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Grätzlgschicht: Der Alkohol und die Ehrlichkeit

von am Dezember 18, 2016

Letztens war ich an einem gemütlichen Samstagabend mit meiner besseren Hälfte im Kino. Nachdem wir Benedict Cumberbatch zugeschaut hatten, wie er mit Dormammu verhandelte, stellten wir fest, dass wir beide den ganzen Tag viel zu wenig gegessen hatten und hungrig waren. Da es schon kurz vor 23 Uhr war, entschieden wir uns dazu, noch bei einem relativ neuen Restaurant in unserer Gegend anzurufen, um zu checken, ob wir denn um die Uhrzeit noch etwas zu essen bekommen. In diesem Lokal verbrachten wir wenige Wochen zuvor schon einige Stunden und waren rundum begeistert. Der Herr am anderen Ende der Leitung war sehr freundlich und versicherte uns, dass der Koch noch ein paar Minuten länger bleiben kann und wir noch verköstigt werden, wenn wir denn bald mal eintrudeln. Sehr nett. Zehn Minuten später waren wir dort. Und dann begann ein Abend, der auf der Skurrilitätenskala ganz schön viele Punkte einheimsen konnte. Anfangs noch alles normal – wir bestellten, bekamen unser Essen, aßen (es war wieder köstlich!), tranken langsam aus und wollten gehen. Es war mittlerweile ca. Mitternacht und im Lokal nicht mehr allzu viel los.
Und jetzt folgten Szenen, die Schülern im Unterricht unter dem Motto „Verdammt, habe ich das gestern wirklich gesagt/getan? Finger weg vom Alkohol!“ oder aber neuen Lokalbesitzern unter dem Motto „Don’t drink and entrepreneur“ gezeigt werden sollten.

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Es begann damit, dass drei Personen die Bar betraten, die vom Personal laut und überschwänglich begrüßt wurden. Diese offensichtlichen Stammgäste stellten sich als Italiener heraus und wenige Minuten später wurden nur mehr italienische Schlager aufgelegt und laut mitgegrölt – von Gästen sowie Personal. Der Kellner, der sich später als einer der Besitzer zu erkennen gab, kam an unseren Tisch, entschuldigte sich dafür, dass es jetzt schon „ein bisserl wild zugeht“ und bestand darauf, uns auf einen Averna einzuladen. Eigentlich wollten wir uns schon auf den Weg machen, aber gut – so ein Angebot an einem Samstagabend lehnt man ja nicht ab. Sobald wir die Gläser mit dem braunen Kräuterbitter  in der Hand hatten und anstießen, musste er jedoch noch einmal an den letzten noch besetzten Tisch, um zu kassieren. Da stellte sich ein anderer Herr, der sich als Chef 2 herausstellte, an unseren Tisch und begann mit uns zu plaudern. Er war sturzbetrunken und tat sich schon etwas schwer dabei, richtige Sätze zu formulieren.
„Ihr zwei warts die, die angerufen haben, oder?“ „Ja genau.. danke nochmal, dass der Koch extra länger geblieben ist.“ „Also ich muss sagen: SO TOLL, dass ihr angerufen habt! Das hat mich SOOO gefreut!“ „Oh.. ja gerne. Kein Problem. Wir wussten halt nicht genau wie lange bei euch die Küche offen ist und wollten sichergehen…“ „Na wissts ihr… SO kann man arbeiten! Das war wirklich seeehr suuuper von euch!“ „Jaaa kein Ding.“ „NEIN WIRKLICH! Das war echt so toll!! Unglaublich. Weil SO kann man nämlich arbeiten!“ (Das ging noch ein wenig länger so weiter…)
Na gut. „Etwas“ too much weil Alkohol, aber im Grunde ja sehr lieb. Im weiteren Gespräch verriet uns der angetrunkene Inhaber jedoch mehr als er vermutlich wollte. „Hats euch geschmeckt? Also ich muss ja sagen… mir gings immer nur ums Bier. Ich wollt immer nur unser Bier verkaufen! Die Burger waren mir komplett wurscht. Ich hab wirklich keine Ahnung, warum die so gut ankommen! Die hat kein Koch entwickelt oder so! Wir haben einfach irgendwas zamgschmissn und ihnen irgendwelche Namen verpasst, die uns grad eingefallen sind! Also überlegt haben wir uns da wirklich gar nix. Und jetzt schreiben alle im Internet, dass die Burger bei uns so gut sind.. ich versteh das eigentlich gar nicht!“
Okay. Aufhören. Das ist eindeutig zu viel Information.

