt zumindest gemütlich Zeit lassen konnte.
„Guten Morgen schöne Frau!“ Bitte? Ich? Ein verwirrter Blick zur Seite. Tatsächlich. Morgendliche Flirtversuche? Warum wird man eigentlich immer dann angesprochen, wenn man sich selbst ziemlich unattraktiv findet? Die Männerwelt steht wohl auf zerknittert und zerzaust. Mir soll’s recht sein. Dafür sind mir grantige, frustrierte alte Männer nicht recht. Als ich das Büro einige Zeit später wieder verlassen hatte und mich in Richtung Straßenbahn bewegte, huschte ich an einer Ecke an einem älteren Herren vorne vorbei, der einen Rollator vor sich herschob. Entsetzt musste ich feststellen, dass ihm das anscheinend so gar nicht passte. Absichtlich stieß er seine Gehhilfe mit einem Satz nach vorne auf die Stelle, auf der ich eine Sekunde vorher noch gelaufen war. Ja, wirklich. Glücklicherweise haben diese streitsüchtigen alten Grantler nicht mehr die beste Reaktionszeit. Sah auf jeden Fall so aus, als ob es nicht gerade angenehm gewesen wäre, wenn er mich erwischt hätte. Kopfschüttelnd entschied ich mich gegen eine Zurechtweisung. Öffentliches Geschimpfe ist nicht so mein Ding. Ein vernichtender Blick tut’s auch.

In der Straßenbahn saß mir ein Mann Mitte zwanzig gegenüber. Langweilig aussehend. Gelangweilt aussehend. Sicher hätte ich ihm keine Beachtung mehr geschenkt, hätte ich nicht eine Station später bemerkt, dass dieser Sitzplatz nicht die beste Wahl war. Ununterbrochen hustete und schnaubte er in das Schundblatt, das er vor sich aufgeschlagen hatte. Scheinbar augenblicklich angesteckt, begann nur wenige Zeit später auch die Frau neben mir zu hüsteln. Allerdings hielt sie zumindest ihre Hand vor und rotzte nicht auf ihre Zeitung. (Obwohl.. diese Gratisblätter hatten es im Prinzip ja eh verdient.) Kaum ist es ein bisschen kalt und regnerisch, erkrankt die ganze Stadt. Oder zumindest der Teil davon, der neben mir in den Öffis sitzt. Für die letzten paar Stationen bin ich dann lieber aufgestanden.. toi toi toi, dass nicht auch ich bald schniefend und schnaubend durch die Stadt fahren muss.
Während der Mariahilfer Gürtel an mir vorbeizog, sah ich auch hier noch einige mehr von diesen „Puber“tären Kritzeleien, die seit einiger Zeit in der ganzen Stadt zu finden sind. Der Falter, thegap, der Kurier – alle schreiben über ihn. Aber er ist halt auch furchtbar lästig. Einen ganzen Artikel kriegt er von mir nicht spendiert (obwohl ich sogar darüber nachgedacht habe) – sonst schmiert er bei mir vielleicht auch noch die Hauswände voll. Nö danke.

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Wenig später öffnete ich tatsächlich die Türe eines Shops, den ich eigentlich schon monatelang besuchen wollte, aber das mit der Motivation funktioniert bei mir teilweise nicht so, wie ich mir das vorstellen würde. Ich bin alles andere als ein Technikfreak und würde wohl noch immer ohne Smartphone herumlaufen, wenn man mir nicht damals vor über zwei Jahren so ein Ding zum Vertrag dazugeschenkt hätte. Ja, ich geb’s zu: ich habe es lieben gelernt und könnte es mir jetzt so ohne auch nicht mehr vorstellen. Dieses treue, brave Gerät hat jetzt fast drei Jahre durchgehalten, zickte aber letzterzeit doch schon ganz schön herum. Und dann ist da jetzt natürlich noch diese „Propaganda“ eines bestimmten Mobilfunkbetreibers, die man momentan durch sämtlichen Medien eingeimpft bekommt. Mittlerweile habe ich die Werbung so oft gehört, dass ich automatisch mitsingen muss ohne es wirklich zu wollen. Freedoooom! FREEDOOOM! (Stimmt der Text überhaupt? Ich bin mir gar nicht sicher. Hauptsache laut mitsingen!) Mehr oder weniger unfreiwillig bin ich auch eine von denen, die von der leuchtenden Farbe zur Glückszahl wechseln musste. Mich stört das nicht besonders – aber die alte Dame, die neben mir wartete, bis sie an der Reihe war, entrüstete sich ganz schön. Gar nicht sympathisch sei ihr diese komische neue Firma. Und im Shop musste sich die Kundschaft jetzt selbst organisieren, da man keine Nummern mehr ziehen kann. Und am Samstag war sie auch schon da, aber da konnte man ihr gar nicht weiterhelfen. Eine Frechheit. Mhm. Danke für die Infos, Omi. Einfach lächeln und nicken.
Nach über einer halben Stunde war ich dann endlich dran – Yay! – ca. zehn Sekunden später wurde mir mitgeteilt, dass ich für die Katz gewartet habe. Mein gewünschtes Handy war in dem Shop gerade ausverkauft und somit sollte ich für meine Vertragsverlängerung bitte in die Lugner City fahren. (Meine „Beratungszeit“ inkludierte langes Herumstehen (meinerseits) und gelangweiltes Herumtelefonieren (ihrerseits).. die Details erspare ich euch.) Leichtes Zähneknirschen. Guuuut.. dann fahren wir halt in die geliebte Lugner City. Dort bin ich nämlich furchtbar gern. Die Leute dort stellen mein bevorzugtes Publikum dar und ich könnte mir augenblicklich jemanden aus der Menge schnappen, um eine neue beste Freundin zu finden. Ehrlich.
Mit einem Leuchten in den Augen stellte ich fest, dass man sich unerwarteterweise sofort um mich kümmern würde. Die Lugner City ist wohl bei Mobilfunkbetreiber-„Leidensgenossen“ genauso beliebt wie bei mir. Der junge Herr war dann.. na ja. Eh nett, aber halt etwas zach. Aber so sind sie wohl, diese Handy-Leute. Der Drucker des Shops beschloss an diesem Tag zu streiken (er hatte wohl ein hartes Wochenende) und nach längerer Suche nach einem Sackerl musste man mir Sim-Karte und Handy dann doch einfach so in die Hand drücken – mit gestammelter Entschuldigung und beschämtem Blick. Aw. Mir war ohnehin schon alles schnuppe. Reinrein mit dem Zeug in meine Tasche und nur rausraus hier aus dem Lugnertempel. Mit meinem neuen Handy. Das mir netterweise wieder einmal geschenkt wurde. Also mit Vertragsverlängerung – eh klar. Und es ist wunderschööön. Find ich. Und wichtiger: Es funktioniert wieder alles einwandfrei.

