Dinge die die Welt nicht braucht | G-rant

10 Sätze, die Menschen mit sehr heller Haut nicht mehr hören können

von am Februar 18, 2017

Als ich diese Woche die neue „Girls“-Folge schaute und sich Hannah Horvath aka Lena Dunham in einer Szene von einer Fremden sagen lassen musste, dass sie sich mit Sonnencreme einschmieren soll und dass sie verdammt blass ist, ist mir wieder eingefallen, dass ich diesen Blogpost schon vor langer Zeit schreiben wollte.
Ich lebe mittlerweile doch weit über zwei Jahrzehnte in diesem Körper, in dieser Haut. Es gibt Zeiten, da mag ich sie weniger, es gibt Zeiten, da finde ich sie toll. (Ganz typisch gehörte die Schulzeit eher zu den ersteren.) Es ist zwar nicht immer einfach, den Sommer „unbeschadet“ zu überstehen und auch die Blicke am Strand werden einem irgendwann egal – am nervigsten und anstrengendsten sind jedoch die Menschen, die glauben, sie müssten meine Haut immer wieder kommentieren und mir sagen, wie ich mit ihr umzugehen habe. Es gibt einige Sätze, die wir Hellhäutigen wirklich nicht mehr hören können:

Der Klassiker: „Ohje.. geht’s dir gut? Du schaust so blass aus!“
Ja, das hast du richtig erkannt. Das ist mein Gesicht. Das schaut so aus. Alles gut.

„Gehst du nicht gern in die Sonne? Du bist so weiß.“
Oder auch: „Du solltest öfter raus in die Sonne!“ (Manchmal mit dem Zusatz: „Da kriegst auch du ein bisserl Farbe!“)
Ehrlich? Wenn ich aus dem neuen Hader-Film „Wilde Maus“ zitieren darf: Halt einfach die Pappn. Nach einigen Monaten Dauersonnenbestrahlung könnte das mit den Bikinistreifen vielleicht funktionieren, ansonsten: keine Chance. Und mir ist schon klar, dass ich nach Sport oder einer Spazierrunde in der Kälte „gesünder“ aussehe – helle Haut hat eben leider auch die Eigenschaft, sich bei Anstrengung und großen Temperaturunterschieden (oder Scham…) in einen Hummerton zu verfärben, um zwei Stunden später wieder mit der weißen Wandfarbe zu konkurrieren. Aber wenn es dir angenehmer ist, kann ich mich ja einfach jede Stunde einmal so richtig blamieren, dann gelingt das mit dem frischen Dauer-Teint.

Von Fremden: „Sie sollten sich in den Schatten legen. Passen’S auf mit Ihrer Haut!“
Vielen Dank, der Herr. Sehr rührend, dass Sie sich Sorgen um mich machen. Und auch sehr notwendig. Ich habe nämlich selbst keine Ahnung davon, was ich hier mache und ich lasse mir wahnsinnig gern von älteren Männern erklären, wie ich mit meinem Körper umzugehen habe.
Mit blasser Haut kann man’s eben niemandem recht machen. Liegt man in der Sonne, sollte man besser aufpassen und sich um Himmels Willen in den Schatten legen – liegt man im Schatten, sollte man sich in die Sonne bewegen, damit man doch endlich ein bisserl Farbe kriegt.

„Mit welchem Lichtschutzfaktor hast du dich eingeschmiert? Eh mit 50?“
Kommt eigentlich nur von nahestehenden Personen, deswegen: Ich weiß du meinst es gut, aber kann ich mir meinen Lichtschutzfaktor bitte selbst aussuchen?!

„Du leuchtest ja förmlich!“
Joa. Cool, gell? Kommt gut unter UV-Licht.

„Du warst im Urlaub? Sieht man gar nicht.“
Muss man auch nicht.