Wenig später kam Chef 1 zurück und als er empört feststellte, dass Chef 2 seinen Averna ausgetrunken hatte, wurde er leicht grantig. Wir wollten die Situation mit Smalltalk ein wenig entschärfen und fragten nichtsahnend, wie lange es das Lokal denn schon gibt, ob sie davor schon etwas in die Art gemacht hatten, woher sie denn sind – und wer denn von den zweien eher der Unternehmer und wer eher der Kreative sei. Letzteres war keine allzu gute Idee.
„Also ich bin beides. Ich muss mich ohnehin um alles kümmern.“ „Jaaaa natüüürlich. Nuuur du bist für unseren Erfolg verantwortlich, gell? Weil ich mach ja absolut gar nix hier.“ „Na bitte was machstn groß? Ich bin ständig überall eingespannt und bin für so gut wie alles verantwortlich.“ „Jaja ist schon gut.. stells nur so hin. Passt schon.“ „Na ist doch wahr!!!“
Puh. Für das weitere Streitgespräch entfernten sie sich zum Glück von unserem Tisch und wir kramten nach dem Geldbörserl, um wirklich endlich gehen zu können.

Daraus wurde (noch) nichts. Bevor wir unser Geld loswerden konnten, begannen Chefs sowie Stammgäste Gläser in eine große Kiste in die Ecke zu schmeißen um sie klirrend zerscheppern zu lassen. Wtf? Nur zur Erinnerung: Es handelte sich nicht um ein schäbiges Eckbeisl, sondern ein relativ schönes, stylisches Restaurant. Auf unsere etwas irritierten Blicke folgte ein: „Wir kriegen neue Gläser und müssen die alten loswerden. Außerdem mach ich gerade eine schwere Phase in meinem Leben durch. Kommts her und nehmts die kleinen Gläser auf eurem Tisch mit! Machts auch mit mit uns! Geht schon! Habts ihr schon mal in eurem Leben einfach so ein Glas zerschmissen? Das ist total befreiend! Kommts her!“

Den krönenden Abschluss bildeten ein weiterer Limoncelli aufs Haus und feste, enge Umarmungen und Küsschen auf die Wangen von dem vorhin schon begeisterten Chef 2 für beide von uns bevor wir endlich in die kalte Nacht hinausflüchten konnten.

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Ich hab da was gehört.. #25

von am September 23, 2016

Zwei Schülerinnen sitzen in der Straßenbahn.
„Sag mal ist die Brille eigentlich neu?“
„Ja! Also nein, nicht wirklich. Nur an mir ist sie neu. Die hab ich in einer Schublade im Schlafzimmer meiner Eltern gefunden. Die hatte meine Mama auch schon auf damals in den 70ern oder 80ern oder so. Also voll Vintage!!“
„Achsoooo! Darum schaut sie so beschissen aus!“
Die Brillenträgerin lacht kurz auf.
„Äh nein sorry, ich mein das wirklich so.“
„Oh. Okay… also… wirklich?… Also ich finde… Hmm. Nein also ich…“
Eine Frau, die neben ihnen steht, schaltet sich ein: „Also ich finde die Brille sehr schön. Und sie steht Ihnen auch ganz wunderbar!“ ♥