Mit meinem kostbaren neuen Sony in der Tasche trippelte ich die Stufen zur U-Bahn hinunter und merkte, dass ich mein Beutelchen heftiger umklammerte als sonst. Ich wurde noch nie bestohlen und habe auch noch nie etwas Wichtiges verloren – aber wenn sich viel Geld, Laptop oder sonst etwas in meiner Tasche befindet, das mir viel Wert ist, krallen sich meine Fingerchen in Öffis und anderen Menschenmassen ganz automatisch fester in mein unentbehrliches Anhängsel. Unten angekommen suchte ich mir wie so oft einen Platz vor dem Infoscreen, um mir mit unwichtigen Schlagzeilen und unnützem Klamauk die Wartezeit zu vertreiben. Klingt slapstick-mäßig ausgedacht, aber nur wenige Augenblicke später flimmerte tatsächlich eine erschreckend hohe Zahl über die Leinwand – nämlich eine vierstellige Zahl, die verriet, wie viele Taschen- und Trickdiebstähle es im vergangenen Jahr in Österreich (oder gar nur Wien?) gab. „Tolles Timing. Danke. Da fühle ich mich doch gleich besser“ dachte ich mir und umschlang meine Tasche, drückte sie noch etwas fester an mich und musterte alles um mich herum mit argwöhnischem Blick. Nach einigen U-Bahn-Stationen befand sich mein Hab und Gut noch in meinem Besitz und ich düste somit weiter Richtung Volume-Redaktion.

Ich bin keine von diesen „Ich gewinne sowieso nie irgendwas“- & „Ich habe mein ganzes Leben noch nie etwas gewonnen“-Raunzerinnen, weil ich doch hin und wieder eine „Glückwunsch!“-E-Mail in meinem Posteingang finde. (Nein, keine dieser Spam-Mails, die mir 10.000 Euro oder ein Auto versprechen). Ins Kino durfte ich. Zu der bayrischen Krimikomödie „Dampfnudelblues“. Kein Film, den ich mir sonst im Kino angesehen hätte, aber gratis geht man doch gerne hin. (Ich habe die Gutscheine übrigens schon eingelöst.. der Film war kein Burner, aber doch völlig akzeptabel für einen netten Kinoabend.) Ich sollte die Karten doch bitte in der Redaktion abholen – gleich gegenüber von meinem Institutsgebäude. Soso. Auch nicht gewusst, dass Volume dort sitzt.
Also stand ich nach einem kurzen Fußweg vor dem Altbau und klingelte. Ich liebe Altbauten, wohne aber leider in keinem. Ist es deswegen, dass ich diese Häuser und alles darin immer so furchtbar verwirrend finde? Gerade so große, verwinkelte Altbau-Büros.. vor einiger Zeit arbeitete ich in so einem und brauchte gefühlte Wochen, bis ich wusste, welche Tür zu welchem Raum führte und wie man das ganze Gebäude wieder verließ, wenn man es wollte. In diesen Dingern konnte man verstecken spielen ohne jemals gefunden zu werden. Aber ganz verloren bin ich dann doch nicht gegangen, wie man sieht. Oder liest.

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Nachdem ich am Heimweg dann noch bei diesem Schaufenster vorbeikam und mir der süße(!) Spruch ins Auge sprang, musste ich einfach noch einen kleinen Umweg zum nächsten Supermarkt einlegen, um mir dann endlich auf der Couch angekommen etwas Schokoladiges mit Glücksgefühlen reinschieben zu können. Mjam.

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