„Das schwarze Outfit? Du solltest was Frischeres tragen.“
Tja, oft genug trage ich „was Frischeres“ – oft genug auch nicht. Ich mag mich in schwarz. Und nein, ich bin nicht unter die Goths gegangen und feiere auch keine schwarzen Messen. Schön, dass ich nur mir selbst gefallen muss und niemandem sonst.

„Ha! Schau wie braun ich bin!“ während er/sie den Arm neben deinen hält
Gratulation – du hast eine dunklere Hautfarbe als ich. Genauso wie 98% der Menschen, 70% der Vampire und ca. 50% der Albino-Kängurus. Große Leistung, muss ich schon sagen.

„Ach sei doch froh. So hast du zumindest nicht das Problem… [Hier Bullshit einfügen].“
Oder auch „Ach mach dir nichts draus. Zu dir passt es voll gut!“ mit mitleidigem Gesichtsausdruck
Ach neee lass den „aufmunternden Zuspruch“ und das Mitleid stecken. Ich habe einen relativ empfindlichen Würgereiz.

„Du siehst aus wie eine Skandinavin!“ bzw. „Kommst du aus Schweden/Skandinavien?“
Das sind definitiv die Sätze, mit denen ich noch am besten leben kann. Seit ich selbst gesehen habe, wie wahnsinnig viele hübsche Frauen auf den Straßen Schwedens herumlaufen, ist das wirklich ein Kompliment. Nej, men tack!

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(c) someecards.com

Also ehrlich: Hört damit auf. Wir wissen das alles. Und können gut auf uns selbst aufpassen. Sonst beginne ich auch irgendwann damit, zu braungebrannten Menschen Dinge zu sagen wie:
„Sie sind aber braun! Das schaut aber nicht mehr gesund aus!“
„Wollen Sie das bei Ihrem Hauttyp wirklich tragen? Die Farbe passt eher diesen hellen, blassen Typen.“
oder „Gehen Sie bitte in die Sonne? Der Schatten ist für die sehr hellhäutigen Menschen reserviert.“

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Dinge die die Welt nicht braucht | G-rant | Unterwegs

G-rant: Kommen Sie herein, wir sind sexistisch.

von am November 24, 2016

Während sich mittlerweile viele Lokale und Läden „If you are racist, sexist, homophobic or an asshole …don’t come in“ auf die Fenster und Türen kleben, hängen sich slowakische Barbesitzer große Banner mit Internetbewertungen wie „The hottest, most sexist and sexiest bar in the city“ auf die Fassade. Ich staunte nicht schlecht und musste es schon in etwa fünf Mal lesen, um es so richtig glauben zu können. Soso. Sexistisch zu sein ist in Bratislava also ein Aushängeschild. Hm. Ja, das kann man schon so machen, aber dann ist man halt ein Arschloch. Da fragt man sich wirklich, ob die Herrschaften denn überhaupt wissen, was Sexismus bedeutet. Ich weiß auch gar nicht, ob das heißen soll, dass die Besitzer, das Personal oder doch die Gäste, die sich dort aufhalten, sexistisch sind. (Ich gehe sehr stark davon aus, mit Sexismus ist hier nicht gemeint, dass Männer mehr für die Getränke zahlen oder Frauen zu jedem Cocktail ein gratis Sandwich bekommen.) Fakt ist: Dieses Barrock wird gerne als sexistisch bezeichnet und brüstet sich auch noch damit. Es steht da eigentlich schon als Aufforderung. Es schreit: Hey Männer, bei uns ist es vollkommen in Ordnung sexistisch zu sein. Wir stehen sogar dafür! Also grabt sie bei der Pussy. Oder zeigt ihr zumindest verbal, dass sie ein Objekt ist. Sie sagt nein? Das meint sie nicht so.