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Grätzlgschicht: Spezielle Wünsche

von am

Vor ein paar Tagen bin ich nach dem Lebensmitteleinkauf in die Trafik gegenüber vom Supermarkt meines Vertrauens, um nach der neuen Ausgabe meines Lieblingsmagazins zu schauen. Das Zeitschriftenregal musternd fiel mir ein, dass ich diesen Monat eine besondere Karte nach Deutschland senden muss, weshalb ich mir gleich Briefmarken mitnehmen wollte. Ich legte dem grau melierten, etwa 55-jährigen Herrn Trafikanten das Magazin auf den Ladentisch und bestellte eine Marke nach Deutschland dazu.
„Eine WAS?!?“
„Eine Marke.. eine Briefmarke nach Deutschland, bitte.“
„Achso eine MARKE!!! Briefmarke!! Puh mal schauen…“
Nach einem verwirrten Blick kramte er mit in Falten gelegter Stirn in einer Schublade und nahm schließlich einen alten, etwas schmutzigen Kartonumschlag heraus, in dem sich Briefmarkenbögen befanden.
„Also hm puh nach Deutschland… wie vü Cent sandn des? Hm. Njo des derfatn 72 Cent sei. Hmm?“
„Ich bin mir leider nicht sicher…“
„Na momenterl i schau gschwind noch“ sprach er und verschwand für eine gefühlte kleine Ewigkeit im Hinterzimmer. Der vermutliche Kettenraucher hinter mir seufzt-röchelte ungeduldig ganze zwei Mal bis der Trafikant endlich wieder im kleinen Geschäftslokal erschien.
„80 sans! 80 kost des scho! Na seawas. Na guat donn moch ma des so…“ Nach vorsichtigem Falten und Abtrennen drückte er mir eine 70-Cent-jungknackige-Senta-Berger-Marke und eine 10-Cent-Alpen-Goldregen-Marke in die Hand – solche, die man noch selbst abschlecken muss.

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Ich kam mir bei einem Einkauf schon lange nicht mehr so „speziell“ vor.
Bei all den ganz normalen äthiopisch-norwegischen-Fusionsküchen-Restaurants, Concept-Stores, in denen einem Marillenmarmelade-Gesichtsmasken angeboten werden während man vegane Fairtradebiomode für Meerschweinchen kauft, Apps, die für dich auf die Toilette gehen und Papaya-Schnitzel-Müslis im Supermarktregal – richtig besonders ist, wer heutzutage noch Briefmarken kauft.

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Tagebuch Slam

von am September 5, 2016

Vor ein paar Jahren habe ich unter einem Anflug von Schamgefühl und Panik, dass sie je jemand lesen könnte, alle meine Tagebücher zerstört und weggeworfen. Seit Tagebuch-Slams (liebestagebuch.at) in Mode gekommen sind, finde ich es schon wieder fast ein wenig schade, dass ich die Welt nicht mehr an meinen peinlichen Teenagerergüssen teilhaben lassen kann. (Ich hätte im Theater an der Gumpendorfer Straße bestimmt einige Preise einheimsen können!) Doch als ich das letzte Mal zu Hause bei meinen Eltern war, habe ich zufällig ein kleines Büchlein gefunden, das ich nicht zerstört habe. Eine Episode daraus fand ich so amüsant, dass ich sie euch nicht vorenthalten möchte. Meine Geschichte mit Mister X. In meinem 13. Lebensjahr verwendete ich scheinbar gerne das Wort „geil“, mein Gehirn befand sich offensichtlich mitten in den pubertären Umbauprozessen, und ich war wie die meisten Mädels in diesem Alter eine Mischung aus superdämlich und superunangebracht – kam mir dabei aber ganz großartig vor.

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7. Oktober 2002

Ich bin heute sooo happy! Ein Boy aus der 4. (!!!) hat einen Stand auf mich, voll geil! Und er ist auch nicht schirch. Ich mein, der Fescheste ist es nicht, aber richtig schirch ist er auch nicht. Ma und der X aus der 3. ist auch voll geil! Der ist echt so ein cooler Typ. Doch leider hat der einen Stand auf die M! Na ja.. und der Y ist jetzt wieder voll verknallt in mich! Der hat mir Erkan + Stefan geliehen und hat mir ein paar coole Szenen erzählt – voll krass-konkret ey!   😀

14. Oktober 2002

So, jetzt war ich schon wieder richtig schreibfaul, doch es ist in der Zwischenzeit schon wieder sooo viel passiert! Ich gehe jetzt mit dem süßesten Boy aus der Dritten! Mit dem X! *looooove* Er ist sooo süß! Er ist extra wegen mir nach St. Margarethen gefahren! Voll lieb! Ich gebe ihm immer ein Bussi, voll cool! Ich glaube ich werde mit ihm meinen ersten Zungenkuss haben. SHIT! Wie macht man das? Die M hat es mir heute erklärt. Voll geil, jetzt wollen alle einen Freund aus der Schule! (…)

17. Oktober 2002

Tja, ich weiß nicht recht wieso, aber das, was ich da oben geschrieben habe, empfinde ich nicht mehr ganz… das letzte Mal wie ich dem X ein Bussi gegeben habe, hat die ganze Klasse zugeschaut und die Buben haben geklatscht und voll blöd getan und alle aus der Klasse reden jetzt blöd über mich. Aber es ist nicht nur das.. das letzte Mal sind wir mit dem X in der Freistunde hinausgegangen und da habe ich ihn genau angeschaut und gesehen: er ist gar nicht so fesch! Ich glaube ich will ihn gar nicht küssen. Aber er wäre irgendwie voll arm, wenn ich nach einer Woche Schluss machen würde. Vielleicht warte ich noch ein bisschen… und sage ihm dann, dass wir irgendwie nicht zusammenpassen. (…)

1. Februar 2003

Maaaah SO ARG!! Es ist in der Zwischenzeit schon wieder SOOO viel passiert! Also.. mit dem X gehe ich schon seit Oktober nicht mehr, ich habe per SMS Schluss gemacht. Und seit dem ist er soooo scheiße zu mir! Wenn ich ihn auf der Piste oder in der Schihütte treffe, lacht er immer blöd und verarscht mich. Tzzz.. der glaubt er ist sooo toll. Dabei wollte ich ihn nicht mehr! Na ja egal. Ich bereue nichts. (…)

Tja. Dass man doch ein bisschen scheiße sein darf, wenn schon nach wenigen Tagen Händchenhalten und Küsschen per SMS Schluss gemacht wird, habe ich damals natürlich nicht gesehen. Ich hatte übrigens nie wieder etwas mit diesem Herrn X zu tun. Und bevor jemand fragt: Nein, auch auf Klassentreffen werden wir nicht über diese Geschichte lachen, er ging in die Parallelklasse.

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Die Sache mit dem Verlieben und der Lieblingsband

von am September 3, 2016

Letztens ist mir aufgefallen: Sich verlieben ist wie eine neue Lieblingsband entdecken.
Irgendjemand stellt sie dir vor oder du hörst sie zufällig in einer Bar oder du entdeckst sie im Internet und nach diesem ersten Kontakt bist du gleich ziemlich begeistert. Anfangs ganz überrascht und glücklich über den Fund willst du ganz euphorisch mehr von ihr hören und sie besser kennenlernen und überhaupt alles von ihr wissen. Was sie in der Vergangenheit so gemacht hat und wo sie herkommt und wo sie schon überall war. Du willst so viel Zeit wie möglich mit ihr verbringen und findest nicht einmal die vielleicht vorhandenen, anfänglichen Jugendsünden von ihr peinlich oder schrecklich, da du weißt, dass diese Sünden auch maßgeblich für die Entwicklung in dieses wunderschöne heutige Sein verantwortlich waren. Du gibst sehr gerne Geld für sie aus und fährst oder fliegst auch in andere Städte um sie für ein paar Stunden zu sehen. Du findest dich des Öfteren auf ihrer Facebook- oder Instagramseite wieder nur um zu schauen, was sie so machen. Wenn du sie siehst, bekommst du Gänsehaut und nach jedem Treffen schwärmst du deinen Freunden von ihr vor. Doch wie so oft kann es nach dem Anfangsglücksrausch und Hochgefühl ganz verschiedene Fortsetzungen geben:

Szenario 1: Diese eine Band bleibt die absolute Lieblingsband. Auch nach Jahren findest du sie noch großartig. Immer wenn du sie hörst, bist du so hingerissen wie am ersten Tag und du hast das Gefühl, dass du sie nie satt haben oder von ihr genug bekommen wirst. Alles, was sie neu herausbringen, findest du fabelhaft und bringt dich dazu, dich immer noch ein bisschen mehr in sie zu verlieben. Klar, einzelne Stücke treffen vielleicht nicht immer ganz deinen Nerv, aber alles in allem weißt du: Es ist die Liebe fürs Leben.