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Aber mal davon abgesehen, dass ich das schrecklich finde, finde ich das ziemlich gut. Von außen sah das Lokal nämlich im Großen und Ganzen nach meinem Geschmack aus: Gemütlich, nicht schick, schummriges Licht, günstiges Bier und es dürfte bei dem Lokalnamen wohl Rock aus den Boxen kommen. Spricht also eigentlich alles für einen Besuch. Nur diese eine Zeile neben der Eingangstür zeigte, dass man dem ersten Eindruck eben manchmal doch nicht trauen kann. Sonst ist vor dem Besuch eines fremden Lokals oft schwer zu sagen, ob man es meiden möchte – hier fällt dieses lästige „Zuerst ausprobieren und dann Meinung bilden“ praktischerweise weg. Ein Blick und es ist klar: Nö danke. Dieses ehrliche Statement neben der Tür bewahrte mich davor, Menschen mein Geld zu geben, denen ich es keinesfalls geben möchte. Da helfen auch keine guten Rippchen. Wie viele schlechte oder mittelmäßige Lokalbesuche hätte ich mir bereits sparen können, wenn denn nur auf der Außenfassade fett „Wir können keine vernünftigen Aperol-Spritzer mixen“, „Unser Personal ist unfreundlich und bedient Sie nur äußerst ungerne“ oder „Unser Caesar-Salad ist nicht besonders gut, dafür aber klein und teuer“ gestanden hätte. Und wie gerne würde ich noch von viel mehr Lokalen ehrlich wissen, wie sie ticken, damit ich einen großen Bogen um sie machen kann. Vielleicht könnten sich alle Arschlochbesitzer einen kleinen Schaukasten zulegen, in dem Dinge wie „Wir verdienen zwar fett Kohle, aber unseren Mitarbeitern zahlen wir viel zu wenig“, „Das Fleisch, das wir verwenden, kommt aus fürchterlichen Bedingungen“ oder „Unser Geschirrspüler ist kaputt und unser Tellerwäscher legt nicht sehr viel wert auf Hygiene und Sauberkeit“ regelmäßig veröffentlicht werden. Es wäre fast schön, wenn sich so viele wie möglich ein Beispiel an der rockigen Bar in Bratislava nehmen. Dann würde auf den FPÖ-Plakaten auch endlich stehen: Wir sind rassistisch, sexistisch, homophob und uns ist der „kleine Mann“ total wurscht! Wir verarschen euch alle und ihr wählt uns auch noch! Muhahaha!

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Alltag | Dinge die die Welt nicht braucht | Film- Serien und TV-Welt | Lebenszirkus

Die Sache mit den dämlichen Binden-Werbungen

von am März 5, 2016

Nicht selten bleibe ich verwundert zurück, wenn ich mir anschaue, welchen Stuss die Werbemenschen dieser Welt teilweise produzieren. Beispielsweise, wenn es um verschiedene Techniken des Auffangens von Menstruationsblut geht. Diese Damen-Hygieneartikel-Thematik bzw. Damen-Hygieneartikel-Problematik wurde schon öfters (aber offenbar nicht oft genug) aufgegriffen und diskutiert – ich muss mich hiermit den kritischen Stimmen anschließen und mich auch kurz dazu auslassen. Momentan laufen wieder einige Spots, die mich bei jedem Sehen aufs Neue nerven. Meine Güte, was sind wir alle glücklich und aktiv, wenn wir unsere Tage haben. Wir bewegen uns ständig und machen die verrücktesten Sachen. Wir tanzen. Wir springen. Wir reiten. Wir paragleiten. Wir besteigen 8000er. Und wir fühlen uns grandios. Immer. Und vor allem tragen wir während unserer Periode und der Ausübung unserer ausgefallenen Hobbys ausschließlich und jederzeit knappe, dünne, fast durchsichtige, weiße Kleidung. Und Röcke. Vor allem ganz kurze Röcke! Wir schlafen nur in reinweißer Bettwäsche und tragen dabei weiße oder wahlweise blassrosa Höschen. Generell hat unsere Menstruation mit einer Blutung nichts zu tun. Unsere abgestorbene Gebärmutterschleimhaut ist ein himmelblaues Wässerchen, in dem sich manchmal sogar ein paar Glitzersternchen finden. Und Einhörner auf Regenbögen.