Szenario 2: Nach der Anfangseuphorie merkst du irgendwann, dass da vielleicht doch die altbekannte rosarote Brille ihre Finger im Spiel hatte. Ja, sie ist schon ziemlich toll, aber du verstehst schon bald, dass es gar nicht so wenige andere Bands gibt, die genauso gutes, wenn nicht besseres Zeug produzieren. Selbst die ehemaligen Lieblingslieder fühlen sich jetzt ungewohnt und fremd an. In so manchen Stunden hörst du zwar gerne mal rein, bist dir aber sicher, dass ein „Lass uns Freunde bleiben“ die bessere Wahl ist.

Szenario 3: Du stellst irgendwann fest, dass sich die Band in eine Richtung entwickelt hat, die dir so gar nicht gefällt. Die neuen Songs sind alles andere als dein Stil, haben einfach nichts mehr mit dir zu tun und du bist enttäuscht, dass es so gekommen ist. Was war es, das dich zu Beginn so in den Bann gezogen hat? Du weißt es nicht mehr genau. Es scheint, als wären die Gegensätze zwischen euch monumental und unüberbrückbar geworden. Die Luft ist draußen. Wenn du sie hörst, nervt sie dich mehr als sie dir Freude bereitet. Alles was bleibt, ist die Erinnerung an die schöne, vergangene Zeit, die so nie wieder zurückkommen wird.

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Ich hab da was gehört.. #24

von am August 2, 2016

R sieht sich die Büchersammlung in Ws Wohnung an und nimmt sich ein Buch aus dem Regal, um ein bisschen darin zu blättern.
W sieht das und sagt: „Boah du musst dieses Buch lesen! Das ist mein absolutes Lieblingsbuch.. wirklich sooo gut!“
R: „Oh wirklich? Ich hab noch nie etwas von dem Autor gelesen.. würde mich eh interessieren.“
W: „Nimms mit! Du wirst es sicher auch toll finden.“

Wochen später:
R: „Aaah du hattest recht! Das Buch ist wirklich sehr genial. Besonders diese eine Stelle, wo er versucht dort rauszukommen und deswegen mit der alten Frau…“
W: „Aahm ich muss dich hier gleich unterbrechen. Ich habe überhaupt keine Ahnung mehr was in dem Buch passiert.“
R: „Aber das ist doch DIE Schlüsselszene!? Du hattest doch gesagt es ist dein absolutes Lieblingsbuch??“
W: „Joa stimmt..“
R: „Das heißt, du hast keinen Schimmer mehr, was in deinem Lieblingsbuch passiert?“
W: …
R: …

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Von schlechten Dates und dem Berühmtwerden

von am April 25, 2016

Hast du Lust dich heute zu treffen? Es ist zwar Jänner, aber es ist so mild draußen.. wir könnten uns an den Donaukanal setzen. Ich nehme auch eine Decke mit. Und Bier. Und auch ein bisschen was zu Essen, wenn du magst. Was hältst du davon?

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Oh, ich hielt sehr viel davon. Es war tatsächlich ein sehr, sehr milder Tag (für Jänner) und so kam mir die Idee eigentlich ziemlich romantisch vor. Ein winterliches kleines Picknick am Donaukanal mit einem Herrn, der mir die letzten Wochen einiges meiner Zeit raubte. Abends. Vor meinem Laptop sitzend. Ich hatte ihn damals lange Zeit vor Tinder und Co auf einer dieser altmodischen Freundschaftsplattformen kennengelernt, deren aufdringliche Werbung zu der Zeit ständig im Fernsehen lief. Ich kann mich erinnern, dass ich sein Profil süß und intelligent fand und auch sein verschmitztes Grinsen auf dem Schwarzweiß-Foto wickelte mich schon anfangs ein klein wenig um den Finger. Nach ein paar Nachrichten auf der Plattform tauschten wir unsere Skype-Adressen und schrieben uns abends oft stundenlang. Da wir beide in der gleichen Stadt wohnten, war es nur eine Frage der Zeit, bis wir uns treffen würden. Ich dachte zwar eher an ein Getränk in einer Bar oder einen nachmittäglichen Spaziergang mit Kaffeepause, aber Bier am Donaukanal klang für mich auch toll.
Ich kann nicht behaupten, dass dieser Tag ein einschneidendes Erlebnis für mich war, aber dennoch weiß ich bis heute, welches Outfit ich damals vor in etwa fünf Jahren aus meinem Schrank kramte. Es war ein rot-grau karierter Winterrock mit einer dicken schwarzen Strumpfhose, schwarzen Stiefletten, einer schwarzen Kunstlederjacke und einem roten Schal + Haube. Im Nachhinein kam ich nicht daran vorbei, mir des Öfteren zu denken „Im Jänner am Donaukanal! WIE naiv kann man bitte sein??“ – aber da ich mich genau erinnern kann, dass mein Outfit ohne Winterjacke und nur mit Strumpfhose temperaturtechnisch völlig ausreichend war, redete ich mir ein, nicht naiv sondern einfach eine hoffnungslose Romantikerin gewesen zu sein.
Das Treffen an sich dauerte in etwa 20 Minuten. Nicht, weil ich ihn scheiße fand. Auch nicht, weil er mich scheiße fand. Allerdings hatte er den Donaukanal nur gewählt, da er sich nicht allzu weit von seiner Wohnung wegbewegen wollte. Er schüttete sich den halben Liter Bier in kürzester Zeit die Kehle hinunter und eröffnete mir dann: „Na gut.. also ich geh jetzt heim und schau Dschungelcamp. Du kannst gerne mit. Kommst?“
Was? Wie bitte?? Dschungelcamp?? Dieses Picknick unter Sternen war kein süßer Date-Einfall sondern ein Er-wohnt-2-Minuten-vom-Donaukanal-entfernt-und-wollte-mich-einfach-nur-abschleppen? Heute denke ich mir: „Ooh, honey.“ Damals wars mehr so: „Der investiert Stuuunden über mehrere Wochen hinweg um mit mir über die großen und kleinen Fragen und Themen des Lebens zu schreiben und das alles nur für ein bisschen eventuellen Sex?? Geht das nicht in Clubs viel schneller ohne den vielen Aufwand? Waruuum? Er war doch so süß?!? …“
Ich lehnte ab. Das Date war somit nach 20 Minuten vorbei. Aus mir unerklärlichen Gründen schrieb ich ihm danach sogar noch eine Nachricht. Zurück kam: „Sorry, das war deine Chance. Eine zweite gibt es bei mir nicht. Adieu.“ Ha. Wtf.

Ja, keine sehr außergewöhnliche Geschichte. Ich will gar nicht wissen, wie viele Frauen jeden Tag feststellen, ihre wertvolle Zeit mit jemandem vergeudet zu haben, der sie nicht verdient hatte. Jedoch ergab sich vor ein paar Wochen ein mehr oder weniger aufregend-witziger Zusatz zu dem Ganzen: Jetzt, Jahre später, grinst dieser Herr aus sämtlichen Medien. Eine Zeit lang sah ich so ziemlich jeden einzelnen Tag irgendwo ein Interview mit ihm. Beim ersten „Wiedersehen“ kamen durch das bekannte Gesicht natürlich diese Erinnerungen hoch, die ich eigentlich schon ziemlich weit hinten verstaut hatte und die mich nach der Auffrischung glücklicherweise keineswegs ärgerlich, sondern eher belustigt zurückließen. Nichtsdestotrotz konnte ich nicht umhin Sachen zu denken wie: „Nageh das Würschtl ist jetzt berühmt und erfolgreich? Tzs. Wo isn dieses Karma eigentlich, wenn man es braucht?“ – und irgendwie habe ich das Gefühl, ich bin damit nicht allein.