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Mag ich nicht

von am September 10, 2014

Ich bin euch nach dem ersten Artikel über das „… mag ich, mag ich nicht“-Büchlein noch meine Contra-Liste schuldig. Voilà! Hier ist sie. Wieder begrenzt auf maximal 40 Dinge, Situationen und sonstige Kleinigkeiten.

Ich mag nicht:
IMG_20140603_155142wenn mir nicht einfällt, welcher Schauspieler auch dieselbe Synchronstimme hat, zu spät merken, dass das eine ganz bescheuerte Frage war, gekochte Karotten, starker Wind, Namen vergessen, Hustenanfälle in blöden Momenten, wenn mein Friseur glaubt, sich die ganze Zeit mit mir unterhalten zu müssen, klebrige Finger, die Farbe „nude“, trockene Lippen, wenn jemand zu früh/unpassend klatscht, Obstfliegen, kalte Füße, Menschen, die nicht verlieren können, wenn ich nur ein paar Sekunden zu spät zum Bahnhof komme und meinem Zug noch hinterher winken kann, im Restaurant nicht wissen, was man essen soll, aufdringliche NGO-Spenden-Leute, „Früher war alles besser“-Sager, blaue Flecken und keine Ahnung haben woher sie kommen, Traubenzucker, Salbei, dass meine Pflanzen immer wegsterben, Wespen, wenn meine selten errungenen Bikinistreifen wieder verblassen, bei Büchern nicht weiterzukommen, unpassend angezogen sein, nicht das bekommen, was man bestellt, furchtbar schlecht synchronisierte Werbungen, verschmierte Smartphone-Displays, Menschen, die immer nur reden und niemals zuhören, in fremden Lokalen das Klo suchen, Weintrauben mit Kernen, wenn ich in einem anderem Land das Leitungswasser nicht trinken darf, Nacktschnecken, lange Fingernägel, die Lichtverschmutzung über Städten, Fitness-Freaks, Leute, die ein Buch oder einen Film nicht mögen, obwohl sie dieses Buch nie gelesen oder den Film nie gesehen haben,…

…und was kannst du nicht leiden?

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Dinge, die die Welt nicht braucht #1

von am August 10, 2013

heute: Schundverfilmungen

Ja, ich bekenne mich schuldig. Ich lese Schund. Manchmal. Weil alle darüber reden und ich halt auch gerne was zu sagen habe – meine Meinung und so. Vor ungefähr fünf Jahren konnte ich wieder einmal nicht anders und krallte mir dieses pinke Büchlein, das für so viel Wirbel sorgte. Entkommen war zwecklos. Unaufhörlich sprach diese Charlotte Roche-Person in sämtlichen Medien – von Boulevard bis seriös – über sexuelle Abartigkeiten ihrer Protagonistin Helen, Hämorrhoiden und andere schöne Dinge, die man nicht unbedingt hören möchte. Die Welt schrie laut auf. Und ich schreie heute mit ihr. In wenigen Tagen kommt die Verfilmung von „Feuchtgebiete“ ins Kino – gerade rechtzeitig, um diesmal den Teenagern, die damals noch zu jung dafür waren, eine Blamageoption zur Verfügung zu stellen. Fremdschämen damals: Schnappschüsse von Jugendlichen sehen, die sich mit dem Buch in der Hand selbst fotografierten, um der Welt da draußen zu zeigen, dass sie perverse Erwachsenenbücher lesen und somit richtig cool sind. B3sT BooK EvAaAa! Prognostiziertes Fremdschämen heute: Lesen, dass jemand bei den Lieblingsfilmen „Feuchtgebiete“ angegeben hat.

Definitiv ein Film, auf den absolut keiner gewartet hat.

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