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Ich hab da was gehört.. #23

von am April 22, 2016

Zwei ca. 35-jährige Männer sitzen am späten Nachmittag auf einer Parkbank.
Der eine erzählt dem anderen:
„Zu Ostern war ich mit Rosa am Land. Weißt eh, in der Steiermark bei der Katharina. Bevor wir dann die Katharina besucht haben, sind wir kurz in einem typischen Landgasthaus eingekehrt. Die Kleine hat sich schon etwas skeptisch im Lokal umgesehen, aber nichts gesagt.
Sie dann: „Papa, kann ich ein Kombucha haben?“
Der Wirt steht daneben: „Hm? Des homma ned.“
Rosa weiter: „Hmpfs.. dann hätte ich gern einen Matcha-Eistee. Oder ein Makava.“
Der Wirt schaut mich schräg an. Ich dann „Süße, das gibt’s hier nicht. Wie wärs, wenn du einfach eine Fanta oder einen Apfelsaft nimmst?“
Sie rümpft die Nase: „Fanta?? … Ich nehm eine Cola. Light!“
Meine Güte, sie ist so ein Stadtkind. Ich glaub, ich muss öfter mal mit ihr rausfahren..“

Öhm. Ja, das glaube ich auch.

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Momentaufnahme #3

von am April 8, 2016

Ich sitze in einem Bus, der irgendwo zwischen Mürzzuschlag und Wiener Neustadt über die Semmeringer Schnellstraße brettert. Da in der Semmeringer Gegend Bauarbeiten an den Zugschienen durchgeführt werden, musste der gesamte Railjet bzw. seine Passagiere in Busse verfrachtet werden. Was mir zuerst furchtbar lästig erschien, hat im Endeffekt auf der Lästigkeitsskala von 1 bis 10 glücklicherweise nur läppische 3 Punkte abgeräumt. Bei den ÖBB arbeiten anscheinend doch ganz fähige Leute. Zumindest ab und zu.
Ich habe einen angenehmen Fensterplatz ergattert und schaue der vorbeiziehenden, sich zu einem grünbraungrauen Brei vermischenden Landschaft zu. Über ihr erstreckt sich eine blitzblaue Himmelsuppe, die alles zu umarmen scheint. Es ist nach 18 Uhr und der Himmel ist nach der Zeitumstellung am Wochenende immer noch wie direkt kopiert aus einem Werbesujet für Urlaub in Kroatien. Vor mir kuschelt ein Pärchen und unterhält sich leise kichernd auf Tschechisch (zumindest hat es sich für mich Tschechisch angehört). Sie zwirbelt eine haselnussbraune Lockensträhne um ihren Zeigefinger während er sie noch näher an sich drückt und ihr etwas ins Ohr flüstert. „Oh Baby deine braunen Löckchen sehen heute besonders bezaubernd aus!“ Oder so. Vielleicht auch „Oh Baby wer ist eigentlich für die hässlichen Sitzbezug-Designs in Bussen verantwortlich?“. Diese Muster auf den Bussitzen sehen immer so aus wie das, was ich früher im Paint produziert habe, bevor ich Spiele auf Disketten, Minesweeper und Chatrooms entdeckt habe.
Rechts neben mir findet das langweiligste Gespräch der Welt statt, das mich wieder einmal daran erinnert, warum mir belangloser Smalltalk oft so zuwider ist. Wo wohnst du denn jetzt in Wien? Im 9. In der Soundsostraße. Achso da. Ums Eck war ich mal bei einem guten Japaner.. mir fällt gerade der Name nicht ein. Aso mhm den kenne ich nicht, aber muss ich mal ausprobieren. Ja unbedingt. Ich schreibe gerade an meiner Diplomarbeit über arbeitslose Tauben am Hauptbahnhof. Mhm klingt spannend. Ich arbeite in einem Marktforschungsinstitut und versuche gerade in Gruppendiskussionen herauszufinden wie eine neue Kopfschmerzmittelkampagne so ankommt – aber pssst bitte nicht weitererzählen, ich darf dazu eigentlich noch nichts sagen. Nein nein natürlich nicht. (Dabei würde sie doch so gern – ihr gesamter Freundes- und Bekanntenkreis interessiert sich sehr dafür.) Ich stecke mir meine Kopfhörer in die Ohren, schließe die Augen und lasse mich von den leicht wippenden Bewegungen des fahrenden Busses in einen dösigen Zustand schaukeln. Noch zwei Stunden bis zur innigen Umarmung meines Herzensmenschen. Ich kann es kaum erwarten.

„Ich bin ein Clown und sammle Momente.“

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